30.8.05

Ich jammere jetzt ein wenig, ja?
-Mir ist schlecht.
-Ich bin müde.
-Ich bin alleine zuhause.
-Ich bin erst seit zehn Minuten da.
-Vor einer Minute hat mein Telefon geläutet.
-In einer Minute bin ich wieder weg.

Ein Hinweis in eigener Sache: Lieber Herr HDH-**-63, falls Sie mich anzeigen möchten, gebe ich zu bedenken, daß Sie mich innerorts bei Tempo fünfzig wie ein Irrer überholt und anschließend brutalst ausgebremst haben. Das war nicht nett, und ich habe die offizielle Anweisung, Typen wie Sie beim nächsten Mal über den Haufen zu fahren.
Außerdem hätte ich nie gedacht, daß ich mit einem Traktor und einem beinahe zehn Meter langen Tieflader einem Auto so leicht ein Schnippchen schlagen kann. Unsere kleine Verfolgungsjagd habe ich unfair, wie ich zugebe, aber nichtsdestotrotz sehr erfolgreich mit dem Wald- und Wiesentrick beendet. Da hilft es auch nichts, wenn Sie noch eine halbe Stunde das Dorf hoch und runter fahren. Ehrlich nicht.
Noch ein kleiner Tip am Rande sei mir gewährt: Mein Nummernschild ist oben an der Kabine. An der Motorhaube werden Sie keines finden. Alternativ hilft vielleicht die Telefonnummer, die groß an den Türen aufgeklebt ist. Genau die, die auch auf meinem Hemd steht. Oder Sie fragen mich nach einer Visitenkarte. Müssen Sie Sich nicht soaufregen. Schadet der Gesundheit.

In diesem Sinne: Suchen Sie Sich ein Hobby, das Sie etwas entspannt. Wie wäre es mit Pilzesammeln auf der Autobahn?

28.8.05

An dieser Stelle

hätte ein Eintrag Platz nehmen sollen, der bei den Herren für Neid und bei den Damen für schmachtende Blicke oder hochgezogene Brauen gesorgt hätte.

Ich hatte ihn schon im Kopf, als wir aufs Motorrad stiegen. Irgend etwas von Körpern, Reibung, von Tälern und Gipfeln, davon, daß es zu zweit schöner ist als alleine, daß man etwas mehr Körpereinsatz bringen muß, daß sich die ganze Geschichte nicht mit einer Hand lenken lässt, vom gemeinsamen Ankommen und vom gegenseitigen Festhalten. Vielleicht auch ein wenig oben und unten, so weit war ich beim Ausformulieren noch nicht.
Schließlich mußte ich nebenbei noch fahren wie der Teufel, um alle paar Meter stark genug abbremsen zu können, daß meine Sozia quietschend auf mich zurutschte.

An dieser Stelle, und das heißt, ganz zum Ende des Eintrages, wäre dann dieser Satz gestanden, für den ich mich vor Lachen hätte auf die Zunge beißen können, wenn ich nur meine Kiefer in dem engen Helm weit genug auseinanderbrächte:
"Und Motorradfahren waren wir auch."

Ein Brüller, wie man sieht. Und, history repeating, die Umkehr der Geschichte über die KLR.

Leider waren wir nicht nur Motorradfahren.

27.8.05

Heute ist ein guter Tag

Weil ich mir sicher bin, heute die GPX von der Leine lassen zu dürfen.
Weil ich eine Sozia dabei haben werde.
Weil alle meine Bauern am Telefon "Silage!" brüllen.
Weil die Sonne scheint.
Weil gestern ein schöner Abend war.
Weil ich zuhause sein darf.
Weil...

26.8.05

For what coffee can´t do...

...you´ve got your boss.

Kurzer Anruf vom Chef - am Sonntag Silieren bei meinem Spezialkunden. Die gute Leistung vom letzten Mal unbedingt wiederholen.
Und ich muß wieder walzen - das heißt vor Nervosität beinahe übers Lenkrad erbrechen, vor Angst bei dreißig Grad frieren und vor Zorn nur knapp am Herzinfarkt vorbeischrammen.

Und das schon am Freitag.

(Im Ernst: Ich freue mich, daß es wieder losgeht. Vielleicht morgen schon.)

König im Niedervoltland


So sah es ja gestern noch aus.
Heute morgen nahm ich mir das Gerätchen kurz zur Brust. Es kann ja nicht angehen, daß mir ein technisches Gerät einfach widerspricht. Mich zum Narren zu halten, das können höchstens rothaarige (und alle anderen) Damen und Rindviecher. Also grundsätzlich alles, was keinen Knopf zum Abschalten hat. Oder eine Batterie.



Wobei mich die etwas krude Verbindung zwischen roten Haaren und Abschalten auf eine Geschichte bringt, die etwas mit der Abneigung zwischen S. und dem früheren Freund B. zu tun hat, als dieser, von ihrem Wortschwall erdrückt, auf den roten "Not-Aus" hämmerte, wie er das eben von der Arbeit so gewohnt war. Sie ging kurzzeitig zu Boden, erholte sich aber bald wieder bei ein paar Gläsern Flaschen Rama, und schenkte dem Ärmsten an diesem Abend noch ganz nett ein. Schlagkräftig und -fertig ist sie ja. Für den "Not-Aus" mußte ich ebenfalls büßen, schließlich war B. ja mein Freund. Meine Ausrede, daß nach der Genfer Konvention von anno dazumal Sippenhaft nicht zulässig sei, wischte sie mit einer Handbewegung beiseite, die mir ganz zufällig und sicher unabsichtlich auch noch ein wunderschönes blaues Mal am Arm einbrachte.


Zurück zum Thema: Das Gerät.


Mit dem passenden Werkzeug ist so ein Dingens ja schnell geöffnet. Also legte ich den Vorschlaghammer zur Seite und packte das Feinwerkzeug von Aldi aus.



Im Bildhintergrund:
Höhere Mathematik.



Der Übeltäter: Das Knöpfchen zum Zurücksetzen des Empfängers war etwas eingedellt, und stand quasi dauerhaft auf "Reset".


Sachgerecht wurde die Folie etwas angehoben und entfernt, um den Dauerkontakt zu unterbrechen. Davon gibt es leider keine Bilder, weil ich für den Vorschlaghammer beide Hände gebraucht habe. Ebenso für Motorsäge und den großen Winkelschleifer.



Wieder zusammengesetzt, und die teuren Batterien probehalber eingepflanzt.



Im Bild:
An der Seite ein winziger Schraubendreher. Keine Zigarettenspitze.




Eine der winzigen Schrauben fiel ins Batteriefach, und wollte sich auf Teufel komm raus (oder eben nicht) dort festsetzen.
Also alles noch einmal von vorne.


Nicht im Bild:
Der Wutanfall des Autors.



Das Gerät, wieder funktionstüchtig, an seinem angestammten Platz.

Noch im Bild:
CDs.
Nicht im Bild:
Die Maschine, die die Schwerkraft um neunzig Grad nach links kippt. Der Spaß auf jeder Party!


(Die Uhr mußte sich erst nach der Funkzeit ausrichten. Solange ich die Bilder in den Eintrag gepfuscht habe, hat sie das aber geschafft.)

Die Moral von der Geschicht´: Mit Strom, da kann er´s, mit den Damen nicht.

25.8.05

Mit einem Schuß Sonne im Nacken schwinge ich mich gleich auf meinen Polowagen und rocke den Stall, um mal vorsichtig fragen zu können, wie das mit dem Essen nächste Woche so laufen wird. Meine Eltern sind im Urlaub.
Außerdem lasse ich Mathe für ein paar Stunden hinter mir, habe noch Dolly Parton im Ohr, und überhaupt ein unglaublich gutes Gefühl. So ohne Telefon.

Aus der Reihe: Zehn gute Gründe für einen Sonnentag.

Alles Lüge!

Es hat draußen keine neunzehn Grad!
Es hat hier drinnen keine achtundzwanzig Grad!
Und es ist verdammich, noch nicht vier Uhr!

Ich hasse es, wenn es das tut, mein Leben.

Ab achtzehn!

