29.11.05

Als Administrator keine Netzwerksymbole in der Taskleiste, und kein Zugriff auf selbiges.
Als Benutzer ist alles da.

(billgatesisgod*-1)
Letzte Woche habe ich mich schon mit dem Gedanken getragen, den Umzug auf die neue Kiste zu vollziehen. Aber irgendwie tat mir der Kleine leid, wie er da grau und verstaubt neben dem schwarzglänzenden Boliden stand. Bemüht hat er sich ja redlich, und vor allem lang - schon fünf Jahre ohne Wiederbelebung - aber gegen die Kraft der zwei Herzen und das zwanzigfache Schluckvermögen sieht er eben kein Land. Die Ansprüche wuchsen, der Kleine passte sich an. Da ein Riegelchen, hier ein Kärtchen. Gezickt hat er nie, hat gerackert und geschafft.
Gestern abend fing ich an - zur Sicherheit. Datenkonsistenz ist alles - und in meiner Sammlung steckt eine Menge Zeit. Also begann ich zu übertragen, das Ende war nah, das spürte er. Ich redete ihm gut zu, Du darfst in den Serverraum zu den Kollegen, sagte ich. Printserver oder Streamingserver vielleicht. Einen richtigen Webserver brauche ich auch noch, das könntest Du doch vielleicht? Doch dienen ist seine Sache nicht, Workstation möchte er gerne sein, mitten im Leben stehen, arbeiten, nicht nur immer auf die anderen warten. Der Bildschirm wurde schwarz.
Nach ein wenig Drohen mit dem Netzkabel in Richtung draußen, wo es mittlerweile schneite, und ein wenig Bettelei und Kriecherei raffte sich der Gute noch einmal auf und kam hoch. Aber bätsch - Dein Profil ist weg, data inconsistent, Du bist Gast, das ist mein Reich.
Gut, Kleiner, wenn Du so willst, sagte ich, und gab dem Neuen, dem schwarzen Teufel einen aufmunternden Klaps: Zeig, was in Dir steckt!
Solange das Netz noch ging, raffte ich mit FileSync das Wichtigste zusammen, Telnetsession und Fingernägelkauen. Später dann nur noch Laplink, herrjeh bin ich froh, die alten Tools sind noch da. Die Massen auf dem Neuen nebenbei sortieren, ein wenig Ordnung reinbringen.

Und wenn alles klappt, bin ich heute abend fertig.
Dann bist Du fällig, Kleiner!

28.11.05

Aufbruch vom Wild muß gut gesalzen sein, damit er eine Kruste bekommt. Er bleibt innen trotzdem saftig und frisch.
Mal davon abgesehen, daß man den eigentlich garnicht mehr, oder nur zu horrenden Preisen bekommt. Außer man kennt die richtigen Leute.

(Luxury cage)

27.11.05

Das Röhren des Smart Brabus Roadster,
das harsche Knirschen des Schnees unter den Reifen,
das Tocken der Absätze auf den Steinen,
die Klingel an der Haustür,
das Lachen im Treppenhaus.

(Sunday, bloody Sunday)
Die Welt wird sonntagnachmittags um kurz vor halb drei untergehen.
Wie schön - ich hab grad Zeit.

(Mittendrin statt nur dabei)
Ipods sind scheiße.
Mobiltelefone aber auch.

(August 7., 4:15)
Die Furcht davor, alles erledigt zu haben. Fertig sein, gehen können, sein Ziel erreicht haben. Nichts kommt mehr.
Dazu die Angst, da draußen nicht das wahre Leben an mir vorüberziehen zu sehen, sondern das wahre Leben einfach so zu leben. Man stelle sich vor, es wäre tatsächlich so, wie es scheint. Nirgends ein Anderswo, in keinem Fall ein Anderswie, niemals ein Anderswann.
Es plätschert, das Leben. Es zieht nicht an mir vorbei, ist nicht außer Reichweite und auch nicht unabänderlich. Sondern ganz einfach das, was man draus macht. Wie es gestern war, wird es immer gewesen sein. Auch wenn die Erinnerung verfärbt und verblasst (´Tschuldigung, allgemeiner Sprachgebrauch wird vom Wiederholen auch nicht besser), die Tat bleibt. Ebenso wie das Nichtstun.
Ob man akzeptiert, daß man der Typ ist, der eben an der Bar sitzt, wenn alle anderen tanzen, oder ob man sich im Nachhinein für den Mittelpunkt der Party hält, ist unwichtig. Die Party ist am Morgen einfach vorbei. Sechs Grad unter Null, glitzernd weiß die Landschaft, still und voller Sonne. Das Leben ist kalt, und ich fahre nach Hause.
Man steht am Rande eines Lebens und denkt Nein, das ist zu einfach - meins wär das nicht. Und man sieht die Eintönigkeit in den Ritualen, die Enge der Kreise, die das fremde Leben zieht. Den eigenen Kreis aber erkennt man garnicht. Der Mensch als Stein, der ins Wasser geworfen wird, untergeht und Spuren hinterlässt, die er im Sinken nicht sehen kann. Die Sonne bricht sich in den größten Wellen und blendet die Umstehenden.

Mehr als nur ein wenig verloren sehe ich den Schildkröten beim Kröten zu, vielleicht schilden sie auch nur, wer kann das sagen? Um die Stille zu brechen spreche ich mit mir selbst, um den Schein zu wahren, halte ich mein Telefon ans Ohr. Kein Empfang, ins Blaue senden. Aus einem Zimmer höre ich ein Geräusch, vielleicht ein Mädchen, das sich im Schlaf dreht. Ich gehe nach draußen und rede noch ein wenig mit mir selbst, um mich von der Frage abzuhalten, was ich denn hier suche. Meine Hände frieren, ich schaue ihnen dabei zu. Die Kuppen und Nägel werden weiß, die Adern treten bläulich hervor. Der Schmutz unter den Nägeln bleibt einfach schwarz. Ein Rolladen rasselt, ich verabschiede mich laut von mir selbst am Telefon und leise, sehr leise von den anderen über mir. Der Hund ist mir gefolgt und streicht um meine Beine. Ich klopfe ihm leicht auf den Rücken, und es staubt ein bißchen. Tschüss, Hund, sage ich, weil ich seinen Namen nicht kenne und ihn auch nicht danach fragen möchte. Geht mich schließlich nichts an, das.
Der Bart des Schlüssels kratzt vertraut im Schloß, die beiden roten Lämpchen leuchten zuversichtlich. Wir sind da, sagen sie, Ein wenig kalt ist es, wird schon gehen.
Als ich langsam aus dem Hof fahre, erlöschen sie. Die hellen Punkte im Auge leuchten noch nach, als ich über den vereisten Feldweg brause, Radio, Wetter, Verkehr.
Das Leben, ein Auto ohne Heizung.

