30.10.05

Trotznasen

(Aus der Reihe: Erst überlesen, dann gestutzt, dann den Kaffee in Tröpfchenform über die Zeitung verteilt)

MMS-Ersatz oder Chateau Texas-Jim

Da ich mit meinem Telefon noch keinen Konsens in der Frage gefunden habe, wer von uns beiden nun zu blöd ist, eine MMS zu versenden, antworte ich eben an dieser Stelle. Der Adressat wird es mir nachsehen.

















Har har har. (Aufstellung provisorisch!)
Titel: Freitagabend, kurz vor zehn.
















Freitagabend, kurz nach elf.

(Bei Weinen kenne ich mich nicht so genau aus.)

28.10.05

...so, listen to the radio... all the songs we used to know...

"Für ´ne normale Brauerei würde ich sicher nicht werben, aber die von einem Pfeifen überdeckte Brauerei macht da ein gutes Produkt, das..."

Sympathie verspielt. Geht jedes Mal schneller. Und das liegt nicht an der Brauerei.

Milchmädchenrechnung

"Die könnten doch längst alle ein Haus haben, ein Auto, ein Pferd von mir aus, anstatt der getöteten Söhne, für das Geld, das sie für die Rüstung ausgeben."

Kurz gelacht. Aber nur sehr kurz.

26.10.05

...an he carries the remindings of every glove that laid him down...

Die Sechzehnjährige aus Kirchheim, die von ihrem Exfreund verprügelt wurde, ist im Krankenhaus gestorben.
Das erinnert mich an den Mai diesen Jahres. Damals hatten ein paar Nichtmenschen, denen ich jetzt einfach so auch noch das Lebensrecht abspreche, einen behinderten Mann entkleidet und bis zum Hals in einem Sandkasten auf einem abgelegenen Spielplatz vergraben. Der Mann war gefunden worden und konnte im Krankenhaus gerettet werden, aber die Furcht, die kann ihm keiner mehr nehmen.
Als ich die Meldung im Radio gehört habe, mußte ich anhalten, um ganz laut zu brüllen und mich in den Straßengraben zu übergeben. Diese unglaubliche Grausamkeit raubt mir heute noch Atem und Worte.


Tage, an denen ich töten könnte.

Gut siehst Du aus...

25.10.05

Als ich allein gewohnt habe, war ich es auch. Nicht nur in der Wohnung, sondern den ganzen Tag. Jetzt im Wohnheim hat sich das alles geändert.
Und trotzdem wundere ich mich über die Erstsemester, die gerade eine Woche hier sind, alle Feste kennen, alle Schleichwege und Trampelpfade bevölkern, und sich einfach urig wohl fühlen.

Nur dienstagnachts um zwölf noch zu zehnt in der Küche sitzen - ich weiß nicht. Vielleicht werde ich auch nur alt.

(Warning: text may contain dramatization! Aber für "parental advisory explicit content" kann ich ihn beim besten Willen nicht erklären.)

24.10.05

Ich zahl´ gerne noch was nach oder Maut ist nicht genug

"War da jetzt schon achtzig?"

(Aus der Reihe: Fragen, die man sich vor dem grellen Blitz stellen sollte.)

Anthrazit oder Die Farbe, die noch fehlte, und was die Schnitte von den Cardigans damit zu tun hat

Den feinsinnigen Professor, der heute die Veranstaltung mit den Worten "Sehr verehrte Damen und sehr geehrte Herren..." eröffnete, habe ich gleich ins Herz geschlossen. Hat er schön gesagt.

Nur waren keine Damen anwesend.

Wie so oft in einer Vorlesung, die sich "Wissens- und Informationsmanagement in Produktionsprozessen" nennt. Hat wohl zuwenig Sex, das Ganze. Dennoch, der positive Aspekt eines gewissen Damenanteils drängt sich gerade bei deren Abwesenheit auf: Das Balzverhalten der Männchen schläft geradezu augenblicklich ein. Der Adonis, der eben noch mit geschwellter Brust und mit dem Laptoptäschchen unter dem Arm mit flottem Schritt den Hörsaal betrat und dessen Aura so hell leuchtete wie sein Eau de Toilette duftete, stößt hörbar die Luft aus, die Brust sinkt ein, der Bauch quillt über den Hosenbund, und aus dem Täschchen kommt die neueste Auto-Bild und das Pausenbrot von Mutti. Wer jetzt noch genauer schnüffelt, weiß, daß heute das Mensa-Maxi-Menü Nummer zwei für einsachtzig an der Reihe war, und daß es Tomatensoße gab, davon berichtet beredt der Fleck in den mühsam hergerichteten Härchen, die gerne ein nachlässiger Dreitagebart geworden wären. Es ist eben schwer, sich zu rasieren, wenn Mami gerne ins Bad möchte, und man gerade die Hosen unten hat, um den feuchten Traum von heute morgen nachzuspielen. Vielleicht hat Papi auch seinen Rasierer vor dem Zugriff des Jünglings in Sicherheit gebracht.