Das hier wird jetzt nicht ganz jugendfrei und versaut sowieso. Aber diesen Spruch muß ich glatt wiedergeben, auch wenn ich ihn ein wenig zurechtschleifen mußte, um ihn überhaupt druckreif zu bekommen. Sagte doch gestern abend ein Sechzehnjähriger zu mir:

Geschlechtsverkehr ist nicht halb so schön, wie Du es Dir beim Onanieren
vorstellst.*


Was passierte weiter? Ich stand zunächst etwas konsterniert herum, wie alle Umstehenden auch. Nach einer Weile begann ich mit den anderen zu lachen, und der Knirps stand wieder vom Boden auf, wohin ihn meine Ohrfeige befördert hatte, schüttelte sich, und brachte mir noch ein Bier.**

_______________
*) Man ersetze die Euphemismen durch sehr schmutzige Worte, die ich an dieser Stelle nicht wiedergeben will.
**) Der letzte Absatz war komplett gelogen.

24.8.05

"Once upon a time..." - so fangen gute Geschichten an. Fragen Sie Bob Dylan. Oder von mir aus die Gebrüder Grimm. Das dürfte sich vom Schwierigkeitsgrad her die Waage halten. Außerdem fing so schon einmal eine Geschichte von mir an.
Einerlei, irgendwann einmal lernte ich ein Mädchen kennen.
Sie wohnte weit weg im Süden, und so redete sie auch. Wir konnten uns stundenlang zuhören, uns über Dialekte amüsieren, lachen und erzählen. Wir führten sonntags achtstündige Telefonate, bis die Akkus aufgaben oder die Ohren. Diese Sonntage waren großartig. Wir schrieben uns Kurznachrichten, freuten uns auf die Antwort am nächsten Tag, auf das Lachen des anderen, das wir nicht hören konnten, aber das trotzdem deutlich im Raum stand.
Ich erinnere mich an die Feste, bei denen ich in einer Ecke stand, das Telefon in der Hand, um meine Freude mit ihr zu teilen, an die Nächte, in denen sie mich aus dem Schlaf riß, um den ihren auf mich zu übertragen.
Per Telefon machten wir eine Liveübertragung von einem Konzert, von der Kneipentour danach, ich auf dem Schlepper sitzend, sie außer Atem durch die Gegend springend. Gedanklich verbunden. Nach ihrer Fahrprüfung rief sie an, und wir fuhren quasi gemeinsam. Was haben wir gelacht!
An einem Freitag im Winter besuchte ich sie. Ich setzte mich einfach ins Auto, und fuhr zu ihr. Im CD-Spieler die CD, die ich ihr schenken wollte. Wir verbrachten zwei Abende auf dem Sofa, während es draußen schneite und stürmte und kalt war. Wir wanderten mit dem Hund um den See, redeten und lachten. Und die ganze Zeit über spielte diese CD, angenehme Popmusik, belanglos plätschernd.
Als sie bereits im Bett war, und ich alleine die Ruhe des Hauses am See genoß, kam ihre Mutter nach Hause. Wir unterhielten uns, und wieder lief diese CD. Mit den besten Wünschen und dem Versprechen auf einen Gegenbesuch fuhr ich am Sonntagabend zurück.
Ich hörte weiterhin ab und an diese CD, diese Lieder, die mich sofort zurücktrugen, in die Nacht, an den See, in meterhohe Scheewehen, in die wir uns warfen und eingruben, an den nassen Hund, an das Dösen unter der Decke vor dem Kamin.
Wir verloren uns aus den Augen, schrieben uns seltener, beide beschäftigt mit Studium, Arbeit, Leben. Sobald wir telefonierten, war alles wieder da. Sie erzählte vom Umzug, von der Scheidung ihrer Eltern. Ich bekam Briefe zum Geburtstag, Karten und Bilder. Und ich schrieb.
Gerade wollte ich sie anrufen, um zu fragen, wie hoch das Wasser steht, wie es geht, wie es ging. Eben einfach so.
Mein Grinsen fiel mir aus dem Gesicht, als die Ansage mir mitteilte, daß es diese Nummer nicht mehr gibt.
Und diese CD werfe ich jetzt weg.
Man stelle sich vor, man hätte noch zwölf Tage Zeit bis zur Prüfung.
Desweiteren stelle man sich zweiundsiebzig Übungsaufgaben vor.
Keine Panik.

Nun stelle man fest, daß man bereits bei der ersten Aufgabe den B-Teil nicht lösen kann und auch nie lösen können wird.
Panik.

23.8.05

Eigentlich wollte ich heute ganz dolle viel über Sex schreiben. Aber dann fiel mir dazu nichts ein, also habe ich es gelassen.
Dafür gibts heute abend noch was Anderes, wenn der Feinschliff fertig ist.

22.8.05

Aus dem Rechenzentrum zu schreiben ist ungemütlich. Meine Uhr läuft ab.
Morgen abend bin ich wieder zuhause.
Ob mit oder ohne Thermodynamik-Prüfung, das zeigt sich allerdings frühestens am 17. Oktober.
Frechheit.

Zum Glück bekomme ich kein BAFöG wie eine Bekannte. Sie bekommt jetzt allerdings auch keines mehr. Prüfung jetzt, Ergebnisse nicht vor Oktober. Kein Leistungsnachweis, kein Geld.

Was ein Glück, daß ich arbeiten darf! Das ist mein Ernst.

20.8.05

[singing:] Silage - ohoh, Silage, ohohoho...[/singing]

Mein Kopf schmerzt nach der Todestour der letzten Tage gewaltig.

Donnerstagmorgen, siebendreißig, Telefon.
Samstagmorgen, dreidreißig, Ende.

Mit dabei war ein wenig Millimeterarbeit, als ich den letzten Ballen perfekt mit Beginn des Regens unter Dach und Fach brachte, ein wenig Grobmotorik, als ich die Ballenzange wieder geradeklopfte, ein wenig Elektrik, als ich das Kabel der Steuerung am Wickelgerät mit Tesa und Spucke reparierte, ein wenig Porno, als die überaus ansehnliche Tochter eines Kunden im Bikini aus dem Garten geholt wurde, um mir mitfahrenderweise die Wiesen zu zeigen, ein wenig Theater mit dem Feigling, der früher einmal mein Freund war, und eine stattliche Anzahl unbeantworteter Nachrichten einer gewissen Dame, die ich erst zurückrufen werde, wenn ich Herrn Schulz von Thun vollends gelesen habe.

Jetzt gehts an den Stammtisch zu den Junioren.

17.8.05

Einer gewissen Dame auszuweichen gestaltet sich immer schwieriger. Mir gehen die Ausreden aus.
Durchgespielt haben wir bereits (teils mehrfach):

Keine Zeit, da Arbeit.
(Sehr aufwendig, immer auf den Hof zu rennen, und den Traktor laufen zu lassen für das passende Hintergrundgeräusch. Dann allerdings auch Schutz vor Kurznachrichten, da sich Fahren und Tippen nicht vertragen.)
Magenverstimmung.
(In der Not frißt der Teufel eben Fliegen. Davon kommt zwar nicht die Magenverstimmung, aber das Angebot, mich mal eben gesundzupflegen, was mich in noch tiefere Erklärungsnöte stürzt.)
Trunkenheit.
(War anscheinend kein Hindernis. Da half nur die Flucht in den Suff. Na toll.)
Prüfungsstress.
(Half auch nicht sonderlich. Dem Vorwurf, man tue zuviel, ist schwer zu begegnen, wenn man nur mit der neuen Donna Leon auf dem Sofa faultiert.)
Anruf ablehnen.
(Hilft bedingt weiter, verärgert die Dame aber. Und das, übrigens des Pudels Kern! soll es ja nicht tun. Ich will sie nur nicht sehen, geschweige denn alleine.)

Ideen, anyone?
(Mal abgesehen von der brutalen Ehrlichkeit.)

16.8.05

Durch die kleine Anja dran erinnert, sozusagen auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame:

Ich war mit dem Fünffünfzehner, meiner geliebten Fendtmöhre unterwegs zum Siloballen einstretchen. Die Bäuerin stand mit ihrem Junior, vielleicht vier Jahre alt, am Feldrand. Während die Dame mir erklärte, wohin die Ballen sollten, klammerte sich ihr Filius an ihrem Hosenbein fest und starrte mit offenem Mund auf mein Fahrzeug.

Nach einigen Ballen kam seine Mutter auf mich zu, den Kleinen auf dem Arm, und fragte, ob er denn mitfahren dürfe. Klar, immer rauf damit. Ich mag eigentlich keine Kinder auf dem Fahrzeug, aber was soll man schon sagen, wenn man so direkt gefragt wird. Meine Unlust liegt daran, daß ich nicht ganz so gotteserbärmlich fluchen kann, wenn ich nach links auf ein schon heulbereites Rotznasengesicht schaue, daß ich mich nicht richtig bewegen kann, und daß außerdem vor einigen Jahren ein Kind vom Traktor eines Bekannten gefallen ist und dabei umkam.