Diese Erkenntnis läßt mich mit blauen Lippen zurück, verfroren und schlotternd. Die Ausrede des Morgen und des anderen Umstands ist tot.


Schöner war es mit ihr.

(fool for no one)

26.11.05

Ich wollte unbedingt von einer Schneeflocke auf meiner Hand erzählen. Leider bin ich zu dicht drangekommen und habe sie totgeatmet.

24.11.05

"Und damit ihr zackig programmieren lernt, stelle ich euch einfach alle ein. Bringt bis nächste Woche eure Lohnsteuerkarten mit!"
Sprachlosigkeit nach der Vorlesung, die an "Dinner for one" erinnert. Gerade mal zwei Studenten. Und einer, der vorne alles gibt, zur Not auch über den sprichwörtlichen Tigerkopf stolpert und garnicht verstehen kann, weshalb nur zwei Mann da sind.
"Es lag doch nicht an meiner Einführung?"
Nein, sicher nicht. Sich da vorn hinzustellen, "Leidensfähigkeit" anzumahnen und irgendwelche Gleichungen an die Wand werfen, die für zwei Projektoren noch zu breit sind, dann zu erzählen, daß die seit Jahrhunderten keiner lösen kann, seinen Krempel zusammenpacken und gehen, ohne wenigstens Ort und Zeit der Veranstaltung bekanntzugeben, kann ja garniemanden abschrecken. Eine Vorlesung in einem Gebäude, an dem man vorne klingeln muß, und per Haustelefon um Einlass bettelt, obwohl man den Namen des guten Mannes, zu dem man will, garnicht weiß, nein, das kann garniemanden garnienicht abschrecken.
Und trotzdem, wir sind zu dritt - wenn man den guten Mann da vorne mitzählt. Und ich sitze da und warte darauf, daß mein Nebensitzer sein Zeug einpackt und verschwindet. Feixend werde ich dann die Stille genießen, in die die Tür schlägt und dann aufstehen und "Auch Kaffee?" fragend den Raum verlassen. Stattdessen klingelt das Telefon des Kommilitonen, und ich werfe ihm einen Blick zu. Denk garnicht dran, mich vorwurfsvoll anzuschauen und die Nase hochzuziehen, Püppchen, sage ich. Und Dein Telefon stinkt nach Jamba-Abo und Deine Finger nach Wichsen zu Gwen Stefani. Hau ab! denke ich, und Alter Verwalter! Da brat´ mir einer einen Storch, mir gehen die dummen Sprüche aus, weil ich so lange die Luft anhalten muß. Und Du sagst Ja und Okay und Gebongt, und Dein Um fünf, Mami ist noch nicht bei mir angekommen, als ich schon herausplatze vor Lachen und Dir Deinen Brüllknochen in dieser hässlichen Plastiksilberfarbe aus der Hand reiße und ihm den Akku operativ entferne. Ich lasse das Telefonpuzzle vor mir auf den Tisch fallen und grinse in Dein Gesicht, das jetzt so gleichmäßig bleich ist wie Deine Haare blondiert sind. Die Röte breitet sich langsam aus dem Hemdkragen nach oben aus, Du merkst, daß Du hier nichts zu wollen hast und zu sagen gleich zweimal nicht. Und Du stehst auf, wutentbrannt klickt Dein Montblanc-Meisterstück, als Du zusammenpackst, und als Du nach vorne schaust, grinst Dich noch ein Gesicht an, und Du schließt den Mund wieder, ohne lamentiert zu haben. Stramm streifst Du an der Jacke über meiner Stuhllehne vorbei, doch als ich mich ruckartig umdrehe und dich anfletsche merkst Du, das war schon zuviel, vor Typen in Motorradjacken hat Dich Deine Mami immer gewarnt. Doch zur Tür mußt Du irgendwie, weil wieder hinsetzen ginge garnicht, nicht hier mit diesem Idioten, der wird doch nie was, sehe ich in Deinen Augen. Fischauge, sage ich so dumpf und drohend ich kann, bei all dem Gelächter, das sich in meinem Bauch sammelt und meine Kehle empordrängt, ist das nicht viel. Nochmal: Fischauge! Du hebst den Blick von meiner abgewetzten Jacke. Die liebe ich mehr als Dein Leben, sage ich. Und Das solltest Du auch tun! und jetzt habe ich es übertrieben, denke ich, das war zuviel, das ist mir beinahe selber peinlich, ich bin ja nicht Mickey Rourke, doch ich fixiere Dich, nur nicht die Brauen zusammenziehen, das gibt nur üble Stirnfalten mit der Zeit, und da nickst Du, und ich merke, wie Dein Leben erlischt, davon wirst Du noch Jahre träumen und einen ganzen Stall voller Psychotherapeuten ernähren, und das weißt Du so gut wie ich.
Dann bist Du raus, ich lehne mich zurück und widerstehe der Versuchung, die Arme hinter dem Kopf zu verschränken. Wenigstens die Beine strecke ich aus, hier in diesem Konferenzraum mit elektronischer Zehnzonenklimaanlage und Rückprojektionsbeamer und ohne einen einzigen Bleistiftstrich auf einem der weißen Tische.
Der Professor macht einen Schritt nach vorne, und sagt, Sie, dann werde ich eben nur Sie einstellen. Sie verjagen mir ja die Leute sagt er, und grinst irgendwie diebisch, als ob er es verstecken müßte.
Macht nichts, sage ich. Der Bub hat ja noch nicht einmal eine Lohnsteuerkarte. I don´t care as long as you sing, sage ich, und der Professor grinst wieder. Kaffee gabs trotzdem keinen - man muß schließlich seine Grenzen kennen.
"Urlaub? Mit Dir? Ich meine, mit euch, natürlich."
(...)
"Zweitausendzwölf?"
(...)
"Elf?"
(...)
"Jaja, schon gut. Mit Dir also."

