30.6.05

Von Hollywood lernen

Ich denke an eine Weisheit aus einem Film:

"Sich zu erinnern ist gut. Gedenken ist gut. Das Andenken eines Freundes bewahren ist gut.
Doch lasse nie zu, daß Erinnerung und Gedenken dein Denken und Fühlen beherrschen. Sie würden Dich lähmen und töten."

Der Haken an der Sache:
Ich glaube, es war "Karate Kid"...

Rezension: böhse onkelz - Live in Hamburg


Die dritte Live-CD der onkelz in meiner Sammlung. Als erste überhaupt besaß
ich die "Live in Dortmund", danach die leider schlecht aufgenommene "Live in
Vienna".

Wieder eine Papp-CD! Mag ich garnicht, scheint aber Standard sein. Nunja.
Aufklappen, zwei Begleitheftchen. Mit den Texten aller Lieder, die die
onkelz zum Besten geben. Wo bekommt man so etwas heute noch? Außerdem ist
auf der Hülle das "Compact Disc - Digital Audio"-Logo zu sehen, also müßte
die CD dem Red-Book-Standard entsprechen und nicht mit einem Kopierschutz
versehen sein. Gefällt. Und das ohne den großkotzigen Gutmenschenaufdruck,
den ein Farin Urlaub auf seine neue CD drucken lässt. Einfach so. Erneut: Wo
bekommt man so etwas heute noch?

CD1 beginnt, wie "LiD" mit einem ellenlangen Intro. Es ist dermaßen gut
abgestimmt, daß mir schon bei den anschwellenden Sprechchören, die
tatsächlich an einen Orkan erinnern, die Haare zu Berge stehen. Die Lieder
der neuen CD "Adios" sind etwas überproportional vertreten, das mag sich
aber geben, wenn sie erst einmal genauso in den Gehörgängen festsitzen wie
die alten Stücke. Ansonsten das Gewohnte der onkelz. Energetische Musik. Im
Vergleich zur LiD etwas weniger Publikum zwischen den Stücken, dafür mehr
Ansagen. Ein "Danke, Hamburg" ließ mich nach zehn Minuten schon zur
Fernbedienung greifen, weil ich dachte, die Spielzeit sei vorbei. Mehr
Dialog mit dem Publikum, keine Distanzierung zur Gewalt mehr, vielleicht
weil "Kneipenterroristen" außen vor blieb. Der Klang ist metallischer,
klarer getrennt als bei LiD, LiV ist hierbei sowieso keine Referenz.
Die zweite CD fängt mit "Nur die Besten sterben jung" an, das für mich ans
Ende von CD1 gehört hätte. "Nie wieder" und "Stunde des Siegers" strotzen
vor Kraft und wurden auf LiD schmerzlich vermisst. Wenn jetzt noch "Zieh´
mit den Wölfen" kommt, dreh´ ich durch. Aber nein, so weit geht man nicht.
Man ist professioneller, hält das Publikum auf der Höhe, ohne es zu
überforden. Und "Mach´ ma´ Pogo, Hamburg!" wirkt befremdlich. Was ein
Widerspruch - Pogo auf Befehl?

Ich bekam mal wieder mehr als zwei Stunden Musik für mein Geld - auch so
etwas bekommt man nicht mehr alle Tage. Und doch - mit der "Live am
Lausitzring", die vielleicht irgendwann erscheinen wird, ist es auch gut.
Denn nicht alle Lieder der onkelz sind konzertgeeignet, vor allem heute
nicht mehr. So bleibt die Auswahl etwas gering und die Stücke wiederholen
sich.
Und trotzdem dringt eine Stimmung aus den Lautsprechern, die entweder die
Erinnerung an das "eigene" Konzert wiederbelebt, oder für Bißwunden am
eigenen Hinterteil verantwortlich zeichnet bei denen, die nie ein solches
Konzert erlebt haben.

Der Vollständigkeit halber: Im Innern der Pappschachtel lungerte ein
Aufkleber herum. Als ob man es immer noch nötig hätte, sich als
onkelz-Liebhaber gesondert zu bekennen.