Fleißig röhrten wir unseres Weges, und der Kleine saß still und unbeweglich auf dem Beifahrersitz.
Als ich fertig war, kontrollierte ich die Ballen und klappte das Wickelgerät in Transportstellung. Aufsteigen, Front- und Heckscheibe schließen, Allrad aus, Steuerung ausstecken, und Gas.
Bevor ich noch auf den Weg wechseln konnte, sah ich hinter mir jemanden winken. Ich ging vom Gas, vielleicht hatte man ja einen Platten bei mir bemerkt, oder ich einen Ballen vergessen. Ich schaute über die linke Schulter, und sah den Kleinen immer noch da sitzen, sich krampfhaft am Griff festhaltend. Ich konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten, und etwas zu sagen war er immer noch nicht bereit.
Also Gang raus, Handbremse, "Kannst Du alleine absteigen?" Kopfschütteln, stärker Festklammern. Alla gut, runter vom Bock, das Kind geschnappt und auf den Boden gestellt. Die Mutter kam angetrabt, und nahm den Kleinen an der Hand. Ich stieg wieder auf und fuhr schleunigst los. Peinlich berührt wagte ich mich nicht einmal mehr umzudrehen.

15.8.05

Kein Titel

Üblicherweise beschäftige ich mich nicht mit tagesaktuellen Themen, mit Themen von allgemeinem Interesse schon gleich garnicht, und Schlachthausvoyeurismus kotzt mich sowieso an.

Was genau würde ich schreiben, wenn ich einhundertsechzig Zeichen zur Verfügung hätte? Würde ich eine "Ich-danke-Gott-und-meinen-Eltern"-Oscar-Preisrede in Kurzform verfassen, eine letzte Haßtirade an diese lausige Welt, ein letztes Mal ein Foto von mir mit Sauerstoffmaske und Sonnenbrille, Untertitel "Lieber tot und cool als lebendig und uncool", ein Liebesbekenntnis?

Ich weiß es nicht, und ich glaube, daß ich es auch garnicht wissen will. Zweifellos einer der Flüche der modernen Telekommunikation, wenn auch einer der seltenen. Ich möchte weniger darauf herumreiten, wie ebendiese unsere Welt verändert hat, denn darauf, daß es solche kleinen Nebensätze sind, die mich von den Nachrichten und Zeitungen fernhalten. Ich möchte nicht einmal wissen, was ich selbst schreiben würde. Ich möchte derart Privates garnicht erfahren. Ich möchte nicht einmal an diesen wunden Punkt erinnert werden, den ich so gerne überpudere und übertünche.
Diese Geilheit auf Einzelheiten, diese gruslige Detailverliebtheit stößt mich ab. Ich möchte nicht wissen, was Journalisten tun mußten, um an diese Nachrichten zu kommen. Ich möchte nie in diese Situation kommen, und ich wünsche niemandem diese Situation.
Kurznachrichten sind schön und gut für Gedanken, für ein liebes Wort, für eine Geburtstagseinladung. Und wenn alle anderen Wege versagen, würde ich das Risiko eingehen, mißverstanden zu werden, ohne die Möglichkeit zur Klarstellung, mit dem "Wem?" und dem "Was?" in Gedanken, mein Leben auf einhundertsechzig Zeichen zusammenzufassen?

Bekenntnisse eines Maschinenbauers

Ich habe einmal versucht, das Flächenträgheitsmoment Deutschlands um seine Grenze zu Österreich auszurechnen.

Tut mir leid, daß ihr es so erfahren mußtet.

Idiotie zum Feierabend

Momentan sitze ich ja viel zuviel am Schreibtisch. Dabei komme ich ab und an auf dumme Gedanken. Einen der dümmsten möchte ich euch nicht vorenthalten: Training am Schreibtisch.
Wie ihr alle spätestens innerhalb von fünf Minuten wissen werdet, bin ich ständig auf der Suche nach neuen Trainingsmethoden. Man könnte auch sagen, mich sticht einfach nur der Hafer, wenn Wetter und Studium mich das Haus hüten lassen. Aber lassen wir das - meine neue Methode wird sich innerhalb kürzester Zeit durchsetzen, im Deutschen Sportfernsehen werden Werbesendungen nach mir benannt, die ebenso perfekt synchronisiert sein werden wie Hollywoodfilme. Ich sehe die ersten Weltmeisterschaften heraufziehen, entweder mit verschwitzten, hechelnden Athleten, die, ihre Landesfahne umgehängt wie ein Strandtuch, auf die Frage nach der Grundlage ihres Erfolges ein "Texas-Jim´s did it!" herauskeuchen werden, oder gleich mit einer, mehreren oder vielleicht gleich allen ausgetragenen Disziplinen, die auf der Texas-Jimmschen Trainigsmethode basieren werden, verfeinert durch ein Kommittee aus Sportwissenschaftlern, Funktionären, Musikern und überaus hübschen Damen. Und ich werde reich und berühmt und schön.

Oder ich komme in die Klapse.

Nun möchte ich, damit ihr euch endlich davon überzeugen könnt, daß Irrsinn und Genialität nicht nur dicht zusammenliegen, sondern durch mich in Personalunion vereint sind, euch die Texas-Jimmsche Methode erklären, die den George-Foreman-Grill für fettarme Ernährung und den Brotensafter gegen Mohnsamen im Kaffee ganz von der Bildfläche verschwinden lassen werden, und die alle Zahnärzte und Chiropraktiker dieser lausigen Welt zu Tränen rühren und unglaublich reich machen wird.
Nun aber los.
Grundstellung.
Wir setzen uns an einen beliebigen Schreibtisch. Wenn euer Schreibtisch von Ikea ist oder sonst einen zerbrechlichen Eindruck macht, testet ihn vorher, indem ihr euch einfach kurz draufsetzt. So richtig Arsch voraus - aber vorher Bleistifte und andere spitze Gegenstände abräumen.
Genauso. Noch einmal.
Was erkennen wir, wenn der Schreibtisch nicht ächzend unter eurem fetten Arsch zusammengebrochen ist? Genau, Ringbücher tun auch den härtesten Ärschen weh. Also weg damit. Und die wichtigen Papiere für euren Chef habt ihr auch zerknittert, was soviel bedeutet wie, Meier, jetzt fliegen Sie wirklich! Macht nichts, mein Training können Sie auch zuhause am Küchentisch durchführen, wenn Sie gerade keiner sieht. Sonst würde derjenige sicher vor Lachen tot umfallen, und das wollen wir wirklich nicht, oder?
Entweder sind Sie also jetzt dabei, ihren durch ein Ringbuch ramponierten Arsch zu kühlen, Ihrem Chef zu erklären, weshalb Ihr Schreibtisch in Fetzen am Boden liegt oder seine Präsentation, die seit zehn Minuten läuft, total geplättet ist, oder Sie haben das Schwerste schon hinter sich! (Lassen Sie sich beim Kühlen am Waschbecken aber nicht mit heruntergelassenen Hosen bzw. hochgeschobenem Rock erwischen! Das Kühlen in der Toilette verbietet sich übrigens von selbst.)
Lassen Sie nun die Präsentation in Richtung Rundablage P rauschen, ziehen Sie die Hosen wieder an und wundern sich, warum sich die Kollegen über Ihr nasses Hinterteil amüsieren, und fangen Sie endlich an!
Wir brauchen noch einen dieser topmodischen Drehstühle mit Rollen. Genau, so einen, wie Ihr Boss einen hat. Ziehen Sie ihn ihm unter dem Arsch weg, für den Sport muß man Opfer bringen, und außerdem kommt es darauf jetzt auch nicht mehr an.
Schließen Sie die Tür.
Drehen Sie den Schlüssel.
Zweimal.
Sie können alternativ auch Ihren alten Stuhl, den Sie ja nun nicht mehr benötigen, unter die Klinke klemmen. Das müsste Chef und Kollegen eine Zeitlang davon abhalten, Ihr Büro zu stürmen. Sollte Ihr Boss ein wenig cholerisch veranlagt sein, möchte ich anmerken, daß einem Bundeswehrsprengkommando auch der beste Bürostuhl nur solange standhält, bis die Jungs gelernt haben, den Zünder richtig einzustellen und aufhören, sich vor Ihrem Fenster selbst in die Luft zu jagen, um Sie anschließend auszuräuchern, um sich für Ihre Kameraden zu rächen, die bis zum Schluß an Lethal Weapon und die Mär glaubten, daß man Handgranaten erst beim "und" nach der Drei wegwirft.
Sie tragen im Büro hoffentlich Jesuslatschen.
Wenn nicht, heben Sie die Hände, schnappen Sie sich etwas Weißes und treten Sie vor die Tür, um sofort standrechtlich erschossen zu werden. Sie haben es auch nicht anders verdient.