(Lauschgift)
Sich mal eben den Juli freinehmen.

(Einmal noch Student sein.)
Selbstreferentiell.

(Gnihihi.)
(DasInternet erklärt die Welt.)
Honky tonk woman!

(was mal gesagt werden mußte)
Wenn´s läuft, dann läuft´s.

(Leben im Viervierteltakt)
Milchreis

(ten thousand lightyears from home)
Sich den ganzen Morgen beim Lernen die Haare raufen.
Dann rausgehen, ohne in den Spiegel zu sehen.
Zur Sicherheit auch keine Mütze mitnehmen.
Sich wundern, warum man angestarrt wird.

Sich den ganzen Tag über freuen, daß endlich die Mädels mit dem Finger auf einen zeigen und tuscheln. Die Brust aufblasen, noch etwas mehr gockeln.

Abends in den Spiegel sehen und sich nicht wiedererkennen.
Mit den Schultern zucken und ins Bett gehen. Noch schnell einen Zettel mit der Aufschrift "KÄMMEN!" an die Tür hängen. Sich dafür garnicht schämen.

Mit einem Grinsen einschlafen.

22.11.05

Der Tag endet nicht so richtig, denke ich, er versinkt eher so langsam im Dunkeln. Ich lasse den Rolladen herunter und ärgere mich ein wenig über den vergeudeten Tag. Man gewöhnt sich ja daran, nichts mit den Händen packen zu können, aber mit Alleinsein kann ich als bekennendes Rudeltier nichts anfangen. Ich versenke mich wieder in den Kreis im vierdiemensionalen Raum, das eingeschlossene Dreieck umkreist mich und schnappt nach meinen halbgefrorenen Zehen. Und ich beschließe, daß es mein letzter Versuch in Höherer Mathematik sein wird nach dem Winter. Vor mir steht ein Teller mit Mohrrüben in Sahnesauce zur Nervennahrung, an der Wand hängt das Poster, anderthalb Quadratmeter Erinnerung an furchtlose, freie Zeiten im Sommer, wenn ich es ansehe, rieche ich den frischen Mais und das überhitzte Hydrauliköl, ich höre mich wieder schreien, lautlos im Tosen des Sechszylinders, wie weit ist das weg? Vor mir liegt der Stundenplan, stark ausgedünnt jetzt, eine Pflichtübung, der Druck bleibt. Nachgeben gilt nicht, bevor ich grundlos aufgebe, kann ich genausogut aus dem simplen Grund weitermachen, daß ich bislang noch alles überlebt habe.
Das Telefon brummt irgendwo. Ich schrecke auf - das Dreieck und der Kreis verziehen sich in den vierdimensionalen Raum zurück, und ich stehe auf, den Brüllknochen suchen.
Kurznachricht, ahja. Die Einladung, die gefehlt hat. Ich springe zur Decke. Schon auf dem Rückweg auf den Boden überlege ich, ob ich nur Zufall bin. Passiert mir auch immer - Kurznachrichten an irgendwen versenden, der mir gerade durch den Sinn oder das Telefonbuch kreuzt - ohne das zu wollen.
Ich lese jetzt, was ich bisher mehr gehofft als gesehen habe. Da steht mein Name - ich springe wieder zur Decke. Und wie immer holt mich Newtons Apfel zurück - gibt es schon Serienbriefe als Kurznachricht? Ich schelte mich einen Narren - schließlich können nicht alle zur anschließenden Übernachtung eingeladen sein. Soviel Platz ist ja gar... - Heimatland! was habe ich da gelesen? Ich springe wieder zur Decke, der Putz zeigt erste Ermüdungserscheinungen und rieselt mir über die Schultern und staubt mir wolkig um den Kopf. Ich niese, bleibe aber an der Decke - ich bin ein Luftballon!
Ich antworte schließlich mit der für mich üblichen Verzögerung - einhundertsechzig Zeichen wollen mit Bedacht gewählt sein. "Antwort ist:JA." ist zwar per definitionem eine Antwort, aber eine, die mich am Samstag sicher aufs Sofa verbannen würde.
Ich merke, was mir gefehlt hat, heute und die letzten Tage. Ich springe hin und her wie ein Gummiball - ich brauche noch eine tolle Geburtstagsnachricht für morgen, ein Geschenk für Samstag und sowieso Bewegung und frische Luft, sonst sterbe ich hier hyperventilierend und mit von der Decke eingedrückter Stirn. Auf dem weg nach draußen knalle ich die Türen zu, daß der Putz vollends protestierend von der Decke fliegt.

Den Schubs habe ich gebraucht. Und am Samstag sollte mich noch jemand treten, wenn es geht. Ganz feste und irgendwohin, wo man es nicht so sieht.

21.11.05















Orange steht mir mal garnicht.
Der Laserdrucker auf dem Schreibtisch brummt - vierhundert Seiten Skript sind gerade recht für eine Kaffeepause.

Den ganzen Wust anschließend mit dem Sparkassenlocher vom Weltspartag 1979 durchzulochen, wiegt den Zeitvorteil allerdings wieder auf.

(Eins links, eins rechts, eins fallenlassen)
Freitag
Die Mitarbeiterin an der Bar. "Du würdest eine alte Frau sehr glücklich machen, wenn Du nur einmal kurz dieses T-Shirt ausziehen könntest." Die zwei Mädels, die kichernd immer wieder Daiquiri bestellten. "Du weißt schon, daß Du ein Girlie-Shirt anhast?"
Der Anruf des Metzgers. "Wir haben da mal an diesem RAM gerüttelt, und jetzt piept es nur noch." "Wie?" "Naja, als wir dran rumgerüttelt haben, ist der Rechner einfach ausgegeangen." "Was?" "Naja, jetzt geht er nicht mehr an." "-."

Samstag
Der Senior, von unten zum Dach hochbrüllend. "Das ist doch mal was anderes als immer nur Bleistiftspitzen." - "Obacht, Hammer kommt!"
Die Rote. "Kannst Du nächstes Wochenende die Blumen füttern und den Hasen gießen?"