Nachtrag: Auf "Gestern war heute noch morgen" gabs Liebeslieder. Hier gibt es gerade mal "Für immer". Gibt es live keine Liebe?
Und "Dieter 'fucking' Bohlen" werde ich ausschneiden und bei allen meinen Mixes einbauen. Bohlen ist mir egal - aber die Wirkung ist sicher beeindruckend.

Ich habe schon mehrmals von meinen Begegnungen im Zug erzählt. Und ich wiederhole mich ungern.

Bleibe ich also hier sitzen, rufe mir das Bild meiner schlafenden Nebensitzerin, die sich langsam und zart auf meine Schulter lehnte, noch einmal ins Gedächtnis und grinse weiter von Ohr zu Ohr. Und die nächsten dreihundert Zeilen an Lobeshymnen auf das schöne Geschlecht spare ich mir.
Kennt jeder.
Weiß jeder.

29.6.05

Raus hier!

Die Zusage für die Wohnung in Stuttgart kam heute mit der Post.
Ich soll am 1.7. einziehen. Das wäre Freitag.

Genau der richtige Zeitpunkt. Raus hier.

Bleibt nur die Hoffnung, daß in der WG (ja, das ganz große Abenteuer...) interessante Leute wohnen. Wir werden sehen, ihr werdet es lesen.

Nachtrag 1:
Ich werde meine Lautsprecher wohl nicht mitnehmen können. Das schmerzt gerade am meisten. Mal sehen, was in fünf Minuten ist... (16:00 Uhr)

Nachtrag 2:
Ich muß noch schnell alle meine CDs auf Platte bannen - auch für die wird kein Platz sein. Stille bedeutet Panik.

Nachtrag 3:
Falls da tatsächlich Mädels in der WG sein sollten: Wie hoch ist der WAF für Technikfreaks? Und wie zum Geier komme ich vom Bad nackt in mein Zimmer? (Außer in Siegerpose, die Hüften schwenkend, breitbeinig und mit gespannten Muskeln?) Ewigen Alleinewohnern ist so etwas schwer abzugewöhnen. (Man sieht: So ernst ist das garnicht...) (16:41 Uhr)

Nachtrag 4:
Meinen Tank im Polowagen muß ich noch abdichten oder ersetzen - sonst komme ich mit einer Vierteltankfüllung, die eben reingeht, ohne daß das Wägelchen inkontinent wird, garnicht hin und zurück. Oder nur knapp. ( Man sieht: So langsam geht es an die Nebensächlichkeiten - schließlich fahre ich schon Monatelang mit einem Ersatzkanister.) (16:52 Uhr)

28.6.05

"Trinken wir eins?"
- "Ach, jetzt nicht, viel zu früh."
- "Hell, it´s noon in Miami!"
- "Was ist mit Deiner Mami?"
*seufz*

Einer der Nachteile des Landlebens.