Was mache ich hier? Sollte ich nicht besser feiern, mich besaufen und wilde Orgien feiern? Ich bin jung, ich brauche nichts und niemanden. Ich möchte jetzt laut und rauh und frech sein, weil es mit dreißig schon albern aussähe. Doch Du denkst an Deine Zukunft, an den tollen Job beim Daimler, an Führungsqualitäten und "soft skills", steht alles so im Skript, hast Du heruntergeladen und gelesen, das Wichtigste mit Textmarker hervorgehoben. Es gab da mal den Kurs - optimale Prüfungsvorbereitung oder so - deshalb isst Du auch braune Bananen, zwecks den Vitaminen und dem Gehirn und so. Optimale Vorbereitung ist schließlich alles.

Genau so bereitest Du Dein Leben vor - Deine Semester sind organisiert, Du fragst nie nach einem Stift, ziehst die Brauen hoch, wenn jemand Minuten vor einer Prüfung aufspringt und panisch nach einer Formelsammlung sucht, die Du zwar auswendig kannst, aber natürlich dabei hast, voller Klebezettel und Hervorhebungen, hat Bill Gates auch schon so gemacht. Der Plan für Dein Leben liegt in der Schublade, irgendwo steht für zweitausendzwanzig "Klassentreffen", zu dem Dich niemand einladen wird, und jeden Monat das "Ausgehen mit Freunden", die Du nicht hast. Ein C-Klasse Benz, optional ein T-Modell, falls Du mal spontan eine Tüte Reis kaufst, die Dir natürlich nicht auf die Ledersitze kommt.

Ich laufe an Dir vorbei, und die Cardigans singen "a four-letter-word got stuck in my head", Du hörst nur "for what it´s worth", und mit spitzem Bleistift und wissenschaftlichem Taschenrechner, mit dem ganzen Schlamassel aus Simulation und Numerik kannst Du Dir das Leben ausrechnen, das auf mich einfach so einprasselt wie Sommerregen, einskommavier Kinder gegen die Schale mit Kondomen neben dem Bett, Golf Variant gegen GPX, Oper gegen Table-Dance, Applaus an der falschen Stelle und hochrote Wangen, weil Du die Partitur nicht gelesen hast, gegen eine Nacht in der Ausnüchterungszelle, weil ich mal wieder ausgetickt bin. Du weißt es besser, ein Golf spart Sprit, die Spice Girls sind heiß, und ein bißchen Rock ´n Roll.

Du klappst Deinen Schirm auf, schließlich bist Du auf alle Eventualitäten vorbereitet, ich renne auf und ab, schüttle mich wie ein Hund, springe mit beiden Beinen voran in die tiefste Pfütze, und freue mich wie ein Schneekönig, wenn der Schlamm auf Deine Hosen spritzt.

Ich habe früher den Dreck unter meinen Fingernägeln hervorgekratzt und nach Dir geschnippt, Dich im Bus zum Stehen gezwungen, obwohl Plätze frei waren. Vielleicht war ich es, der Dich mal mit dem Schal an den Sitz gefesselt hat, vielleicht habe ich Dir die Schnürsenkel zusammengebunden, ich weiß es nicht mehr.
Wir waren immer da, auf jedem Fest, mit dem Moped, laut und stark. Wenn wir kamen, mußtest Du nach Hause. Mami hat Dich geholt, klar, kein Thema. Wir gröhlten an der Bar und schleppten die Mädels ab, denen Du Rosen gekauft hast. Und wenn wir zum Konzert getrampt sind, fuhrst Du mit dem Taxi zur Tanzschule.
Und jetzt stehst Du da, die Frisur hat Dein Coiffeur als "oh là là" bejubelt, das Hemd ist H&M, die Uhr ist swatch. Du bist mein Alptraum, mein Lachanfall. Du läufst an mir vorbei, kennst mich nicht mehr, in Lederschuhen kann Dir nichts mehr passieren, keine Gefahr, solange es hell ist, und die Straßen bevölkert sind. Ich würde gerne nach Dir treten, Dich unangespitzt in den Boden prügeln, nur um Dich nie wieder zu sehen.

Ich wäre gerne ein kleines bißchen mehr wie Du, rational, systematisch, kalt, Du spielst Dir Deinen Vorteil fair heraus. Und ein bißchen weniger wie ich, weniger emotional, weniger heißblütig und kopflos, jede Chance verspielend. Ich müsste meine Angst nicht mit Zorn bedecken, damit ich sie nicht mehr sehen und spüren muß. Ich wüsste gerne, wie ich weitermachen soll, ob ich hierhin oder dorthin gehe, ob Mozart sich mit Led Zeppelin vertragen würde, und ob es den Variant vielleicht doch als GTI gibt. Ich hätte gerne eine Freundin, die sich Kinder wünscht, einskommavier oder dreikommafünf ist doch Nebensache. Ich würde gerne ein wenig Ausdauer zeigen, nicht nur beim Verweigern und Bocken, beim Saufen und beim Rock ´n Roll. Den Literaturkurs, bei dem ich vor der Tür stand, den hätte ich gerne besucht. Mehr Mut, einmal zwischen die Fußstapfen der Kategorie zu treten, onkelz im Theater, Lackschuhe bei Manowar. Fachbereichsleiter Auslandsbeziehungen muß garnicht, ein unbefristeter Job, ein eigenes Büro. Krawatte oder nicht, Motorsäge und Montblanc-Meisterstück. Luftgitarre und Violine, Schachclub und Fightclub. Ich wäre gerne ein bißchen Steak vom Grill, und ein wenig Kaviar und Trüffel. Nicht schwarz, nicht weiß, sondern Grau.