Sonntag
Auf dem Sofa sitzen, das Mädchen nicht anschauen, und urplötzlich, inmitten des Trubels in den Gedanken versinken, ob man das Mädchen mag oder nur irgendwie Teil dieser Familie werden will, ob man sich selbst und ihr das antun will, ob man das aushält, ob es nicht schon wieder zu viel, zu schnell, zu tief geht. Ertrinken. Die Frage, warum ich denn so schweigsam sei, zeigt nur, wie gut man mich schon zu lesen versteht. Anteilnahme an mir, die richtigen Fragen, der richtige Ton. Das Mädchen sagt nichts, steht irgendwann auf und geht wortlos. Die Einladung zu ihrem Geburtstag spricht sie nicht aus.
Spätnachts in Stuttgart sich im Alleinsein suhlen, kaltes Bett, dunkler Raum, kein Laut. Ruhe bis Freitag, Reden nur über Kurznachrichten. Kein Bier da, nur saure Milch. Ausgeklammert.

18.11.05

Sturzbetrunken in dieser Kneipe, bis sie uns rausgeworfen haben. Zumachen wollten die - um drei! Mit einem Brummschädel aufgewacht - viel zu spät, zu hell, zu laut. Die riesige Spinne im Schuh rechtzeitig gesehen und ihr gut zugeredet, sich doch nicht so zu gefährden. Beim ersten Wort den Kopf vorsichtig in die Hände legen und ganz sanft prüfen, wie groß die Risse sind. Aufstehen, sich eine halbe Stunde in eine Vorlesung qälen, das große Grauen überfällt mich, also gehe ich wieder. Die fleißigen Schreiberlinge sehen mich komisch an, als ich am Türrahmen hängenbleibe und in den Flur hinaustaumle. Ich knalle die Tür zu und lehne mich an die Wand. Mein Pullover riecht nach Rauch und irgendwie nach Wodka. Mir wird übel, die Welt tritt ein wenig zurück und grinst höhnisch. Irgendjemand labert mich von der Seite an, ich verstehe nichts und antworte auch nicht.
Die Klinke an der Badezimmertür zuhause ist so liebenswert kalt, daß ich meinen Kopf dranhalten möchte. Mache ich nicht, bücken wäre zu gefährlich. Ich ertrinke beinahe unterm Wasserhanh, meine Haare tropfen mir in den Kragen, als ich mich vorsichtig wieder aufrichte. Ich muß mich am Waschbecken festhalten.
Das Telefon brüllt - ich nehme ab. Mein Vetter erzählt etwas von Sparren, die ich ihm morgen irgendwohin tragen soll; ich sage zu und vergesse auf der Stelle die abgemachte Uhrzeit. "Meld Dich morgen früh nochmal!" sage ich und lege auf, weil im Hintergrund schon der nächste durchklingelt. "Ja?" krächze ich einfach, weil ich meinen Namen nicht mehr hundertprozentig weiß und das Display, das den Namen des Anrufers anzeigt, kann ich sowieso grad nicht ablesen. Cousinchen istd ran - wie nett. Wie es geht (bescheiden), was denn so läuft (ich - und zwar davon), ob es wo brennt (in meiner Kehle), und so weiter. Ich unterbreche und bitte sie, gleich zur Sache zu kommen - Lieder schneiden für die Tanzgruppe. Von mir aus, wann muß es fertig sein? Samstag, soso, ist ja nicht erst morgen. Und per Mail kann sie mir das auch nicht schicken, vortanzen muß sein. Damit ich die Takte zählen kann und so. Ich frage mich zwar, wie die schon drei Wochen proben können, wenn sie nicht einmal ihre Schritte und Takte kennen, aber den Tanzgruppenmädels mal wieder zuschauen zu dürfen hellt meinen Tag ein wenig auf. Ich frage, ob J. wieder dabei ist, und ernte ein Kopfschütteln durch den Telefonhörer. Die Kindergruppe hat sie gemeint. Isjatoll, nuschle ich, und der Tag wird wieder düster. Aber für die Mädels könne ich das auch machen, wenn ich schon danach fragen würde - nur haben die ihre Takte schon. Auch egal, ich sage einfach zu, irgendwie werd ich das schon alles schaffen. Schönen Dank, Wiedersehen und so, Gruß an J. und ich falle kurz in einen Traum, in dem J., die Unkleidekabine und ein Duschkopf die Hauptrollen spielen, bis sich die Dicke in meinen Traum wälzt und ich aufschrecke, die Hand schon am Mund, nur zur Sicherheit. Mir ist wieder übel.