Sieben

Mit der Einstellung, daß jede getane Arbeit zuviel ist, gewinnt man keinen Krieg. Und erst recht keine Mechanik-Prüfung.
Deshalb setze ich mich jetzt endlich auf meinen Bein-Torso-Flansch Hintern und fange an, eine vollständige TM-Formelsammlung auf drei Blätter einzudampfen, wie es der Brauch ist. Das heißt, ich werde mit einem dieser Zeichenbleistifte schreiben (Nullpunktfünfunddreißiger Mine, wenn man es genau nimmt), deren Minen überhaupt nicht zum Schreiben geeignet sind, weil sie ständig abbrechen und durch winzige Graphitprojektile durch die Gegend schießen, die wiederum, wenn man sie nicht rechtzeitig aufsaugt, ganz toll riesige schwarze Streifen auf dem Boden hinterlassen, wenn man drübertrampelt. Rechtzeitig ist in diesem Fall ein sich selbst widersprechender Begriff, denn um zum Staubsauger zu kommen, muß ich ja erst einmal durch die Wohnung tigern, wobei ich wahrscheinlich ganz toll riesige schwarze... aber das kennen wir schon.
Es sind nicht die Minen, die mich stören. Putzen muß ich sowieso irgendwann, und ein wenig Fingerfertigkeit beim Zeichnen, oder alternativ ein paar neue, laut durchs offene Fenster gebrüllte Flüche kann man immer mal machen, verbessert ersteres doch die Note in der Konstruktionslehre-Prüfung und sorgt letzteres ganz hervorragend für starke Lungenflügel.
Außerdem stört mich, daß ich die letzten drei Stunden nicht aufs Thermometer geschaut habe. Hier drinnen ist es mittlerweile heißer als draußen. Es besteht also seit drei Stunden kein einziger Grund mehr, hier bei geschlossenen Fenstern (Ich weiß, daß sie ein paar Zeilen weiter oben noch offen waren, aber ein wenig dichterische Freiheit wird doch drin sein, nicht?) und heruntergelassenen hosen Rolläden wie ein Maulwurf zu werkeln. Ich hätte genauso gut sehen können, was für Motorräder heute an meiner Wohnung vorbeigedüst sind. Dann hätte ich ihre Fahrer, eingezwängt in heißes Leder und mit Plastik um den Schädel, vielleicht weniger beneidet, wenn ich gesehen hätte, wie sie eine Wasserspur hinterlassen, die ihnen aus dem linken oder rechten Hosenbein, je nach Kurvenlage, quasi entrinnt.
So aber sitze ich hier, der Hauch einer bewegten Luft wird nur durch den Bass von Die Happy erzeugt, schweißgebadet und unwürdig gebückt über einem leeren Blatt Papier, umgeben von zerknüllten Blättern, die Füße bis zu den Knöcheln in ebenso zerknüllten Blättern und das Telefon, das mich aus meiner Lernstarre reißen könnte, schweigt mich an.

Ich gebe mich damit zufrieden, die Nummer von J. heute morgen im Zug knapp verpasst zu haben, A. für Donnerstag mal wieder zum Mittagessen eingeladen zu haben, und H. mitzuteilen, daß ich beim nächsten Wohnheimfest sicher wieder aufkreuzen werde. Lernen treibt meine Telefonkosten ganz schön hoch, denke ich, und blättere in meiner Adressliste nach den paar Jungs und Mädels, die ich heute noch nicht per SMS oder "Ich wollt´ nur mal wissen, wie´s Dir geht"-Kurzanrufen belästigt habe. Das Telefon zickt wieder, landet auf dem Sofa und macht von dort aus einen doppelten Rittberger mit anschließendem Aufschlag auf dem Fußboden. Ein Plastikteil fliegt durch die Gegend. Ich sinniere noch, welches Teil sich wohl dieses Mal verabschiedet hat, und ob es beim Drauftreten vielleicht auch ganz tolle schwarze Streifen auf dem Fußboden hinterlassen wird, als es in die hinterste Ecke unter meinem Bett kullert.
Keine Chance, mein Freund! Ich werde heute nicht unter mein Bett krabbeln, eine noch unwürdigere Pose als gebückt am Schreibtisch sitzend, und nach Dir pfriemeln. Ich hebe das Telefon auf.
Wer wählt schon die Sieben?

27.6.05















Aus der Reihe: Wenn ich betrunken bin, werde ich Starfotograf.

Where do you go to, my lovely?

Im Zug: Mir gegenüber sitzt eine junge Dame mit dem Hauch eines Rocks, den ich beim ersten Blick fälschlicherweise für einen breiten Gürtel hielt. Weiter oben trägt sie einen Streifen Klebeband, Marke Tesa Transparent.
Sie begutachtet mich, mein Hemd mit dem etwas kryptischen Aufdruck, ihr Blick schweift über Arme und Beine, bleibt an den unangemessenen langen Hosen hängen.