Wenn Sie bis hier gekommen sind, ist der Rest kinderleicht und in wenigen Worten beschrieben: Ein Rädchen ihres Bürostuhl muß nach vorne zeigen.
Klemmen Sie jeweils einen Fuß des Stuhls zwischen Zehen und Latsche ein.
Halten Sie Sich an der Tischkante fest und Stehen Sie auf.
*)
Lassen Sie den Stuhl langsam, sehr langsam nach hinten gleiten.
Ziehen Sie den Stuhl mit den Beinen oder alternativen Körperteilen, die dem Zwecke dienlich sein können, wieder unter sich.
Wiederholen Sie das Ganze zehnmal.

Sollten Sie diese Übung perfekt beherrschen, können Sie noch ein paar Liegestütze einfügen, hundert je Wiederholung dürften für den Anfang genügen.
Falls Sie nicht soweit zählen können, drucken Sie in Ihrer Tabellenkalkulation die Zahlen von eins bis einhundert auf je ein Blatt Papier und saugen bei jeder Liegestütze eines mit dem Mund an und legen es zur Seite. Das verbessert einerseits Ihre Atemtechnik und freut andererseits ihren bevorzugten Sexualpartner beim nächsten Oralverkehr. Sollte Ihre Tabellenkalkulation nicht korrekt bis hundert zählen können, werfen Sie Excel weg.


Noch ein paar Anmerkungen:
1) Wenn Sie Akten oder sonstige Gegenstände hinter Ihren Stuhl stellen, damit er nicht wegrutscht, sind Sie ein Weichei und schämen Sich gefälligst!
2) Zu Anfang der Trainingsphase ist darauf zu achten, daß die Arme in der Grundstellung senkrecht stehen, und auch so bleiben. Sonst werden Sie sich wundern, welch große Stücke Sie aus Ihrem scheinbar massiven Schreibtisch herausbeißen können, wenn Sie mit der Fresse auf die Kante krachen. Außerdem schmeckt Kieferfurnier bescheiden. Fortgeschrittene können sich gerne ein wenig nach hinten lehnen, das überlebt dann auch keiner mehr.
3) Ja, ich habe das wirklich probiert.
__
*) Ja, ich wurde vom Deutschen Zahnärzteverband und der Tischlerlobby dafür bezahlt, die zweite Anmerkung nicht an die Stelle des Sternchens, sondern an den Schluß zu setzen, weil kein Mensch Trainingsanleitungen bis zum Schluß durchliest.

Die Insel - das Buch

Keine Panik, niemand möchte Frau Gröner Konkurrenz machen.
Mir geht es um ein Jugendbuch, das ich vor Jahren einmal verschlungen habe. Die Handlung ähnelt der von "Die Insel".
Im Buch gibt es eine Art Krankheit, der "Brand", der die Organe befällt, die dann als Ersatzteile entnommen werden. Bevor ich mich stöbernderweise über meine Kinderbücherkisten hermache: Kennt jemand das Buch?
Es geht im weitesten Sinn um einen Jungen, der vor dem "Brand" flieht und sein "Original" kennenlernt. Dann war da noch etwas mit verpflanzten Augen und einer Rücktransplantation, bei der nur noch verschwommene Schemen übrigbleiben...

Reichlich verschwommen, ich weiß. Aber es dürfte gut und gerne zehn Jahre her sein, daß ich das Buch gelesen habe.
Und den Film: Den habe ich noch garnicht gesehen.

Wort des Tages


Bähmull.






Ein wenig Lokalkolorit dank meiner Heimatbrauerei.
(So viel übrigens zum Thema "Schöntrinken" mal anders.)

Ancient times

Wie in alten Zeiten... in ganz alten.
Trotz des Trubels war der Freitagabend klasse.

An dem Fest, das im letzten Jahr noch Cocktailabend hieß, fing alles an. So weit sind wir heute.

Politische Farbenlehre

Ein Zeh gegen einen Türrahmen - das kann ja nur Ärger geben. So auch am Sonntagmorgen, als ich noch etwas desorientiert, und trotzdem überaus lebensfroh mit einem schwäbischen Äquivalent für "Fiderallalla", dem "Kreizkrabbasack, schon so spät!", aus den Bett sprang oder fiel oder so ähnlich.
Jedenfalls war der Samstagabend lang gewesen, anstrengend zudem, weil sich ein ehemals bester Freund als mieser Feigling entpuppt hatte, und ich durch die ganze Verwirrung überaus aggressiv geworden war, und nur mit der Hilfe von A. einer schmerzhaften Begegnung mit dem blondierten Lederkombiträger entging.

Ich hatte es lange einfach nicht geglaubt, hatte es ignoriert, wenn beim Sonntagsfußball nur nach meinen Knochen getreten wurde, hatte gelacht über das, was mir von dritter Seite zugetragen wurde. Bis mich eines Nachts mein Chef anrief, was denn los sei mit mir und B.
Ich wußte es nicht. Ich hätte es sehen sollen. Im Winter war ich einmal nicht mitgegangen zum Holzmachen, aus dämlichem Grund. Darauf hieß es schon, den brauchen wir nicht, mal sehen, wer wen zuerst wieder braucht. Ich organisierte die Karten für den Fasching, und da hätte ich es wieder bemerken sollen. Es haben sich alle bedankt und alle bezahlt - bis auf einen. Ich schob es auf den Alkohol, beiderseits.
Dann die langsame Ausgrenzung, keine Anrufe mehr am Samstagabend oder Sonntag, auch einmal nicht erreichbar oder abgelehnt. Ich trug es mit Humor, hatte mich ja auch eine Weile nicht gemeldet, war beschäftigt mit Arbeit und einer Rothaarigen.

In dieser Nacht allerdings dachte ich noch nach. Ich kam zu keinem Schluß, konnte mir nicht vorstellen, was ihn so auf die Palme hätte bringen können. Deshalb fragte ich ihn, ich stieg ab und fragte: "Sag mal, hast Du Händel mit mir?" - "Nein, wieso sollte ich?" - "Ich dachte nur." Für mich war der Fall schon wieder erledigt, Missverständnis, geklärt, Feierabend. Es tat mir sogar leid, gefragt zu haben.

Tags darauf arbeitete ich hinter C. Als ich kurz mit ihm redete, fragte auch er, was denn sei zwischen mir und B. Ich war baß erstaunt; nichts, sagte ich, das habe ich doch schon geklärt mit ihm. Und ich erzählte von unserem kurzen nächtlichen Wortwechsel. "Aha, so ist das also." und C. meinte weiter, B. hätte ihm erzählt von dem Gespräch. Nur der Ausgang sei anders gewesen. "Sag mal, haben wir ein Problem?" - "Ja." Es folgten noch eine Menge Anschuldigungen, aufgrund derer ich den Schwanz eingezogen hätte, einen Anschiß erster Klasse hätte ich bekommen, ganz klein mit Hut sei ich gewesen.

Ich komme mit vielen Dingen klar. Aber nicht mit Feiglingen. Ich hätte Dich nie für einen solchen gehalten. Aber jetzt wird mir vieles klar. Die Fragen von Dritten, was ich denn wieder verbockt hätte, an Tagen, an denen ich überhaupt nicht da war.
Und ich kontrolliere meine Wut immer noch. Ich weiß, daß, wenn ich sie gewähren lasse, es kein Halten mehr geben wird. Ich sehe sein Grinsen in anderem Licht, seine intrigante Lügerei, sein zweites Gesicht. Ich hasse es, wenn ich daran denke, daß ich mir für diesen Menschen die Hände blutig gearbeitet habe, daß ich weitergemacht habe, als mir das Blut schon zu den Ellenbogen hinabtropfte, daß ich Dich in das Auto von S. gesetzt habe, da Du versaut hast, daß ich Dich mitgenommen habe, als Du mein Auto versaut hast, daß ich jetzt auf meine Sachen aufpassen muß, weil Du Dich gerne gegen Dinge richtest, wenn Du mit Menschen nicht klarkommst, daß ich keine Fehler machen darf, weil Du sie mir nachtragen wirst, zur Not erfindest Du sie auch.

Und vor allem hasse ich, daß ich den Grund nicht kenne.