Anthrazit, vielleicht.
Wie soll ich je einen Stundenplan hinbekommen, wenn sich Vorlesungsverzeichnis und Studienkatalog ständig widersprechen?

Naja, nehme ich mir heute eben noch einma frei.

23.10.05

"Ja?"
"Hey. - Bist Du ´s?"
"Wen hast Du erwartet, so morgens um vier? John Lennon?"

"Bist Du schon zuhause?"
"Nö, gerade auf dem Heimweg. Was gibt´s?"
"Mein Schlüssel ist weg. Müsste oben in der Ecke liegen, in der ich meinen Pullover und so ausgezogen habe. Könntest Du vielleicht...?"
"Bin schon auf dem Rückweg. Aber erzähl mir doch mehr von dem 'und so'. Da hab ich wohl nicht recht aufgepasst."
"Wir machen eine Privatvorstellung, okay? Der Schlüssel mit dem schwarzen Band, Du kennst ihn doch. Rufst Du mich kurz an, wenn Du ihn findest?"
"Schon klar. Also, ich suche jetzt Deinen Schlüssel, und bringe ihn Dir dann."
"Brauchst Du nicht. Wir sind schon drin. Behalt ihn einfach. Bei Dir weiß ich ja, daß - ."

"Ja."
"Danke."



"Ich hab´ ihn."
"Danke. - Was röchelt da so?"
"Ich hab´ noch einen Kollegen gefunden, der saß so allein auf der Wiese. Den schleppe ich grade ab, und lege ihn dann in sein Auto. Soll er fahren, wenn er wieder kann."
"Ja. Mach ´s gut."
"Besser. Oder öfter."



Natürlich habe ich ihr den Schlüssel gleich in den Briefkasten geworfen. Fühlt sich viel zu gut an in meiner Tasche. Trotzdem - an diese Art Kompliment könnte ich mich gewöhnen. Sogar morgens um vier.

21.10.05

Homeward bound oder Was hält mich hier?

Home - where my thought's escaping,
Home - where my music's playing,
Home - where my love lies waiting
Silently for me.

Aus der Reihe "Lieder, die mal eben so beinahe passen". Ansonsten mag ich Simon & Garfunkel aber ganz gerne.
Ich bitte immer darum, Stellungnahmen eines Professors veröffentlichen zu dürfen. Könnte schließlich anderen helfen und dem Professor redundante Arbeit ersparen. Könnten mir also beide ein Bier zahlen.

Wenn ich stattdessen darum gebeten werde, meine Klappe zu halten, halte ich mich daran. Ungern. Nicht nur des Bieres wegen.
"Durchgefallen? Dann mach doch ein halbes Jahr was anderes. Philosophie. Literatur. Sprachen. Interessiert Dich ja auch alles. Oder - Du räumst die Garage auf."

Mein alter Herr überrascht mich immer wieder.

Nur die Garage kannte ich schon.
Vor vier Jahren habe ich mal mit einem Mikrophon geredet.
Heute morgen habe ich das Ergebnis wiederentdeckt.

Webspace, anyone?
Die irrsinnige Freude darüber, daß jemand der mich mag, jemanden eingeladen hat, den ich mag, wird nur gedämpft von der Angst, mal wieder völlig überzogene Erwartungen an jemanden zu haben, der sich wahrscheinlich garnicht mehr an mich erinnert.

Ich muß zum Friseur.

Was Ranicki verpasst hat

"Tatsächlich? Sonst noch etwas?" sagte der Doktor und notierte es.
"Ich sehe die Bosheit und das Laster das Land mit den Flügeln schlagen."
"Sieht Dinge mit den Flügeln schlagen", schrieb der Arzt.
"Ich sehe überall Elend und Unglück."
"Tatsächlich!" sagte der Doktor. "Hat Wahnvorstellungen." (...)

Aus William Somerset Maugham, Ein schlimmes Beispiel, 1899. Sammelband "Der eigenartige Ehrbegriff des Herrn Sebastian und sechzehn andere eigenartige Geschichten".
Lesebefehl.

20.10.05

Mehr Sex

Nach dem Institutsbesuch:
"Virtual Reality ist schon cool, oder? Man konnte einfach so durch die Fabrik laufen, die Maschinen anfassen und bewegen. Kraftrückkoplung in den Handschuhen - ich hab´ die Knöpfe wirklich gefühlt!"
- "Virtual Reality? Darunter hab ich mir mehr Sex vorgestellt."

Maschinen bauen - Mensch bleiben.

19.10.05

Bilder aus den Ferien


Da lacht das Maschinenwesen!


Mein Möhrchen, mein Pflug, meine Alb.
Größenverhältnis: Die hinteren Felgen haben zweiundvierzig Zoll Durchmesser.



Fendt Favorit 716 Vario. Muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.

18.10.05

Forstbetrieb, Einführung

Ein Stöckchen, also. Nun gut. Zeit habe ich ja zu Genüge, und die Anbindung im Wohnheimsnetz ist geradezu breitbandig.