"Mädel, Du tust mir auch recht." sage ich.
"Wie? Wieso?" Sie ist ein Fragezeichen. Und wenn ich in diesem Moment hätte aufstehen müssen, hätte auch ich eines dargestellt. So beeindruckt war ich von ihrer Aufmachung, ihren nackten Füßen auf meiner Sitzbank, dem fahrtwindbedingt und ungewollt freien Ausblick auf ihren Beinansatz und dem gewollt freien Ausblick auf gute zehn Zentimeter nackter Haut unterhalb ihres Bauchnabels, daß ich mich glatt vergessen hatte und aussprach, was ich dachte.
Ich lasse noch einmal den Blick über sie gleiten, während ich mir eine gute Fortsetzung unseres noch jungen Gesprächs aus den Fingern sauge. Wahrscheinlich steht sie im nächsten Moment auf und setzt sich weg. Vorsichtig stelle ich einen Fuß auf einen ihrer Schlappen, pardon, FlipFlops, und schiebe ihn weiter unter meine Sitzbank. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Ich merke, daß sie eine Antwort erwartet. Auch die Jungs vom Nebenabteil haben mittlerweile alle Antennen auf uns gerichtet, verzichten auf bewußt beiläufiges Stolzieren im Gang und auffallend unauffälliges Lachen. Mir fällt nichts ein.
Mache ich eben weiter, wie ich angefangen habe. Ohne Kopf, nur mit dem Bauch. Oder vielleicht etwas darunter.
"Du bist hier luftig angezogen und kühl wie der Morgentau, und ich sterbe gleich den Hitzetod, wenn ich Dir noch länger unter den Rock schauen muß."
Nicht gut. Zuviel.
Sie schaut mich an, als ob sie mich kaufen wolle. Sie scheint den Preis drücken zu wollen, sucht einen Makel. Mein linker Arm, etwas mehr vernarbt als der rechte, nach einem lustigen Ereignis mit einer Scheibe und einem Mähdrescher vom letzten Jahr, liegt unter dem rechten. Vorbereitung ist alles. Ich zucke die Schultern.
"Das sieht man, mein Lieber." meint sie. "Dein Kopf ist so rot, als hättest Du keine Unterwäsche an - und nicht ich." Und sie stellt ihren linken Fuß genau zwischen meine Hosenbeine auf die Sitzbank, sodaß ich sie über ihr Knie anpeilen kann. Das ist auch nötig, denn beim Versuch, ihr ins Gesicht zu sehen, beginne ich merklich zu schielen.

Als ich in Schwäbisch Gmünd wieder aufwache, ruckt der Zug gerade an. Ich schaue aus dem Fenster auf den Bahnsteig. Und ich könnte schwören, den breiten Gürtel über einem Paar wunderbarer Hinterläufe davonwippen zu sehen.
Vor Mögglingen stehe ich auf und werfe noch einen prüfenden Blick in das Abteil, bevor ich gehe. Deutlich zeichnet sich meine Silhouette auf dem Bezug ab. Und zwischen meinen Beinen: ein Fußabdruck.