Im ersten Aufwallen des Zorns habe ich gekündigt - keine Minute mehr will ich mit einem Feigling zusammenarbeiten. C. soll meine Rechnung im Bauwagen zusammenzählen, keinen Fuß setze ich da mehr hinein. Scheiße ins Telefon brüllen, mit der Faust auf die Folienrollen einschlagen, nachts auf Teufel komm raus Streit mit blondierten Lederkombiträgern anfangen, den ich nur hätte verlieren können - nur Deinetwegen. Mein Chef hat mich zurückgehalten, hat nicht akzeptiert, hat vom Beitrag jedes einzelnen geredet und von seinen Plänen für den Winter. Immer wieder habe ich gesagt, was ich mir zurechtgelegt hatte, weil mir, wenn ich vor Zorn keine Luft mehr bekomme, auch nichts Sinnvolles mehr einfällt. Ich sagte, daß ich nur zu meiner Freude arbeite, daß keine Freude mehr da ist, daß ich die Sonderbehandlung, Teams zu bilden, nicht will, daß er eben einen der "Freunde" von B. einstellen soll.

Als meinen Dicken habe ich Dich geliebt, hätte mich für Dich zerreißen lassen, jetzt als Schmaler bist Du nichts mehr. Ich weiß noch nicht einmal, wie ich reagieren soll, wenn ich Dich treffe, ich müßte mich beim ersten Wort mit Zähnen und Klauen auf Dich stürzen.
Herrgott! ich habe Dich bei unseren Rangeleien losgelassen, damit Du Dein Gesicht nicht verlierst, vor den anderen, vor allem der Dame, habe mich gutmütig verlachen lassen, Du meintest es ja nicht so. Jetzt wünsche ich, ich hätte einmal, nur einmal den Schwitzkasten gehalten oder den Doppelnelson, der mir zuvor noch nie gelungen war, ich hätte Dein Gesicht den Boden schrubben lassen, hinaus auf den Boden, Türe zu und gut.

Dann hättest Du wenigstens einen Grund gehabt.

Daß Du seit einiger Zeit auf Damenjagd gehst, hat mich nicht gestört, unsere Geschmäcker waren da verschieden genug, und ich bequem genug, mich zurückzuziehen. Freundschaft für eine Frau eintauschen? Niemals! Ich trat zurück und wartete, bis morgens kurz vor sechs, als ich in den Stall mußte, und es keinen interessiert hat.

Ich weiß auch nicht, ob ich es drauf anlegen soll. Konfrontation, Aggressionen rauslassen, die Faust in das Gesicht, das ich nicht mehr sehen kann, letzter Meinungsaustausch.

Dann hättest Du wenigstens einen Grund.

Ich erinnere mich erneut, wie wir hier und dort waren, das Team, unzertrennlich, manchmal mit dem Rücken zueinander noch die Zähne gefletscht, als alles verloren schien. Im Wald, immer mit Gas, Vollgas, taube Hände, Dampf aus den Kleidern, ich drei Wecken zum Vesper, Du nur einen. Feierabendbier, Schulterklopfen, ich ruf Dich morgen an.

Du hast Doch keinen Grund.

(Mein Zeh, der eine Socke rot gefärbt hat, als er in Hektik und Zorn gegen einen Türrahmen donnerte, wird langsam schwarz. Ich habe den Nagel gespalten.
Vielleicht wird mein rotglühender Zorn irgendwann schwarze Asche, damit ich Dich wenigstens vergessen kann.)

14.8.05

Reizend


Übertrieben. Vielleicht.
Sinnlos. Vielleicht.

Aber schön.
Kleiner Nachtrag zu den Dingen, die ich nicht mehr tun werde, angeregt durch einen Anruf gerade eben:

Ich werde nicht mehr, wenn blondierte Lederkombiträger schon dampfend auf mich zutrampeln, "Stunde des Siegers!" gröhlen. Obwohl ich es mit etwas Abstand für eine ganz witzige Idee halte.
Nachdem ich in der letzten Woche den Ferien-Fahr-Feier-Vollrausch ausgiebig genossen habe, darf jetzt wieder ein wenig Ruhe einkehren.
Ich halte mich von dem früheren Freund, der jetzt nur noch ein jämmerlicher Feigling ist, einfach fern.
Ich antworte auf Nachrichten einer bestimmten Person nicht mehr, auch wenn mich "ich mag Dich", "träum süß" und "bist ein Schatz" nächtelang wärmen, weil ich sie so selten lese.
Ich denke nicht mehr darüber nach, daß meine Kündigung unter Gewaltandrohung abgelehnt wurde. Und daß ich eigenartig gerührt bin.
Ich mache mich nicht mehr lustig über blondierte Lederkombiträger, die frisch gebügelt und gewaschen von ihrer wilden Zeit bei Motorradgangs erzählen und dabei nur den armseligen "Darf-ich-ficken?-Beachtet-mich-jemand?" Eindruck des Zukurzgekommenen erwecken, auch wenn F. und ich noch so herrlich darüber lachen konnten.
Ich werde mich bei A. bedanken, der mir bis zum Auto Geleitschutz gab, als der blondierte Lederkombiträger mir nachstellte und nebenbei grummelte, er hätte schon hundertzwanzig-Kilo-Männer niedergerungen.
Ich werde auch nicht mehr darauf antworten, daß er sich dann mit Siebenundsechzig-Kilo-Wichten wie mir garnicht abgeben müsse, und ich werde nicht witzeln, daß er vielleicht Angst um seine blitzblanke Ausgeh-Designer-Lederkombi hätte, um die Stiefelchen mit den Wildlederinnenseiten und seine tolle Streichholzfrisur.
Ich werde versuchen, nicht mehr meinen kleinen Zeh am Türrahmen hängen zu lassen. Herrjeh, schon wieder der linke Fuß. Dabei bin ich doch total unpolitisch.
Ich werde nicht meine Hoffnungen verschwenden, nur weil ich einem Mädchen in Reiterhosen und Stiefeln helfen durfte und ihr Bruder sagt, sie würde mich gerne wiedersehen.
Ich werde beim Tauziehen das Tau nicht mehr um meinen Arm schlingen.
Ich werde den Satz: "Euch muß man wohl auf dem Bock erschießen, und dann eure Hände vom Lenkrad sägen, um euch herunterzubekommen." grinsend im Gedächtnis behalten.
Ich werde nicht mehr so euphorisch auf den Anruf von S. reagieren, daß ich glatt verspreche, abends mit ihr auszugehen, um beim folgenden Schweigen zu wissen, daß ich lüge.
Ich werde mich bei der Lügerei aber auch nicht mehr auf einem anderen Fest erwischen lassen.
Ich versuche, das Ziehen in meinem Bauch zu kontrollieren, das mir die Luft abschnürt, wenn ich daran denke, welche Planungen der Chef für den Winter hat.

Und ich schnappe mir das Stöckchen, das mir das KleineF vorenthält. Ha!

1. Ein kurzes Brainstorming: Was sind die ersten Gedanken, die dir zum Thema “Sommer” durch den Kopf schiessen?
Ich hasse Brainstorming! Sommer war dieses Jahr an einem Donnerstag. Sommer ist Silage. Sommer ist Freibad. Sommer ist Geburtstage im Garten feiern.
2. Wenn du dich an den Kiosk in dem von dir üblicherweise besuchten Freibad zurückerinnerst, was fällt dir als Erstes ein?
Negerkußwecken (Brötchen mit zerquetschtem Mohrenkopf), Steinfliesen in der prallen Sonne, von einem Fuß auf den anderen tänzelnde Kinder, die ersten vom Mund abgesparten Markstücke in der Badehoseninnentasche.
3. Wohin bist du in den Sommerferien gerne/häufig mit deinen Eltern in den Urlaub gefahren?
Italien. Immer dasselbe Häuschen. Stadtplan im Kopf. Das Nachbarmädchen, das mir Latein beibrachte und bei dem ich lernte, wo Sommersprossen wachsen. Surfen bei Giorgio, der im nächsten Sommer nicht mehr da war, als ich den Strand stürmte, die erste Begegnung mit Krebs. Eisessen in der Venezia mit der großen Volière, die Tante Verkäuferin, die uns Teutonen liebte. Flipper in der Spielhalle, auf einer eigens dafür bereitgestellten Sprudelkiste balancierend. Piniennadeln sammeln - wozu auch immer. Das Haus mit der ersten elektrischen Bastelei beinahe abbrennen. Nachts die Wagen der Stadtreinigung hören, die Pestizide in die Hecken pusteten. Transformers vom Taschengeld.
4. Wo fährst du heute gerne in den Sommerurlaub? Und warum?
Garnicht. Ich mag es hier. Alle Menschen rennen von A nach B und zurück, um zu sehen, wo es schöner ist. Es scheint also einen schönsten Ort zu geben. Was für ein Glück, schon hier zu sein!
5. Du hast einen freien Tag. Mitten im Sommer. Gestalte ihn, wie du möchtest. Alles ist möglich und nichts verboten. Benutze deine Phantasie und erzähle, wie dein idealer Sommertag aussehen würde.
Mit dem Fünffünfzehner ins Mineralfreibad auf die Hasenwiese. H. wieder eincremen. Neues über Bikiniverschlüsse lernen. S. im Baywatch-Badeanzug. Radler mit M. Mit dem Fünffünfzehner zurück und los. In abgeschnittenen Bundeswehrhosen ins spanische Mittelmeer rennen, C. naßspritzen, weil Weißes transparent wird. SanMiguel mit H. und D. in Pyramidenform. Der K.sche Ballonzehen. Gelächter. Zu J. in den Pool springen, unvorbereitet, ersäuft werden.