Ich schnappe mir also gehorsam das Stöckchen, um in meiner Ecke ein wenig darauf herumzukauen. Dabei fällt mir ein: Ich bin in Stuttgart. Meine CDs sind zuhause. Mein Musikrechner auch...

Ich erlaube mir also, das Stöckchen mal vorläufig zu bearbeiten und am Wochenende vollends durchzunagen. Insgesamt werde ich das Stöckchen dreimal aufbereiten. Einmal mit dem, was mir spontan einfällt, einmal mit dem, was Google hergibt, und einmal nach ausgiebigem Studium meiner Musiksammlung. Und zuletzt noch einmal nur mit Bob Dylan. Vielleicht auch nur mit einem Lied. Ich weiß es noch nicht, aber es wird eine Serie werden. Mal sehen, wohin meine Langeweile uns führt.

Hunted like a crocodile, ravaged in the corn

Zum ersten: Mister Bob Dylan.

1.Männlich oder Weiblich? M oder W? mmmm oder wwwww?
I came in from the wilderness, a creature void of form.

2.Wo wünscht du dir im Moment zu sein?
Try imagining a place where it's always safe and warm.

3. Wenn du einer geliebten Person genau eine Sache sagen wolltest, was wäre das?
I'll always do my best for her, on that I give my word.

4. Was denkst du über deine besten Freunde?
I bargained for salvation an' they gave me a lethal dose.

5. Was tust du für gewöhnlich Freitag Nachts?
And the one-eyed undertaker, he blows a futile horn.

6. Was tust jetzt in diesem Moment?
Well, I'm livin' in a foreign country but I'm bound to cross the line

7. Und was wünschst du dir jetzt im Moment zu tun?
If I could only turn back the clock to when God and her were born.

8. Was denkst du über deinen Job?
I offered up my innocence and got repaid with scorn.

9. Wie fühlst du dich in eben diesem Augenblick?
But nothing really matters much, it's doom alone that counts

10. Was denkst du über Alkohol und Drogen?
Do I understand your question, man, is it hopeless and forlorn?

11.Wenn du einer verhassten Person genau eine Sache sagen wolltest, was wäre das?
I've heard newborn babies wailin' like a mournin' dove
And old men with broken teeth stranded without love.

12. momentaner Lieblingsong
"Come in," she said,"I'll give you
Shelter from the storm."

13. Irgendnen Ratschlag für den rest der welt?
Everything up to that point had been left unresolved.

14. Irgendwelche abschließenden Worte?
Beauty walks a razor's edge, someday I'll make it mine.

Die zweifellos zweitschönste Rothaarige der Welt



In den letzten Wochen habe ich gerne lang gearbeitet. Ich arbeite ja gerne. Und ich wußte zudem nichts anderes mit mir anzufangen.
So auch am Freitagabend. Aus unerfindlichen Gründen, die irgendwie damit zusammenhängen, daß ich erstens nicht alleine und zweitens überhaupt nicht gerne ausgehe, ließ ich das Konzert, auf das ich mich wochenlang gefreut hatte, Konzert sein, und jagte den Pflug noch ein wenig durch den Boden.
Erst gegen elf ging ich nach Hause, wo ich dann so unruhig wurde, daß ich mich doch noch ein wenig präsentabel machte und zum Oktoberfest in der Halle ging. Die Renovierungsmaßnahmen an mir selbst bestanden weitestgehend aus einer kurzen Dusche, einer Handvoll Haargel, die nach kurzem Erschauern im Spiegel einer Mütze weichen mußte, und dem absoluten Luxus, den schwarzen Fetzen an meiner Hand durch ein nagelneues Pflaster zu ersetzen, das ich aber leider nachts schon wieder verlor.
Ich stand nun in der Halle, von vorne brüllte der Lärm auf mich ein, von links und rechts rempelte man mein Bier an, und ich fragte mich, was in aller Welt ich an diesen Veranstaltungen so amüsant gefunden hatte. Als mir zu allem Überfluß auch noch jemand einen Besenstiel oder eine Boeing oder etwas in der Größenordnung in den Rücken rammte, war ich mit meiner Geduld am Ende. Ich schaute mich nach dem Besitzer des Besenstiels um, blieb aber mitten in der Drehung stecken, als nur eine Handbreit vor meinem Gesicht die vermeintliche Boeing-Pilotin sah. Sie streckte mir die Zunge heraus, lachte und haute mir vorsorglich mitten auf die Brust, falls mir vielleicht das Herz ebenso stehengeblieben sei wie meine Gesichtszüge. Sie umarmte mich, und gelähmt ließ ich die Arme sinken, mein Bier lief über meine Hose auf den Boden und in meine Schuhe, während ich nur daran dachte, daß es doch ein ganz nettes Wortspiel ergeben könnte, wenn statt der Tränen das Bier in Strömen flösse. Sie wirbelte um mich herum, ein Tanzschritt hier, ein halbhoher, für die Herren der Schöpfung besonders gefährlicher Kick da, und wir hatten Platz. Sie erzählte und lachte, zog mich und zerrte an mir, nirgendwo- und überall hin. "Der Rama," sagte sie, sei ihr schon zu Kopf gestiegen. Und während ich mich noch fragte, ob er sich auf dem Weg dahin durch ihre Frisur gefressen haben mochte, erklärte sie schon, daß langes Haar zu aufwendig und überhaupt, sowieso und irgendwie gewesen sei. Ungläubig faßte ich an ihren Kopf, ließ meine Hand jedoch im letzten Moment wieder sinken, als sie sich an mich warf, und ich schon zu hoffen begann, was jetzt kam sei nur der Ansatz zum handelsüblichen Doppelnelson. Denn tanzen, oder auch nur meine Hand an ihre Hüfte legen, bei jeder Bewegung sich jeden ihrer Muskelstränge in meine Handfläche brennen sehen, ihr Rippenbogen, ihre Achsel, ihre Kniebeuge, die pochende Ader an ihrem Hals, ich hätte es nicht ertragen. Wie immer spürte sie meinen Wunsch nach Abstand, und wie immer war er ihr scheißegal. Bei mir eingehakt führte sie mich zu A., den ich fluchtunfähig, mit trockenem Mund und mit Worten, die sich nicht zu Sätzen fügen wollten, begrüßte. Sie löste sich etwas von mir und stellte sich ein wenig auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen.