26.6.05

Teil 1

GRUNDDATEN

1. Name:
Texas-Jim. Oder so ähnlich.
2. Spitzname:
Diedschäi. Kommt vor.
3. Geburtstag:
Ja.
4. Geburtsort:
Feldscheune. Krankenhaus in Mutlangen oder Schwäbisch Gmünd. Ich weiß es nicht sicher, ich war nicht dabei. Und meinen Ausweis finde ich gerade nicht. Außerdem ist der 2003 abgelaufen, gilt also nicht mehr. Und für die Pedanten: Reisepass habe ich keinen. Wozu auch?
5. Alter:
22. Für einen Whiskey richtig gut. Für einen Kindskopf wie mich zu alt. Deshalb sehe ich einfach jünger aus und werde gerne auf siebzehn geschätzt.
6. Geschlecht:
(Kurzes Anheben des Hosenbundes mit dem Daumen) - Alles noch da, wo es immer war. Ob das so richtig ist? Ich bin kurzsichtig, da bringt auch der Kontrollblick in der Mannschaftsdusche nicht allzuviel.
7. Beruf:
Student. Bauer. Gibt es Profi-Melancholiker?
8. Wohnsitz:
L-Town. Lautern for life. Hierher riß ich von zuhause aus, als ich vier war. Hier sind wir hergezogen. Hier bleibe ich. Die Spitze des Eisbergs sozusagen.
9. Wie heißen deine Eltern?
M.-L. und H.-W. Ich habe im Original aber keinen Doppelnamen.
10. Wohnst du mit deinen Eltern zusammen?
Eigene Wohnung ím Haus meiner Eltern. Wohnungssuche in Stuttgart derzeit.
11. Mit welchen Menschen teilst du dein Heim?
Mit niemandem. Zu mir wollte noch niemand.
Ernst: Meine Eltern und meine Schwester wohnen unten. Ganz unten hat mein Vater sein Büro. Da wohnen arbeiten noch mehrere.
12. Hast du Haustiere?
Meine Schwester. (Aua - fünf Mark in die Chauvikasse). Im Moment dank des hellen Bildschirms und der offenen Fenster eine Menge Fliegen und Ungeziefer. Auf dem Hof etwa zweihundert Rinder. Und einen Hund.
13. Grösse:
Der Hund ist etwa sechzig Zentimeter hoch. Und damit bin ich vier Zentimeter größer als das Dreifache meines Hundes. Außer er streckt sich.
14. Schuhgrösse:
Mein Hund trägt selten Schuhe. (Der Witz läuft sich tot, oder?)
43 in Straßenschuhen. 43 1/2 in Haix Fireflash.
15. Augenfarbe:
Blau, blutunterlaufen rot. Etwas entzündet derzeit. Zementstaub, Schlafmangel und per Finger eingeriebener Dreck.
16. Haarfarbe:
Straßenköterbraun sage ich. Dunkelblond sagt meine Friseurin. (Demnächst brünett mit blonden "Highlights"). An den Schläfen habe ich weiße Haare. Schon immer.
Früher variierte die Farbe von Weißblond über "Gefuchsert" und rot bis schwarz.
17. Wieviel wiegst du?
Mit Klamotten wog ich im März neunundsechzig Kilogramm. Zwischenzeitlich hatte ich Hunger. Mehrmals.
18. Brillenträger:
Ja. Seit der dritten Klasse. Und seit beinahe sieben Jahren dieselbe. Titan rockt. Nur mein Optiker heult beim Zurechtdengeln immer wieder. Verdient er ja nix dran.
Vielleicht kommt dieses Jahr noch eine Augenoperation - ich entwickle eine Antipathie gegen meine Brille.
19. Persönliche Merkmale:
Große Hände, schmutzige Schuhe, schwäbischer Dialekt, dümmliches Grinsen, Dieselgerede, immer eine Fettpresse in der Hand, eine Motorsäge im Auto. Öfter ein Bier in der Hand, Bundeswehrhosen tragend, ab und an an der Bar schlafend. Eine Dame hat einmal gesagt, ich könne hervorragend Komplimente machen. Aber sie war sehr betrunken.
20. Schule:
Das Leben. (Aber dann hätte ich, um beim Zitat der onkelz zu bleiben, als Zuhause die Straße nennen müssen. Lassen wir also weg.)
Grundschule, Gymnasium, jetzt Studium an der Universität. Klassisch. Einfallslos.
21. Abijahrgang:
2002. Motto war "Feierabend".