Ich hänge das Telefon ans Ladegerät, weil es fiept und blökt und blinkt. Und Fiepen und Blöken und Blinken kann ich gerade so garnicht ertragen. Aufhören tut es freilich nicht, also klemme ich ein Auge zu und zwinkere solange mit dem anderen, bis ich halbwegs scharf sehe, was gespielt wird. Ich lese also die Kurznachricht von meiner Nachhilfeschülerin und sage spontan für Samstag zu, wirdschonirgendwiegehen. Schwupp und weg - meine Mutter wird sich über meine Zusage sicher freuen. Also nochmal tippen und an die richtige Nummer gesendet. Schwuppundweg - wie meine Zeit. Ich tippere noch eine Nachricht hinterher, wegen dem Kapitel und so, weil ein wenig Vorbereitung würde mir sicher auch nicht schaden. Und noch eine, weil meine Mutter sich sonst wundert, warum ich mich morgen mittag um drei denn um sie kümmern will. Verfluchte Schreiberei - hätte ich mal bloß nur Ja getippt. Oder besser Nein, wasauchimmer. Das Telefon bewegt sich, und ich lasse es fallen. Mich erst zu erschrecken, und dann auch noch zu brüllen beginnen, das haben wir gerne. Ich gehe also wieder ran, und halte das Telefon sofort auf Armeslänge weg von mir. Zu spät - jetzt klingelt es lustig in meinem rechten Ohr. Ich wechsle also die Telefonierseite zum linken Ohr und fange an, zu erklären, warum der Weihnachtsbrief für den Chef noch nicht fertig ist (Photoshop!), welche Schicht ich am Wochenende fahren möchte (garkeine!) und warum ich trotzdem die Nachtschicht nehme (Feigling!). Schreinichso, murmle ich noch, und lege auf. Noch kurz T. und ihren Vater anrufen, aber schön getrennt, wie es sich gehört, dem Vater für Sonntag zusagen; Ja, Waldhose bringe ich mit; Bescheinigung vom Sägenlehrgang hab ich sicher noch irgendwo; Nein, ich übernachte nicht, fahre lieber nach Hause; Nein, T. und ich haben uns nicht gestritten, aber auch noch nicht alles geklärt, was zum Übernachten gehören würde; Ja, ich beeile mich damit, schöne Mädchen warten nicht, obwohl ich doch ganz nett auf den Betrieb passen würde; Ja, ich sehe das mal als Kompliment, und daß er seine Tochter für meine Arbeitskraft verkauft ist schließlich sein Ding; Sie wird es schon sagen, wenn es ihr nicht passt; Kochen tut sie ja ganz passabel, manchmal eben auch vor Wut; Kupferdächlein sind so, sagt er, die Mutter war genauso; Zähmen müsse man die, Kandare und Zügel, Zuckerbrot und Peitsche. Beim Gedanken an ein Zuckerbrot beginne ich zu würgen und verabschiede mich eher undeutlich, dafür flott.
T. hat grade eine Hand frei für mich, also telefonieren wir; Ja, Samstag ist ganz voll bei mir; Macht nix, sagt sie, ob sie es so meint, weiß ich nicht, geknallt hat sie mir schonmal eine, muß ja nicht zur Dauereinrichtung werden, sowas, denke ich; Scheckin, sage ich, weil sich Spätzchen im Schwäbischen nach Nudeln anhört, und ich grade nicht ans Essen denken will; Scheckin also, Samstagabend komm ich; Gemütlich, sage ich, denke an das Sofa, den Fernseher und eine warme Schulter; Geburtstag schreit sie, da müssen wir hin; Na toll, denke ich, Fußballweiber haben immer dicke Waden und blaue Flecken, muß man nicht jeden Tag haben, und nicht fünfzehn Stück auf einem Haufen; Freut mich, sage ich und schneide eine Grimasse - sehen kann sie mich ja nicht; Sonntag gehen wir joggen - oh ja! ganz toll, heuchle ich und traue mich nicht zu sagen, daß mich ihr Vater für Sonntag schon in Beschlag genommen hat; Ich fasse mir ein Herz und hole Luft; Ich muß wieder los, mein Chef kommt, sagt sie da, und ich verschlucke mich fast an der vielen Luft, und das Herz rutscht mir wieder aus der Hand und in die Hose; Ciao, Scheckin, sage ich, mehr wäre blöd, und blöd bin ich zwar immer, aber immer irgendwie ungern; Ich koche, sagt sie noch, und das freut mich wirklich, weil Kochen ist irgendwie der Heiratsantrag einer Frau, und sowas hört man ja gerne, da heiratet es sich doch gleich viel leichter, vielleicht nicht heute, morgen früh ist auch noch ein Tag. Kriegen wir schon irgendwie.
Ich schaue auf den Kalender, und brülle Scheiße, weil für Samstagabend das Fest mit S. eingetragen ist, Helferfest von irgendeinem anderen Fest; Redundanz! denke ich noch; Natürlich mit Begleitung, und ich habe ihr schon lange zugesagt, weil man sich ja nur am Wochenende sieht und ihr Freund keine Lust auf das Helferfest hat, also muß ich da mit, weil alle in Begleitung kommen, und ohne wäre doof und so; Essen gibt es, vegetarisch, wenn mich der Herrgott strafen will, und dann dafür nur scharfe Getränke und Palaver, von dem ich nichts verstehe, weil die hohen Töne kann ich nicht mehr so, und raus bin ich auch schon zu lange, und sowieso werde ich fahren, weil es Rama gibt, und S. und der Rama, das ist so eine Liebesgeschichte.