Als ich einige Stunden später taub und blind nach Hause torkelte, versuchte ich, Schmerz oder Wut zu fühlen. Ich fühlte mich nur leicht. Leicht, ein wenig glücklich, ein wenig mehr betrunken, und sehr gut. Ich liebe sie, doch es schmerzt nicht mehr. Ich freue mich, freue mich für sie, daß ihre schmerzhafte und rastlose Suche ein Ende hat, daß jemand es geschafft hat, sie irgendwie zu heilen, das Richtige zu sagen, das Richtige zu tun. Das, was ich nicht geschafft habe, wozu sie mich gebraucht hätte. Ich wußte zu wenig vor einem Jahr, doch das entschuldigt mich nicht. Keineswegs. Sie hat den Schutz gesucht, den ich ihr nicht geben konnte, weil ich ihn selbst nicht hatte. Wie zwei Schwankende hielten wir uns aneinander fest, um nicht zu fallen. Ihre Trutzburg, ihr Schutzwall konnte ich nicht sein. Zu klein, zu schwach, jung und unerfahren. Und zu dumm. Verletzt hatte ich sie, die ich hätte schützen solle, die mich in ihr Leben zerrte, um die Gräben einzuebnen, um sie davor zu bewahren, in die tiefen Löcher zu fallen, die jemand dort gegraben hatte. Und ängstlich rannte ich umher, grub hier, schaufelte dort, war mal zu nah und mal zu weit fort.
Es ist vorbei. Wir haben unser Ende. Ein glückliches, eines, das alle einschließt. Keine Eifersucht, keine schamhaften Versuche, ihr zu Hilfe zu eilen, wo ich doch nicht einmal meine Ketten zerbrechen konnte. Ich liebe sie. Immer noch. Immer wieder. Anders jetzt. Nicht krampfhaft und fixiert, nicht toll und gellend laut. Sondern frei und glücklich.

Ich liebe ihre Kraft, ihr Strahlen, das mich wärmt, jetzt im Herbst. Ich genieße ihre Gesellschaft, wenn sie lacht und auf mich einredet, mich rüttelt; wenn sie da ist.

Venedig sehen und sterben. La Serenissima. S.



Zuhause sah ich betäubt in den Fernseher, ohne Schlaf zu finden. Irgendwann wurde ein Konzert der Alpinkatzen übertragen. Ich schaute und hörte zu, wie Sabine sich in mein Herz jodelte und sang. Zuvor hatte ich nur die Musik gehört, nie die Inbrunst dieser Sängerin gesehen, die Hingabe und das Wunder dieser Musik gespürt.
Schon wieder eine Rothaarige.
Das Leben ist doch voller Wunder.

Kurze Nachricht, lange Nacht

Sorry, hab Deinen Anruf überhört. Was gibt´s denn Wildes?

Dich! Bin in einer halben Stunde da.

Aha. Sinneswandel oder doch nur einen schweren Stein aus großer Höhe auf den Kopf bekommen? Ich putze jedenfalls nicht vorher. Dachte ich.

Wild

Ich wollte wirklich schreiben heute abend. Nein, ich war sogar schon dabei.
Doch da kam dieser Kommilitone mit zwei Flascherln in der Hand...

Und nach zwei Bier treffe ich kaum mehr eine Taste. Morgen also.

12.10.05

515, zum Zweiten

Ein paar Worte aus den letzten Tagen.

"Du schreibst mir gerade sowieso die meisten Stunden."
- "Hm. Dann bleibe ich eben morgen daheim."
-"Nein, das geht nicht - Du mußt heute abend noch pflügen und morgen walzen!"

"Den Spanngurt anziehen, dann könnt ihr ablassen. (...) So, und jetzt wieder hochheben und den Gurt lösen, damit ich meine Finger herausbekomme."

"Morgen mußt Du pflügen und am Mittwoch walzen."
- "Morgen ist Mittwoch."
- "Dann mußt Du eben heute nacht vorausarbeiten."