9.8.05

Anruf Freund B. Auf in den Kampf!
Zusammenreißen, Luftholen. S. treffen. Gute Vorsätze.

Ein Festmeter Holz anstelle einer Rose. Typisch für mich, aber trotzdem nicht meine Idee. Hihi.
Mit Freund B. noch nach Heubach gedüst gestern abend. Vorwand: ein platter Reifen. Hintergrund: rothaarige Besitzerin. Vorgeschichte.

Man saß und stand um das Lagerfeuer, erzählte, lachte. Als man sich ein wenig beschnuppert hatte, waren die Sympathien klar. C. packte die Klampfe aus und untermalte weltbewegende Diskussionen mit ein paar Akkorden. S. saß bei ihm, redete wenig, versuchte die beiden Jungs, die ich nicht weiter erwähnen will, in ein Gespräch zu ziehen. Zu tumb die beiden, zu eindimensional ihre Welt. Eine Verbalattacke gegen mich, als ich nur sagte, Gras lieber zu mähen denn zu rauchen, der "Spießer" fiel, ich könne nichts verbieten, was ich nicht versucht hätte, Rhabarber, Rhabarber. Ich ließ die beiden reden, zu sagen hatten sie mir nichts. Unaggressiv, wie ich gestern war, ignorierte ich sie nicht einmal. Anderntags hätte ich sie vielleicht im Bassin ersäuft. Egal.
Ich palaverte mit A., dem ehemaligen Zeitsoldaten, Pädagogen und Experte im Umgang mit Pilzen und Kraut. Seine Haltung erinnerte mich ein wenig an Hans Söllner, sie gefiel mir, weil er eben nur seine Erfahrungen berichtete, keine Vorschriften machte, akzeptierte. Außerdem kamen wir über Entropiedifferenzen, Garagentore, Kippmomente, Führerscheine und seinen Schäferhund zu uns. Er erzählte Persönliches, und ich begann, ein wenig von mir zu erzählen. Für ihn, und etwas lauter, für S.
Sie saß neben uns, hörte zu. Über Stunden hinweg kein Einwurf, keine Bemerkung. Stiller CD-Wechsel, laut nur die Musik und die Tumben gegenüber, die immer noch glaubten, wir redeten mit ihnen.
Ich erzählte davon, wie ich sechzehn wurde, wie ich wurde, was ich bin. Ich erzählte von dem Mord, den ich noch begehen werde, er erzählte von Lebenswendungen, die eine Paßstraße als Autobahn erscheinen lassen. Wir sahen uns an, als B. noch ein Bier brachte, der studierte Pädagoge, etwas durchgeknallt und exzentrisch, gutgelaunt und voller Geschichten, und der Junge in den Arbeitsschuhen, randvoll mit Geschichten, die wie Rahm in einem Milchkrug nach oben stiegen und zum Erzählen abgeschöpft wurden, als sie reif waren. Wir sahen uns an und merkten, daß wir beide für S. erzählten. Trotzdem wertete es uns nicht ab. Im Gegenteil, die gegenseitigen Motive wurden anerkannt und unterstützt. Moses bellte.
Gegen vier plagte mich ein Nerv im Bein immer mehr, stehen war so unbequem wie sitzen, also fuhr ich B. nach Hause und trat die Heimreise an.

Ich hatte keine Ahnung davon, daß ich überhaupt nicht mehr mit ihr reden kann. Keine Ahnung davon, daß ich nach ihrer Begrüßung nicht einmal den Smalltalk überstehen würde. Ich wußte nichts zu sagen, als sie fragte, warum ich auf ihre Nachricht nicht geantwortet hatte, war sprachlos, als sie erklärte, ich hätte sicher schon wieder Tagelang nichts gegessen, und blieb stumm, als sie mich noch weiter provozierte und fragte, wie lange ich denn nun schon wieder durchgefahren sei.
Und als ich mich niederkämpfte und nach dem Konzert in Wacken fragte, ließ ich mich ablenken, und sie brach ab. Kommunikation ist doch was Wunderbares.

6.8.05

Emma D., die Zweite

Dank M.One endlich online:
Emma D. mit "Wie im Kino".

Fängt leise an und mit Piano, das Stück. Sehr selten bei Emma D.
Der Gesang ist charakteristisch, emotional, wahrhaftig. Eine gewachsene Band eben.
Und der Text erst - genau das richtige Bild, wenn ich wieder wortlos vor einer Situation stehe, die nur ich sehe, vor einer Schlechtigkeit, die niemand sonst erkennt, und die ich dringend jemandem ins Gesicht schreien müßte, oder einem Sonnenuntergang, den ich alleine sehen muß. Eben wie im Kino, in Dick & Doof, und niemand lacht mit mir.

Nicht so professionell weichgespült und glattgebügelt wie heute eine Band produziert wird, sondern einfach Freude am Spielen, Emotionen in fünf Minuten hineingepresst. Unkompliziert, nachvollziehbar.
Die Band gibt es leider nicht mehr. Die Band gab es schon nicht mehr, als ich begann, auszugehen. Damals, als es hier auf dem Land noch die Tourdisco gab, als Konzerte nicht nur mit Coverbands funktionierten, sondern ein Verein auch mal einer lokalen Band eine Chance geben konnte, als die Leute noch Geld für solche Veranstaltungen ausgaben.
Habe ich erwähnt, daß Pur schon in unserer kleinen Dorfhalle gespielt haben? Und ein andermal eben eine Band aus JiL-Mitgliedern, die eben ein "Hefe muß nei!" hingerotzt und hergepunkt haben?
Wenn ich heute ausgehe, sehe ich in jeder Band eine Sängerin, die manchmal nur da vorne steht, damit auch alle was zu schauen haben. Ich kann die Abfolge der Songs voraussagen, weil nicht einmal die Setlist geändert wird. Bands mit Eigenkompositionen lohnen sich für die Veranstalter nicht mehr, weil niemand mehr Eintritt für eine unbekannte Band bezahlen will.

Früher war eben alles besser. Wie im Kino.

Nachwehen, Teil drei oder: Geschenkä!

Flüssige Geschenke wurden soweit als möglich direkt vernichtet.
Der Rest wandert so langsam von der Küche nach oben.

Eine CD von den Klostertalern? Yeah, baby!

Nachwehen, Teil zwei oder: Verbrauch und Irrtum

Es ist nur eine leere Flasche Fanta im Kasten. Waren die U-Boote doch eher Atom-U-Boote.
Dachte ich mir schon.

Es fehlt, bis auf die abgestürzten, genau eine Flasche Bier in einer der Kisten. Im letzten Jahr standen welche in der Gästetoilette. In der prallen Sonne war der einzige Vorteil, als ich noch etwas angeschlagen die Tür öffnete, daß die Toilette direkt vor mir war. Mal sehen, wo die vermisste Flasche in diesem Jahr auftaucht.

Alles Reinigen und Fuchteln auf der Terrasse hat nichts genutzt. Regen und Kälte. Zum ersten Mal komplett innnen gefeiert. Sommer nennt sich das?

Nur ein Pullover und eine Jacke übrig. Vergleichsweise wenig.

Meine tollen, alten Steinkrüge wurden wenig genutzt. Schade, ich trinke gerne daraus. Letztes Jahr hatte ich nach ein paar Minuten keine mehr da.

Verhältnis Pils:Halbe:Weizenbier etwa 3:1:0.
Nächstes Jahr gibts kein Weizen mehr.