Egal, kriegen wir schon irgendwie, denke ich und schaue vom Kalender weg aus dem Fenster. Es schneit, bestimmt schon fünf Zentimeter hier. Zuhause womöglich schon zehn. Sommerreifen! denke ich noch, und weil ich mich so lange beherrscht habe, fluche ich dafür jetzt umso lauter, und als mir keine Flüche mehr einfallen, schlüpfe ich unter die Decke und mache das Licht aus.

(Eigentlich wollte ich nur eine ToDo-Liste schreiben)
(Halbe Sau im Dopelwecken)
Kopfschmerz ist schlimmer als Weltschmerz.

(Andechser Gedanken)
(Geist aus der Flasche)

17.11.05

In einen Topf, der annehmbar sauber scheint, werfe man zunächst den Rest der Sahne, der noch gut ist, und den anderen Teil, ja den mit den Klumpen, werfe man besser in die Tonne; dann noch eine Tube Tomatenmark, die eigentlich für ganz was Anderes da war, das aber nie zustandekam, weil die Zutaten nie alle vollzählig und unverdorben waren; dann ein wenig Paprika, Salz und anderes Eingesperrtes, was ganz furchtbar zu durften beginnt, wenn man es aus der Tüte befreit; dann den Schinken, der wird sonst sowieso schlecht; dann die Milch, weil unten gerade alles angebrannt ist; nicht zu vergessen zwei oder besser drei Zwiebeln, weil Zwiebeln sind schließlich gesund, und außerdem gibts die nur kiloweise, und auch die werden irgendwann ja schlecht, also immer rein damit; man hätte sie vielleicht etwas kleiner schneiden können - ach was, Zeit ist Geld und vierteln hat bei den Kartoffeln damals auch gereicht -; dann lasse man das alles ein wenig einköcheln, nicht zu dolle, weil die roten Spritzer auf dem Herd muß ja nachher einer wegputzen; dann betrachte man stolz sein Werk und telefoniere kurz mit der Feuerwehr, nur daß die Bescheid wissen - müssen ja nicht schon wieder umsonst hierherfahren, letztes Mal hat das Bier nämlich nicht für alle gereicht -; und wenn die Fenster alle offen sind, zieht auch der Rauch besser raus, und man sieht wieder, wo man gegenläuft, und das ist ganz vorteilhaft, dann kann man die Dinge wenigstens dafür schimpfen, wenn sie so stocksteif da im Weg stehen, wo ich laufen will; dann decke man den Tisch, kalube noch die Scherben von dem Teller zusammen, der aus Versehen in die Spüle - herrgottnochmal, wer stellt da auch ein Glas hin -; man wische sich den Schweiß aus dem Gesicht und das Blut von der Hand, weil man ja gerade mit dem Messer auf den nassen Fliesen ausgerutscht ist; man setze sich hin, vor sich den dampfenden Topf mit der Soße, ganz stolz sitzt man dann da, so Messer links und Gabel rechts oder andersrum, was eben so da ist, und wie es eben so läuft, weil man hat ja eh nur eine Hand zum Essen, schließlich muß man mit der anderen die Zeitung umblättern, den Fernseher bedienen, die Kaffeetasse vom Tisch fegen und die tolle Brandwunde betatschen, weil der verfluchte Topf eben doch noch heiß war; und dann sitzt man also da, und überlegt, weil nach dem Kochen war immer Irgendwas, und man schaut sich um, das Spülen kann´s nicht sein - der Boden vielleicht, der hat schon ein wenig gelitten mit den Zwiebeln und den Öl, und ach was, das eine Ei, kann einem ja mal aus der Hand rutschen, sind schließlich verflixt rund und noch dazu kein Henkel dran; und dann schreckt man auf, wirft den Stuhl um, die Gläser klirren auf dem Tisch; Scheiße! brüllt man dann und reißt alle Klappen und Türen in der Küche auf, das Mehl kommt einem auch noch entgegen und rutscht auf den Boden, alles neblig hier, verdammt, wer stellt eine Tüte Mehl auch ganz nach vorne, zum guten Glück war es keiner dieser Zentnersäcke, der hätte einen noch glatt erschlagen, die fünf Kilo packt der Staubsauger später sicher locker, wenn man damit nur in alle ecken kommen würde, in die der Mehlstaub auch kommt, naja, der Rest wird geflutet, Wasser ist schließlich zum Waschen da; den Topf mit der Soße schmeißt man komplett weg und die Mülleimerklappe ganz feste druff, schließlich brennt sich der Topf grade durch den Mülleimer nach unten, und der Rauch ist ja auch nicht ohne, zwecks der Gesundheit und so; Du machst nur noch einmal kurz auf, um Deinen Pullover hinterherzuwerfen, mit solchen Flecken wäre die Waschmaschine sowieso überfordert, die hat ja damals mit der kompletten Bettwäsche schon das Grauen gepackt, wo doch die Matratze garnicht mehr reingepasst hat; weil Du hast grad vielleicht eine tolle Soße gemacht, die könnte man glatt Sauce nennen, schreit der Sprachphilosoph in Dir, wenn Du nur nicht so blöd gewesen wärst, und vielleicht auch ein paar Nudeln gekauft hättest, Du Meisterkoch.

(kiss the cook)
Vielleicht sieben, acht Jahre ist es jetzt her, das mit der Hütte. Unsere Hütte, die letzten Sommer abgebrannt ist, die ich mit Rotz und Wasser heulend gelöscht habe, und auf deren Trümmern ich nach dem alten Keller grub, indem ich noch irgend etwas zu finden hoffte. Und als ich nicht mehr konnte, ließ ich mich einfach in den alten Gartenstuhl falle, von dessen Oberfläche der Kunststoff abgeflammt war, und der nackt und rußschwarz und ein wenig gekrümmt und unbeteiligt neben der Ruine stand, als wäre ihn das alles nichts angegangen. Ich fuhr über die Armlehne mit meinen schmutzigen Fingern voller Dreck unter den Nägeln, meine Haare rochen noch nach dem Rauch der Nacht, und nicht einmal die Bißspuren der Kronkorken auf der Armlehne waren mehr da, weil ich ja nie ein Feuerzeug zum Flaschenöffnen gehabt hatte und meine Messer ständig verlor, und Feuer hatte ich immer mit Streichhölzern gemacht, und einem Papierfidibus, Holzspänen und Geduld mit unserem kleinen, alten Ofen, der ab und an ein Stück Schamottstein ausspuckte, wenn wir ihn mal wieder mit Batterien plagten. Den Ofen hatte jemand beim Löschen umgeworfen, die Tür hing nur noch in einer Angel, der Bogen des Ofenrohrs war zerdellt und aufgerissen. Ich wollte die Beine noch einmal auf den Betonring legen, der unsere Grillstelle gewesen war, wie immer, wenn man im Herbst noch einmal zu lang zu leichtbekleidet draußen saß, um die Füße zu wärmen und die Sohlen zum Rauchen zu bringen. Doch der Ring war geborsten durch den Brand, und nach innen gefallen; alle unsere Feuer hatten das nicht geschafft, mit meterhohen Flammen und dem Rauch, der die Äste unseres Birnenbaumes geschwärzt hatte, ohne ihm wirklich zu schaden; auch das hatte nur der Brand geschafft. Den Stuhl nach vorne rücken wollte ich nicht, die Beine hatten sich eingegraben gehabt in den Boden, weil ich auch einmal dieses Mädchen dabeigehabt hatte, die dann immer auf meinem Schoß gesessen war und von meinem Bier nippte, und zu zweit waren wir wohl zu schwer gewesen für den Stuhl, und weil er sich nicht verbiegen wollte, hat er sich halt in den Boden gedrückt. Und dafür konnte ich den Stuhl jetzt ja schlecht verrücken, wo er doch jetzt seine Ruhe haben sollte, mit dem besten Ausblick der Welt, wie ich ihn ausgerichtet hatte, und allem, was er mit uns aushalten mußte. Also bin ich aufgestanden und habe zum Abschied noch einmal die kleine Fünfziger rauchen lassen, ohne Helm natürlich, volle Touren und mit durchdrehendem Hinterrad in die Wiese, Spuren im Gras.

Ich glaube, damals bin ich gestorben.
Einen Porno einlegen, und die Lautstärke aufrehen, daß die Wände wackeln. Dabei versuchen, Mathe zu lernen und den Schrott als künstlerisch wertvollen Selbstversuch ausgeben.
Oder einfach nur mit Ohropax in der Ecke sitzen, ein Buch lesen und warten, bis draußn der erste durchdreht.