"Zu dem Bauern kannst Du mich wieder schicken. Der hat hübsche Töchter."
- "Deshalb habe ich Dich da auch hingeschickt."
- "Ja, und wenn mich die eine jetzt schnappt, muß ich ja dem helfen. Dann habe ich ja keine Zeit mehr für Dich."
- "Hm. Da schick´ ich Dich dann eben nicht mehr hin."

"Wie sieht´s morgen aus? Wann fangen wir an?"
- "Keine Ahnung. Entweder schmeiße ich Dich noch heute nacht aus dem Bett, oder morgen früh."

"Kannst Du dem V. einen Eimer Zentralschmierungsfett bringen? (... Geratter...) Oder komm lieber zuerst zu mir, und hilf mir - gerade hat sich der Rotor zugesetzt."

"Hallo, Deine Möhre ist gestorben."
- "Schon wieder?" (Tut - tut - tut.)

10.10.05

515

8.10.05

Birte, Herrchen und der Tip

Wir saßen also in dieser Bar, Birte und ich. Wir saßen da und redeten, ab und an schaute ich unverhohlen auf die Uhr oder gähnte, ohne mir die Hand vor den Mund zu halten. Man könnte mein Verhalten für unhöflich halten, oder auch einfach nur für völlig bescheuert, wo ich mich doch lange genug darauf gefreut hatte, mit Birte auszugehen. Aber es war schon nach elf, und ziemlich genau da hört der Spaß eben auf. Selbst wenn sich ein wunderschönes Mädchen neben mir in den Kissen lümmelt, Bier trinkt, lacht und sich weitestgehend selbst unterhält, weil es eben schon nach elf ist.

Auf der Treppe taucht ein Kopf auf, dem ein Hund und die dazugehörige Halterin folgen, die ihrem Namen nicht besonders gerecht wird, da sie den Hund überhaupt nicht hält. Während ich mit einer Hand taste, ob sich mein Kiefer noch in einer annähernd natürlichen Lage befindet oder bereits auf meiner Brust aufgeschlagen ist, sinniere ich kurz dem unsinnigen Gedanken nach, diesen Hund halten zu wollen, und versuche ihn in eine Relation zu meinem bisherigen Alkoholkonsum und den Tieren zu bringen, die ich gerade in meinem Kopf auftreiben kann. Ich beschließe, daß die Tiere schon recht so sind, wie sie da in meinem Kopf umherturnen, und ich nur zuwenig getrunken habe, und schicke die Tiere dorthin, wo der Pfeffer wächst. Dieser Erkenntnis folgt das Bedauern, auf die Kellnerin in nächster Zeit verzichten zu müssen. Obwohl - wenn sie ganz mutig ist, könnte sie ja ganz leise und verstohlen zwischen den Hinterbeinen des Hundes durchhuschen und mir ein Bier...