Ich liebe schwarze Unterwäsche, wenn sie durch weiße Hosen schimmert. Alle anderen lieben sie auch. Ich liebe schwarze Unterwäsche übrigens auch ohne weiße Hosen.

Der Blick des Zimmerers, als das Glas in seiner Hand einfach den Geist aufgab, war köstlich.

Der erste Gast heute kam kurz nach zehn. Ich mache im Schlafanzug keine besonders gute Figur.

Der Rama blieb unangetastet - F. und N. kommen wohl erst heute abend.

Rote Fensterrahmen, rote Rolläden, ein roter Kalender und ein rotes Hemd bringen meine Gäste zum Lachen. Ich errötete auch ein wenig, und wir dachten an die Dame, die rot zu meiner Farbe gemacht hat.

Mein Telefon auf dem Tisch liegenzulassen war kein besonders kluger Einfall. Es hat heute morgen noch fröhlich vor sich hingeblinkt. Natürlich auch in rot.

Nachwehen, Teil eins oder: "Is´ mir schlecht..."

Yeah, baby! Dreiundzwanzig.

Und es hat nur ein kleines bißchen wehgetan, als das erste Bier über meine Lautsprecher sabberte.
Und nur ein ganz kleines bißchen mehr, als das Kirschwasser die Runde machte. Ich mag schließlich keinen Schnaps, und erst recht keinen, der dick wie Hydrauliköl, giftig wie Schierling und dabei so gut ist, daß ihn nach dem ersten Hustenanfall jeder lobt.
Der Jägermeister tat schon so gut wie garnicht mehr weh.
Und die Einladung zum Streichen tut auch nicht weh.

Es war wie so oft: Die erwarteten Gäste blieben zum Teil aus, die unerwarteten waren die Besten. Die Kurznachrichten waren gegen Mitternacht schon recht verworren, die Steine am Fenster wären beinahe überhört worden, die Schranktür war wie immer im Blickpunkt des Interesses.
Es war wie so oft, schön.

Und mir ist immer noch schlecht. Könnte daran liegen, daß das Gastgebergläschen doppelt so groß war wie die anderen.

5.8.05

52nd state of America!

Hier!

(Besten Dank an kleinesF für den Hinweis.)

Und vielleicht ab und an hier.

Geburtstagsvorbereitungen, Teil zwei

Getränke einkaufen.
Playlist erstellen.
Zeitvergleich anstellen, Kopfschütteln.

3.8.05

Das Klingeln nach der großen Pause...

Auf der Seite des Abijahrgangs nach meinem versteckt sich ein Bild meiner Klasse.
Seltsam.

Sehr seltsam.

Mir fällt auf: Einige, die damals noch mit auf dem Foto, und ergo mit mir in der Klasse waren, haben das Abi ein Jahr später gemacht.
Aha.

Trotzdem mag ich das Foto irgendwie. Und genauso irgendwie bin ich stolz, noch fast alle Namen der Fotografierten zu kennen. Und das trotz eines Kommentars in der Abizeitung, der mir bescheinigte, die letzten Mitschüler erst in der Abschlußklasse kennengelernt zu haben.

Irgendwie (ist irgendwie ein ganz tolles Füllwort) bin ich versucht, den tollen Bericht über mich abzutippen. Auch, oder gerade weil er nicht aus meiner Feder ist.


Texas-Jims Lieblingslehrer war in der Oberstufe von Anfang an Herr
Leibold, und deshalb verzückte er diesen oftmals durch seine immer kurz und
präzise gehaltenen Religionsklausuren. Ein kleiner Ausschnitt aus seinen
Meisterwerken: "Wenn Gott Logik wäre, könnten Eichhörnchen Auto fahren" und
"vielen Dank an die Kirche für zweitausend Jahre Verarschung".

Auch im Unterricht bereitete es Texas-Jim immer eine große Freude, seinen
Religionslehrer zu provozieren, was diesem aber meist nur ein müdes Lächeln
entlockte. Ansonsten war Texas-Jim aber immer bereit, mit seinen Lehrern
langwierige und tiefgehende Diskussionen zu führen, die der Rest der Klasse mit
Spannung verfolgte. Auch Frau Lendvai brachte er öfters mal zur Verzweiflung,
wenn er versuchte, die Biologie nach seinem eigenen Kopf zu erklären, so daß
diese das Gespräch mit den Worten "Texas-Jimmchen, Du bist ein alter
Klugscheißer" kurzerhand beendete und unseren Texas-Jim hinauswarf.

Auf seine Diskussionslust hoffte Herr Sorg während der Köln-Bonn-Fahrt jedoch
vergebens, als es darum ging, im Umweltministerium mit den Politikern zu
debattieren, denn dort zog er es vor, in der ersten Reihe ein Nickerchen zu
halten. Auch während des Unterrichts mußte er des Öfteren eine Ruhepause
einlegen, da unser Hobbylandwirt morgens seinen bäuerlichen Pflichten nachkam.
Deshalb geriet er nach dem Kühemelken manchmal in großen Stress, mußte er doch
pünktlich zum Unterricht erscheinen.

So ist es wohl auch zu erklären, daß er eines Morgens mit dem Micro-Rober
(=das einsprachige Französischwörterbuch) zur Englisch-Klausur erschien. Daß er
zu allem fähig ist, hat er in Deutsch gezeigt, da er einer der wenigen ist, die
es geschafft haben, bei Herrn Rössler 15 Punkte zu bekommen. Das liegt sicher
auch daran, daß er Wörter in seinem Wortschatz hat, die nicht einmal der
Deutsche Duden bzw. das Fremdwörterlexikon kennt.

Da er Bewohner des wunderschönen Gärtnerdorfs ist, benennen ihn manche Leute
auch nach einem bestimmten Gartengerät, dessen Name hier nicht genannt werden
darf, da unser Texas-Jim dieses wohlklingende Wort nicht allzugern hört. Nur so
viel: Es dient zur Verteilung von Wasser und ist der Vorgänger des heute
handelsüblichen Gartenschlauchs. Mit Gartenarbeit hat er allerdings wenig am
Hut, lieber geht er in die JiL, zur Feuerwehr, sitzt vor seinem Computer, hört
Musik (meistens die "Songs", die er im Englischunterricht bei Herrn Zeckel
singen mußte) oder fährt mit seinem Traktor auf irgendwelchen Feldern herum.
Dabei ist es auch schon vorgekommen, daß er mit seinem landwirtschaftlichen
Nutzgerät zur Schule gekommen ist und so den kompletten damaligen Parkplatz des
Pavillons blockierte. Auch Herr Sorg weiß, daß Texas-Jim zu seinen "Kollegen"
gehört, und so kam es, daß er ihn eines Tages mit den Worten "Texas-Jimmchen,
wir sind hier nicht beim Deutschen Bauernverband!" aus dem Klassenzimmer
schickte.

Auch die Studienfahrten mit Texas-Jim waren immer ein Hochgenuß, da er
prinzipiell mit der kleinsten Tasche kam und er sich immer einen Spaß daraus
machte, die Lehrer zu ärgern. In Köln versuchte er vergeblich, unseren Herrn
Sorg unter den Tisch zu saufen, was ihm nur unnötige Kopfschmerzen bereitete,
und ihm das Aufstehen am nächsten Tag sehr erschwerte, aber immerhin können nur
wenige von sich behaupten, daß sie schon von Herrn Rössler persönlich geweckt
worden sind, als dieser auf der Suche nach unserem Texas-Jim am Zimmer einer
Gruppe Hamburger Mädchen vorbeikam, wo er es sich gemütlich gemacht hatte. In
Spanien ließ er sich dann von Herrn Rössler nicht mehr als Schlafmütze
bezeichnen und rannte im wahrsten Sinne des Wortes auf den Gipfel des
Montserrat. Seine Liebe zu Tieren stellte er dann im Vergnügungspark unter
Beweis, als er unter Einsatz seines Lebens die von D. und H. gewonnenen
Kuscheltiere bewachte, während die Besitzer sich in "langweiligen" Achterbahnen
vergnügten.

Auch in der Abihütte kümmerte er sich liebevoll um den Stoff-Igel seiner
Bettnachbarin B.

Nach der Schule bleibt er ebenfalls den Tieren und den Traktoren treu, da er
erst mal seinen Zivildienst als Betriebshelfer ableistet. Im Anschluß daran
möchte er Fahrzeugtechnik studieren, um dann mit 30 Jahren seinen eigenen
Porsche zu fahren. Für die Verwirklichung dieses Ziels wünschen wir ihm viel
Glück!