(Herzrhythmusstörung)
Einen Radiosender über UKW und Internet empfangen.
Gleichzeitig.

(Halbe Sau im Doppelwecken)
Gestern abend, 3sat, 21:15 Uhr.
Drei Schweizer Bauern sind nach Russland ausgesiedelt. Der Älteste ist bereits achtundfünfzig und hat vier Kinder.

"Ich möchte am Schluß sagen können, daß es interessant war. Das Leben, also." (...)
"Klar, Heimweh überällt einen immer, wenn die Tage zu kurz sind, und die Nächte zu lang. Trotzdem sehe ich das Ganze als Abenteuer - und so soll das Leben doch sein."

(Fernsehen bildet)
Drucker ohne Kabel verkaufen.

(Elefanten ohne Rüssel)
Das Frühstück mal eben für eine halbe Stunde unterbrechen, weil der Kaffee noch zu heiß ist.

(Studenten sind Weicheier)
In den nächsten Tagen im neuen Gewand - zumindest das Blog.
Immer nur herumsitzen und darauf hoffen, das Leben möge doch bald vorbeigehen, ist auf Dauer aber auch keine Lösung.

(Sehnsucht nach Zuhause)

15.11.05

Die wollen eine Stellungnahme von mir?
Heißt das, sie sind sich so sicher, daß sie sich lächelnd mein verlogenes Gestammel anhören werden, oder sie sind sich so unsicher, daß ich vielleicht noch einmal ungeschoren davonkomme?
(Nachtrag zu: Ich zahl´ gerne noch was nach)
Meine Oma würde sagen, daß ich ein Depp bin. Ein lieber Depp, aber nichtsdestoweniger ein Depp. Dann würde sie mir über den Kopf streichen, und mir ein paar Kreuzer aus dem Milchkässle für ein Eis geben, und mir später mit einem groben Lappen ganz sanft das Gesicht abwaschen, von oben nach unten und von links nach rechts, so wie man sich auch bekreuzigt.

Ich hab´ meine Omi geliebt.
...und wenn jetzt noch Clapton sein "Wonderful tonight" klimpert - das Lied, das ich tatsächlich mal vor einem Kinderzimmerfenster gesungen und geschrammelt habe, weil ich ja damals schon so furchtbar Rock ´n Roll und Punk und Don Juan de Marco war - dann, dann kann ich es garnicht mehr aushalten hier und heute.

Und mit ein wenig Nachhilfe durch meine Hand am CD-Spieler kam auch das Schicksal zu seinem großen Wurf, und ich mußte schmerzhaft erfahren, daß die Dame Clapton nicht mag. Naja, Leben.

10.11.05

Ich war gestern in einer sechzig Hektar großen Firma, in der man beim Durchmarsch alle halbe Stunde einen Arbeiter an einer lauten Maschine, inmitten von Transportbändern, sah. Er schaute nicht einmal auf, als ich vorbeikam, mit Blauhelm und Besucherschild, Anzug und Krawatte. Das einzig Menschliche war eine Blume. Furchtbar. Und schön, weil sie aus Plastik war.

Zu kämpfen und zu lernen, nur um nicht hier zu landen; zu lernen und zu arbeiten, um diesem Mann auch noch diese Arbeit wegzunehmen; zu arbeiten und zu leben, um - ja, um was?

Der Maschinenbau widerspricht sich irgendwie selbst.


(Das KleineF lässt mich nicht kommentieren, deshlab so.)

8.11.05

Einmal versteckt öffentlich schreiben.
Hihi.

Ohne Schreiben geht eben nicht. Gedanken aufräumen, ablegen, ordnen, auch mal was wegwerfen. So muß das.

(Und ich erlaube mir bei der Vorstellung, wie die Gesichter der Leserschar aussehen, wenn da plötzlich hunderttausend Einträge stehen, nicht einmal eine Grimasse.
Night on my side.)

4.11.05

Wenn ich so darüber nachdenke, was mich alles stutzen macht, nur im Dreieck von Schreibtisch, Bett und Küche - was würde erst passieren, ließe man mich auf die Welt los?
Anders gesagt: Stell Dir vor, es wird Tag - und keiner steht auf.

Wortbestätigung oder Spamschutz für Fortgeschrittene

Wo zum Geier sind λ und π auf meiner Tastatur?
Es zerreißt mich beinahe, wenn das Radio und die zugehörige Fernbedienung in zwei gegenüberliegenden Zimmerecken, aber dennoch genau gleich weit von mir entfernt sind, und ich dringend lauter stellen möchte.

(Aus der Reihe: Faulheit, olympische Disziplin 2012)

Technologien fürs Leben

Ein Browser, der die eingetippten Kommata in der Adresszeile automatisch in Punkte verwandelt, anstatt mich nur maliziös anzugrinsen und "nänänä"-singend im Kreis zu hüpfen, anstatt mich zu dem Ort zu bringen, an dem ich sein möchte.
Morgens wieder viel zu spät aufstehen, zehn Minuten bleiben Dir noch; auf dem Weg ins Bad vorbei an der Küche, dort auf dem Tisch liegt diese frische, dicke Zeitung; und mit einem Mal weißt Du, daß Du heute nicht nur zu spät, sondern gar nicht mehr aus dem Haus kommen wirst.
Und als Du das eingesehen hast, verkriechst Du Dich mit füf Kilo Papier im Bett, lässt den Rolladen unten und den lieben Gott einen guten Mann sein.

(Aus der Reihe: Perfect irony, the other way round)
Morgens schon vor sechs aufzustehen, um am Abend behaupten zu können, in Deinem Beruf sei es üblich, zwei Stunden lang zu frühstücken.

(Aus der Reihe: Perfect irony)
Disclaimer: Immerhin die komplette "Zeit" gelesen - Weiterbildung sozusagen.

3.11.05

Und irgendwann, nachdem alle Geschichten erzählt sind, beschließt Du, zu gehen.
Das letzte Bier ist abgestanden, nur ein wenig Schaum klammert sich als kläglicher Rand am Glas fest. Die Musik ist zerstoben, das Dröhnen in Deinem Kopf bleibt, es hämmert in die lähmende Stille. Die blinkenden Lichter sind nur noch glimmende Funken in Deinen Augen. Ein Blick in die Runde, die noch da sind, läßt Du zurück, die schon weg sind, sind vergangen.
Kein Blick zurück - die Straßenlaternen leuchten Deinen Weg entlang.
Du nimmst Deinen Hut, ziehst Deinen Mantel enger.
Draußen regnet es.
Kalt und hart.