Ich gebe offen zu: Der Hund war groß. Eine Deutsche Dogge mit Übermaß, wie ich später erfuhr.
Zunächst jedoch saß ich etwas sprachlos vor dem Tier, das daran offenbar schon gewöhnt war, und meine Blicke richtig deutete. Ich brauchte ganz offenbar Trost. Und weil so ein Hund ein ganz toller Tröster ist, legte er mir den Kopf auf die Schulter und sabberte mir tröstend auf den Rücken. Ich verfluchte die niedrige Bank, auf der ich saß, und die Tatsache, daß der Hund nicht eines seiner Beine vom Boden hatte nehmen müssen, um mir auf den Rücken zu sabbern. Ich verfluchte auch den Gedanken, daß der Hund auf die ganze Flucherei vielleicht aufgebracht reagieren könnte, und fluchte nur noch ganz leise weiter.
Frauchen hatte es sich längst neben uns bequem gemacht, als der Hund endlich beschloß, daß ich genug getröstet wäre, und sich von mir abwandte. Vielleicht war ihm auch nur die Trösterspucke ausgegangen. Er drehte sich also ein- oder zweimal im Kreis, was ich nicht so genau verfolgen konnte, weil ich zum Einen mein Bier davor retten mußte, vom Hundeschweif auf den Boden gefegt zu werden, und zum Anderen, weil ich bei der Länge des Tieres und seiner Behendigkeit ein wenig den Überblick über Hundeanfang und -ende verlor. Nach der ganzen Dreherei, von der mir schon ganz blümerant zumute geworden war, ließ er sich einfach fallen. Da lag er nun, der Riesenhund, und tat einfach garnichts. Nunja, er lag auf meinem Fuß, aber das ist für so einen Riesenhund ja eine leichte Übung, daher dachte ich zunächst daran, es geflissentlich zu ignorieren, und einfach mit meinen Zehen den Hund ein wenig zur Seite zu schieben. Doch welche Zehen? dachte ich. Ich spürte keine mehr, und das merkwürdige Kribbeln an meinem Knie kündete davon, daß ich über kurz oder lang von meinem Bein dasselbe denken würde.
"Entschuldigen Sie, ich spreche ja ungern fremde Damen an, aber Ihr Hund - also der..." - während ich mir noch den Satz für Frauchen ausdachte, und gleichzeitig am Text meiner Todesanzeige feilte, um meinem unrühmlichen Tod unter einem schlafenden Hund wenigstens ein bißchen Heldentum abzuringen - was war noch gleich das Präteritum von ringen? - erschien der Begleiter Frauchens mit zwei Bier und einer Schale Wasser. Der Hund sprang auf, mein Bein war gerettet, und ich griff nach dem Bier, das Herrchen vor Frauchen gestellt hatte, um wieder etwas Flüssigkeit in das arg gebeutelte Bein zu bekommen.
Birte hatte von meinem Kampf nichts mitbekommen, sie plauderte lebhaft mit Frauchen, während sie sich über mich beugte, um ihre Hand auf meinen Oberschenkel zu legen, wo sie hingehört. Leider stützte sie sich nur auf mir ab, um sich dem Hund zu nähern und ihm den Kopf zu streicheln. Mit "Ist der süß!" und "Kann ich auch so einen haben?", das ob meines Kopfschüttelns schnell zu einem "Du weißt, wer von uns beiden stärker ist!" einschließlich ihrer Faust unter meiner Nase wurde, wurde der Hund in ihre Wunschliste aufgenommen, und ich überschlug bereits, was mich die Anschaffung eines solchen Tieres kosten würde, während ich mit "Der geht aber nicht in Deine Handtasche." schon mein Rückzugsgefecht führte.
Frauchen hatte mittlerweile ein neues Bier und lachte, der Hund hatte genug Wasser in Sabber umgewandelt, um mich weiter zu trösten, und Herrchen meinte, der mache sowas nur bei Menschen, die er möge. Ich hatte den Trost mittlerweile bitter nötig, weil ich sowohl gegen den Hund als auch gegen Birte keine Handhabe mehr sah. Ich war beiden hoffnungslos unterlegen. Also lehnte ich mich am Hals des Riesenhundes an, während Birte auf der Treppe verschwand, um den Tätigkeiten nachzugehen, denen Damen eben auf Toiletten nachgehen. "Wie bringe ich sie nur davon wieder ab?" fragte ich Herrchen dumpf aus dem Fell des Hundes heraus. "Wenn Du heute nacht noch etwas von ihr haben willst, mein Freund, dann verschiebst Du die Diskussion auf morgen. Und wenn ich Dir noch einen Tip geben darf: Mach die Hundenummer." - "Die was -? Soll ich mich auf den Boden legen und warten, bis mich jemand am Kopf krault?" - "Nein, Kleiner. Mit dem Schwanz wedeln und sabbern."
Als Birte wiederkam hatte ich das nächste von Frauchens Bieren vernichtet, und wir konnten gehen. Zum Abschied zwinkerte mir Herrchen geheimnisvoll zu, während er sich von Frauchen den Nacken kraulen ließ, die sich an ihrem leeren Bier nun wirklich nicht mehr festhalten konnte. Während wir Hand in Hand durch die Gassen schlenderten, dachte ich an den Tip und daran, wie ich den Hund wohl in meiner Wohnung unterbringen sollte.


Ach ja: Niemand heißt wirklich Birte. Und der Hund war ein Mädchen. Aber nicht weitersagen!

7.10.05

Schizophrenie für Anfänger

Manchmal finden Gesspräche statt, die ganz einfach dokumentiert und der Nachwelt erhalten werden müssen. Die Nachwelt wird sich zwar, wie ich sie kenne, zickig geben und mich dezent ignorieren, was einerseits verständlich ist, andererseits aber von mir wiederum dezent ignoriert wird.

Leider kam das Gespräch zwischen meinem Körper und meinem Geist zunächst nicht zustande, da der Körper den Geist in Weingeist zu ertränken versuchte, was der Geist dem Körper mit einem Schlag in den Magen quittierte. Nachdem also die üblichen Nicklichkeiten durch waren, und die beiden lange genug schmollend in ihren Lieblingsecken gesessen hatten, gab ich beiden einen gutgemeinten Tritt und blaffte sie an, daß ich sie auf der Stelle vor die Tür setzen würde, wenn sie sich nicht sofort vertragen und an einen Tisch setzten. Die Weigerung des Geistes, dem Körper einen Händedruck anzubieten, ließ ich ebenso durchgehen wie die herausgestreckte Zunge des Körpers.

Wie gesagt, manchmal finden Gespräche statt, die ganz einfach dokumentiert und der Nachwelt erhalten werden müssen. Leider fallen sie wegen solcher Kleinigkeiten viel öfter aus als sie stattfinden. Doof, sowas.

5.10.05

Unangenehm ist

nicht zu wissen, weshalb man die Gute denn nun vergessen hat.

Ernüchterung ist

wenn sich die Nachhilfeschülerin per Kurznachricht meldet, weil man sie gestern vergessen hat.

War gestern schon Dienstag?

Vorfreude ist

eine Kurznachricht noch zehn Minuten ungelesen zu lassen, weil man den Absender zu kennen glaubt.

4.10.05

Androgyny und Shirley Manson in braun

Die Verkäuferinnen bei Bruno Banani sind am hübschesten.

Und seit gerade eben weiß ich auch, weshalb die Dame so nett gegrinst hat. Nicht, weil ich so ein netter Kerl bin. Und auch nicht, weil ich netterweise den Vorhang beim Umziehen einen Spaltbreit offengelassen habe. Sondern weil das angebliche Kurzarmhemd ein Stück Damenunterwäsche ist.