Hm. Sagt wohl wieder einmal alles. Oder nichts.
Und doch passt alles irgendwie. Gefühle auf Sparflamme, Emotionen unterm Deckel. Kein Überkochen. Schadet dem Essen.
Irgendwie ist da auch ein wenig Stolz, einen der längsten Artikel gewidmet bekommen zu haben, der Stolz, daß meine Freunde sich erinnert haben, daß ich Spuren hinterlassen habe.
Ich hoffe, sie kommen am Freitagabend. Denn früher haben wir jedes Jahr am letzten Schultag bei mir gefeiert. Einfach so. Ein paar Freunde, ein paar Kisten Bier, ein Fest. Mit Wein, Weib und Gesang, und trotzdem schön.
Nicht zurückversetzen, sondern erneuern. Das ist Tradition.

Geburtstagsvorbereitungen, Teil eins

Die Terrasse mit dem Dampfstrahler behandeln. Sobald es aufhört zu regnen. Widersinnig.

2.8.05

Mein Blog, Dein Blog

Hatte gerade einen ganz tollen Einfall. Irgendjemand hätte mir einen Artikel zukommen lassen, ich hätte ihn veröffentlicht, und wer das Kuckucksei als erster entdeckte, hätte gewonnen.

Leider gab es das letztes Jahr schon einmal woanders.

[Bitte Flüche einsetzen]

Semesterbeitrag vergessen! Fällig am 22. Juli.
Hups.
Einige der Bilder dürften bereits bekannt sein. Aber ich würde gerne etwas dazu sagen.


Eine politische Aussage.
Zumindest hierzulande.
Und zudem Grund für schlaflose Nächte.












Das erste Mal, daß ich ein Weihnachtsgeschenk nicht gesucht, sondern einfach gefunden habe. Das erste Mal, daß ich einfach geschenkt habe, und Weihnachten nur so dazukam.
Zum ersten Mal ein Anruf an Heiligabend, Geschenkepräsentation bei ihr zuhause, eine Flasche Rama auf dem Sofa.
Herrgott, wie muß ich diese Frau geliebt haben!


(Glasfräserei ist Drecksarbeit!)




Tag und Nacht.
Denn es gibt nur ein Gas - Vollgas.












Besser schreiben

Dank eines lange zurückliegenden technischen Defekts, der in irgendeiner Weise mit einem Gewitter, einer Steckdose, einem Blitz und einer Kaffeemaschine zu tun hatte (Kaffeemaschinen haben grundsätzlich mit allem zu tun - leider muß, wer diese Erkenntnis erlangt und verbreitet, damit rechnen, den Rest seines Lebens in einer Tchibo-Mühle eingesperrt auf irgendwelche winzige Knöpfe drücken zu müssen, ohne jemals wieder an eine Tasse Kaffee heranzukommen) muß ich im Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen, ganz in die Ecke gekauert und die Beine zur Wand ausgestreckt, um mich im Internet zu tummeln.
Hat allerdings auch damit zu tun, daß ich sogar zu faul bin, mir ein längeres Kabel zu crimpen, um mich ein wenig von der Dose entfernen zu können. Geschweige denn damit, daß ich ja einfach eine Funkstation kaufen könnte.

Allgemein halte ich mich in den letzten Jahren im PC-Bereich sehr zurück, das Notwendigste wird besorgt, Unnützes bleibt im Laden. Mein Ärger darüber, daß gerade die Dinge, die ich gekauft hatte, am nächsten Tag oder schon nach dem Auspacken (nur montags - Montage sind schlecht zu mir) nicht mehr herstellerseitig unterstützt werden, die Garantie keine solche ist, die Geräte heute nur noch die Hälfte kosten und sowieso vom Nachfolger, der alles viel besser und schneller kann, ersetzt werden, sorgt dafür. Ich kann mich an den tollen Teilen eben nicht so recht freuen, wenn sie meine Bedürfnisse, die ich im Zweifelsfall auch noch garnicht exakt definiert habe, nicht recht erfüllen. So stehe ich meist in irgendwelchen Fachmärkten, bin dank ´ct und Internetforen überinformiert und lasse mich von Verkäufern belabern, die keine Ahnung davon haben, daß ein Schreibtisch eben so heißt, weil er zum Schreiben geeignet ist. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ein ordentlicher Stuhl dazugehört, zum Sitzen und so. Es ist nichts Tolles daran, auf einem Sofa zu schreiben. Einen Laptop auf den Schenkeln zu balancieren macht nicht halb soviel Spaß, wie das WLAN suggeriert, sich mal eben nach den Keksen strecken ist dank der Absturzgefahr nicht, und Krümel in Laptoptastaturen sind auch nicht das Wahre. Außerdem muß ich (Vorsich: Luxusproblem!) alle Stunde einmal aufstehen, um die CD im Spieler zu wechseln oder meine vom Balancieren verkrampften Beine ein wenig zu lockern. Und nicht zuletzt sehe ich vom Sofa aus nicht auf die Straße, was zu ulkigen Verrenkungen führt, wenn ich den Sechszylinder meines Chefs das Dorf entlangschnurren höre und unbedingt sehen muß, wer fährt, was dranhängt und überhaupt uns sowieso.
Alles in allem: Sofa bäh, Schreibtisch gut. Bis vor zehn Minuten.
Vor einigen Jahren bekam ich ein Schachspiel aus Glas geschenkt. (Gehört zum Thema, wirklich!) Alleine zu spielen ist aber langweilig und umständlich, Stefan Zweigs Schachnovelle zufolge auch gefährlich, und deshalb steht das Schachspiel einfach irgendwo herum. Bevorzugt nicht in meinem Zimmer, weil ich nicht die ganze Zeit an meine unnützen Geschenke erinnert werden will, und sie auch ungern abstaube.
Vor zehn Minuten allerdings, auf dem Weg zur Kaffeemaschine (ha!), stieß ich auf das Ei des Kolumbus, die Weltformel, Newtons Apfel und das Geheimnis um die fehlenden Teile aus dem Krieg der Sterne. Fast.
Ich wischte die Figuren von der Glasplatte, wobei ein Bauernopfer auf dem Boden zerschellte, und den Staub von ebendieser. Heureka!

Jetzt steht mein Laptop auf der Glasplatte, diese liegt bequem und breit auf meinen Beinen, und ich liege am breitesten bequem auf dem Sofa und tippe. Alles da! Die Glasplatte ist Handauflage, der Lüfter kann ungestört von Kleidung oder Körperbehaarung an der Unterseite des Laptops weitersurren, und ich kann den ganzen Krempel so schnell zur Seite stellen, daß selbst der übelstgelaunte StUffz mit der Zeit zwischen "Stillgestanden!" und stillgestanden zufrieden wäre.

Und jetzt gehe ich mein Auto holen. Ich werde nämlich alt. Aber das ist eine Geschichte für heute abend.

1.8.05

Sudoku

Sudoku ist ein Zahlenrätsel und lief mir gestern in der Sonntagsausgabe unseres Käseblattes über den Weg. Und es fasziniert.

Vor allem aber hält es von der Arbeit ab. Deshalb bekenne ich mich hiermit schuldig an der Verminderung des deutschen Bruttoinlandsproduktes um mindestens einen halben Euro, was immerhin einmal einer ganzen Deutsche Mark entsprach. Dadurch bin ich direkt beteiligt an der hohen Arbeitslosenquote, dem industriellen Stillstand und dem Verfall der Sitten und der öffentlichen Moral.

So einfach ist das.
(Zum Glück bin ich dabei nicht alleine.)
Motorradfahren, Hähnchen mit einem wunderbaren Mädel und mit den Fingern essen, Motorradfahren, Geburtstagseinladungen aussprechen, die begeistert aufgenommen werden, Geburtstagssorgen streichen, weil eine rothaarige Dame nicht erscheinen wird, eine alte Freundin ins Kino einladen, im Bauwagen lümmeln, einen Keilriemen 10*950 mit den bloßen Händen und im Sonntagsdress in einen Golf pfriemeln, im Dämmerlicht Fußball und Baseball spielen, bis die Bälle in der Hülbe landen oder im Dunkeln verschwinden, Diesel reden, "Haufen!" brüllen und japsend ganz zuunterst in einem Knäuel Menschen verschwinden, sich herauswinden, Knochen sortieren und wieder ins Getümmel stürzen, ein kaltes Weizenbier, eine alte Tradition mit einem Buch fortsetzen, todmüde ins Bett fallen.

Sonntag.

Nur alleine aufzuwachen wollte ich mir verkneifen. Aber Träume lassen sich von kaltem Wasser im Bad allzuleicht verjagen.