Leben.

I'll remember you


I will remember you -
Will you remember me?
Don’t let your life pass you by,
Weep not for the memories.

(Sarah MacLachlan - I will remember you)
Ich vermeide es, mit Verkäuferinnen oder Kellnerinnen zu flirten, weil ich einfach zu doof bin, den Unterschied zwischen "Mein Gott, schon wieder so ein besoffener Blödmann, der mir nur auf den Arsch starrt" und "Ich hätte nie gedacht, daß ich beim Arbeiten meinen Traummann kennenlernen könnte" am Gesichtsausdruck einer Dame auszumachen - schließlich wäre es ein unfaires Spiel, ohne die Möglichkeit zur Flucht, und ohne Aussicht auf einen Sieg.

(Aus der Reihe: If I knew, what she wants, oder Blind man.)

Death or glory - (just another story)

Das Stichwort "gähnen", das ich mir heute in den Block gekritzelt habe, um daraus einen ganz tollen Blogeintrag zu basteln, hat mich den ganzen Nachmittag amüsiert.
Das Stichwort ist noch da, der geistige Zusammenhang leider verschwunden. Schade eigentlich.

Pfeile auf Socken oder Tage für ´n Arsch

Meine neuen Socken haben Pfeile.
Sie zeigen zwar nach einer versoffenen Nacht nicht an, wo das verfluchte Loch ist, durch das man den Fuß hineinbekommt. Und trotzdem haben sie einen Sinn - der Pfeil ist dort aufgedruckt, wo der große Zeh hinsoll. Um das zu begreifen mußte ich zuerst den Beipackzettel lesen, beziehungsweise, ich hätte selbigen zunächst lesen sollen. Stattdessen handelte ich ganz unvorschriftsmäßig unvorsichtig, nach dem Motto "try and error, und beim Sockenanziehen kann nicht einmal ein Maschinenbauer was verkehrt machen". Falsch.
Denn weil die meisten Menschen sich einen feuchten Kehricht um auf Socken aufgedruckte Pfeile, deren Bedeutung und korrekte Anwendung zu scheren scheinen, und das die Arbeit der Sockenkonstrukteure ganz schön herabwürdigt, baut man eine Falle ein, um die korrekte Applikation der Socken zu gewährleisten: Sie ziepen, drücken und zwirbeln fürchterlich, wenn man sie eine halbe Stunde verkehrt anhat, zufällig mitten in einem vollen Hörsaal sitzt und unter keinen Umständen garnienicht die Schuhe ausziehen und die Socken wechseln kann. So quält man sich anderthalb Stunden durch die Vorlesung, rutscht vor Schmerzen auf den Knien heim, und wirft die Socken anschließend fluchend in den Müll, von wo man sie nach kurzer Zeit ebenso fluchend wieder herauszieht, weil man garkeine anderen Socken mehr hat und die Dinger ganz schön teuer waren, die Pfeile beachtet, die Socken korrekt anzieht, sich der Bequemlichkeit freut und möglichst nicht darüber nachdenkt, was passieren wird, wenn der aufgedruckte Pfeil sich beim ersten Waschen verflüchtigt.

"Vögelgrippe"

(Aus der Reihe: "Dinge, die man zu einem Geflügelmäster nicht sagen sollte, während man ihm beim Aufstallen hilft und noch erklären muß, daß man heute bei seiner Tochter übernachtet, die gerade ein paar Meter entfernt zwei Masthähnchen vom Boden aufklaubt, und einen dazu bringt, nochmal ganz dringend über Sex am Arbeitsplatz und überhaupt Arbeitsplätze, die eine leicht gebeugte Arbeitshaltung erfordern, nachzudenken.")
Du quälst Dich frühmorgens aus dem Bett, und Du bist stolz darauf. Den inneren Schweinehund überwunden, Dich selbst besiegt. Du bist kurz davor, Dich in Muskelprotzerpose vor den Spiegel zu stellen, verzichtest aber zum Ärger Deiner hübschen Nachbarin im Badezimmer gegenüber darauf, und fängst einfach an, Dir die Zähne zu putzen.
Gut, einen kleinen Blick auf Deine breiten Schultern kannst Du Dir nicht verkneifen, und als Du bei den hintersten Backenzähnen angelangt bist, spannst Du ganz zufällig Deine Armmuskeln an, weil es unter dem engen Hemd einfach so verdammt klasse aussieht.
Als Du ins Büro stolzierst, die Brust zum Zerreißen geschwellt, weil einfach so ein geiler Typ wie Du zu so einem geilen Tag wie diesem passt, grinsen die Damen auf dem Flur, und als sie Dir auch noch auf den Schritt starren, ist Dein Hüftschwung mehr Elvis als der King himself, und Du denkst daran, den Gürtel noch ein Loch enger zu stellen, auch wenn Du Dich dann garnicht mehr setzen können wirst.

Und als Du schließlich vor dem Waschbecken stehst und Deinen Waschbrettbauch anzwinkerst, schreckst Du auf und beschließt, Dein Hemd in Zukunft erst nach dem Zähneputzen anzuziehen und sowieso Zahnpasta nur noch in rot zu kaufen, weil die weißen Flecken auf Deinem schwarzen Hemd direkt über dem Hosenbund den Gesamteindruck doch ein ganz klein wenig trüben.

1.11.05

Auch eine Kunst

Ganz unmotiviert ficken

sagen.

(Ja, die Nacht war lang und furchtbar.
Ja, die Leerzeile ist eine Kunstpause.
Ja, das ist furchtbar flach.
Ja, niveaulos.
Ja, die Nacht war lang und furchtbar.)

Fremdwörter verstehen

Frau Gröner erklärt Subsidiarität.
"In einem ehrenvollen Mann sind Liebe und Pflicht vereint. Und wer ein solcher ist, wird seine Liebe der Pflicht opfern."
"Ich könnte das nie tun -."
"Sie, meine Liebe, sind ja auch kein Mann."

(Vater sein dagegen sehr, 1957)