Steht mir trotzdem. Und passt zur Hose von Miss Sixty. Das Foto lasse ich aber weg.

Die Verkäuferin in einem anderen Laden auf unserer Tour sah verdächtig nach Miss Manson aus. Miss Manson nach einer Mikrowellenbehandlung.
Sie schleppte fleißig Teil um Teil an und häufte die Stücke gewissenhaft und unermüdlich vor der Kabine auf, bis ich beim kanariengelben Leibchen endgültig in den Anziehstreik trat. Sie zuckte mit keiner Wimper und packte das Dingens wieder weg. Sie verzichtete auch darauf, mir mitzuteilen, daß ich das beige Hemd auf links trug. Zumindest bis ich mich über die sichtbaren Nähte beklagte.
Ihr Lachkrampf brach sich erst Bahn, als ich darum bat, alles bis zum Eintreffen meiner Einkaufskontrolleurin zurückzulegen. Als wir wiederkamen hatte sie ihre Lachtränen beseitigt und ihre Gesichtsfarbe aufgefrischt, und konnte nur noch staunend zusehen, in welcher Geschwindigkeit ich mich umzog, auf die Kommandos "Dreh Dich!", "Hände aus den Taschen!" oder "Runter damit!" reagierte, und wie das Häufchen der akzeptierten Stücke wuchs. Als meine Kontrolleurin auch noch die Karte an der Kasse zückte, war sie vollends hin und weg, und wahrscheinlich für den Rest des Tages nicht mehr ansprechbar.

Türkis steht ihr nicht.
Grau steht mir nicht.
Pullover, die so weit geschnitten sind, daß man unbedingt etwas drunterziehen sollte, und die so weitmaschig gestrickt sind, daß man unbedingt etwas Undurchsichtiges drunterziehen sollte, gewinnen deutlich an Unterhaltungswert, wenn die Trägerin desselben beide Ratschläge nicht befolgt und laut rufend durch die ganze Abteilung rennt, auf der Suche nach dem pflichtvergessenen Tütenträger, der selig in einem Stuhl in der Dessousabteilung schläft.
Eine Verkäuferin, die ohne Vorwarnung eine Hose am Träger derselben zurechtzupft, muß damit rechnen, daß ihre Finger eingeklemmt werden.
"Wandelnde Litfaßsäule" ist erstens kein Kompliment für eine Dame und führt zweitens dazu, daß der Komplimentierende kompromittiert wird und das besprochene Kleidungsstück zähneknirschend bezahlt, um weiteres Aufsehen zu vermeiden.
Dessous sollten dem Betrachter nicht zu lange vorgeführt werden, da sich sonst der Betrachter in die Gaffer verwandelt.
Beim Betrachten von Dessous an der Trägerin sollte der Betrachter sitzen und seinen Mund mit mindestens einer Hand halten.
Das Vorführen von Herrenunterwäsche für die Betrachterin stößt weniger auf deren Wohlwollen als auf allgemeine Heiterkeit.
Ich mag einkaufen. Einmal im Jahr.

3.10.05

Dritter Oktober, S.

"Die "Pretty Woman" hat ja rote Haare. Ist mir noch garnicht aufgefallen. Dir etwa?"
Wer bezahlt die Menschen, die ihre Schmutzfinger in meine Wunden legen?

Heute ist der dritte Oktober. Vor einem Jahr wurde ich mit der Feuerwehr zu einem Unfall gerufen. Ein Traktor war auf der Straße umgekippt.
Was genau passiert ist kann ich heute noch nicht niederschreiben. Ich mußte am nächsten Tag fahren, und habe Dich angerufen. Weil es mir schlecht ging, weil ich mich im Kreis drehte und hoffte, Du könntest mich befreien. Ich hatte Angst und wußte nicht wovor. Ich war wütend ohne Ziel. Ein Hilferuf ohne Hintergedanken. Das Nächstliegendste warst schlicht und ergreifend Du. Das habe ich lange nicht verstanden. Ich wollte nicht sehen, daß ich abhängig war von Dir. "Sag was! Irgendwas -!" Und Du warst da, hast mich beruhigt und getröstet, hast Dein Fest einfach vergessen. Ich durfte mich an Deiner Hand aus dem Loch ziehen, in das ich so unvermittelt gefallen war. Das hast Du möglich gemacht.


Danke, daß Du da warst.
Auch wenn ich es Dir nicht sagen kann.

Bekenntnisse eines Maschinenwesens

Ich saß mit fünf blonden Damen in einem Raum. Eine von ihnen tätschelte mein Knie. Ich war der Hahn im Korb.

Ich wollte nur nach Hause.

2.10.05

Ich bin wieder hier

Noch etwas zerfleddert und sprachlos ob der Verwüstung, die ich hinterlasse, aber am Leben. Zumindest zucke ich noch ein wenig, atme ab und an, und schreie die Welt an, was das denn alles soll mit dem Leben im Allgemeinen und mir im Besonderen.

Das Schreiben hat mir gefehlt. Als Therapie, zugegeben. Als Vergnügen. Als Zwang zur Reflektion. Meta! brüllend stürme ich mein Blog. Aber leise.