NOCH EIN PAAR PERSÖNLICHE FRAGEN:
22. Die letzten 4 Ziffern deiner Telefonnummer?
6976. Toll. Hier auf dem Land haben viele Telefonnummern nur drei Stellen. Was machen die jetzt? Hä?
23. Dein Name rückwarts?
.miJ-saxeT .lloT ?sad tgnirb nned saW
24. Deine Zahnpasta:
Morgens aronal, abends elmex. Fernsehwerbung vor der Tagesschau prägt.
25. Was ißt du normalerweise zum Frühstück?
Brot. Früher nichts, weil ich immer in Eile war. Dann nur Kaba, bis ich Mecker bekam, weil nie Milch da war. Dann Müsli, bis mir Rosinen zu den Ohren herauswuchsen. Jetzt Brot. Mit Butter und Gsälz. Soll heißen Marmelade.
26. Was ist unter deinem Bett?
Devils & Dust. (Ich sollte aufhören, Bands zu zitieren, shouldn´t I?) Weil meine Wohnung noch recht jungfräulich ist, läuft nur ein Kabel drunter durch. Zur Stereoanlage.
27. Hast du Kuscheltiere in deinem Bett?
Wenn der Bildschirm ausgeht, werden sich wohl die Mücken bei mir versammeln und Körperkontakt suchen. Sonst keine. Ein kleines Knight-Rider-Kissen liegt noch da. Erinnerung.
28. Was trägst du im Bett?
Einen Schlafanzug. Und ein Unterhemd. Immer. Manchmal oben ohne, wenn es sehr heiß ist.
29. Welche Farbe hat die Tapete in deinem Zimmer?
Putz, keine Tapete. Schließlich bin ich Gipser und Gerüstbauer. Naja, fast eben. Der Putz ist weiß. Eine Ecke ist anthrazit, weil ich das so wollte. Sollte einen Schatten symbolisieren.
30. Was hast du an der Wand in deinem Zimmer?
Nichts. Garnichts. Okay, einen Kabelkanal. Ansonsten ist meine Wohnung jungfräulich. Nur meine Tür hat ein Bild bekommen. Ein Rasterbild von mir in Postergröße. Alle anderen Bilder von früher sind noch verpackt, weil sie mir entweder peinlich (eine Tennisspielerin bzw. deren Hinterteil), eingerissen (Deutz-Fahr Agrotron), nicht mehr tragbar (Besamungsplan der Rinderunion BW) oder nicht mehr wahr (18 ´til I die, Bryan Adams) sind. Die gesammelten Postkarten hängen an meiner Schranktür.
31. Mit wie vielen Kissen schläfst du?
Mit einem. Knight Rider wird nicht zerknittert.
32. Was für einen Bettbezug hast du?
Momentan blau-weiß gestreift. Normalen Stoff. Wenn ich bei einer Freundin übernachte, legt sie extra für mich die schwarze Satinbettwäsche mit der unbekleideten Dame auf. Schließlich soll ich nicht ganz alleine in ihrem Bett sein, wenn sie auf dem Sofa schläft.
33. Dein erster Gedanke, wenn du morgens aufwachst?
Aua. Schon so spät? Wer hat den Wecker vom Fensterbrett geworfen? Wieso piept mein Telefon und wieso liegt es so weit weg, daß ich aufstehen muß? Sonne? Ich vetrage keinen Wein. Bier und Schnaps lasse ich auch weg. Ich werde alt. Alleine?
34. Wort oder Phrase die du oft benutzt:
Wechselt des Öfteren. Gerade aktuell: "Furchtbar!"
35. Wenn du ein Gartengerät wärst, was würdest du dann sein?
Ein Pflug, ein Pflug, ein Pflug! Nicht akzeptiert? In Ordnung, dann ein Rasenmäher. Hauptsache laut. Und Öl und Benzin dran. Yeah.
36. Was ist das Erste an das du dich im Leben erinnerst?
Haarschnitt in der Spielecke im Kindergarten. Sie war ein Punk. Und ich machte den Schnitt.
37. Welcher Arbeit gehst du nach:
Studieren ist keine Arbeit. Alles andere auch nicht. Ich fahre bei einem Lohnunternehmer, arbeite bei einigen Bauern, auf dem Bau und im Wald. Und ich rewpariere Motorräder.
38. Wenn du die Wahl hättest zu arbeiten, was du willst, was wäre das?
Bauer sein. Ohne den Kapitaleinsatz, mit weiblicher Begelitung. Für immer.
39. Wie oft wechselst du deine Kleider?
Einkaufen gehe ich nur etwa zwei Mal im Jahr. Wenn mal wieder die Bundeswehrhosen verschossen sind, oder mir die Socken ausgehen.
Ich wechsle meine Kleider mehrmals täglich. Stall, Uni, wieder Stall. Aber ich kann drei Tage das selbe Hemd anziehen. Stört mich nicht, solange es sauber ist.
40. Wann gehst du ins Bett?
Früher sagte ich: "Wenn die Arbeit geetan, das Bier getrunken und die Hausaufgaben vergessen worden sind."
Heute sage ich: "Wenn mich jemand bewußtlos von der Arbeit wegzerrt, mir intravenös ein Bier einschüttet und mich dann auch noch ins Bett schleift."
Ernsthaft: Alleine? Zwischen Mitternacht und ein Uhr. Manchmal aus Trotz um acht. Oder garnicht.
Gemeinsam? Sofort, Baby!

21.6.05

Heimat



Nicht mehr. Nicht weniger.
Ich könnte stundenlang von diesem Bild erzählen.
Für den, der meine Heimat kennt, ist das unnötig.
Für den, der sie nicht kennt, uninteressant.
Also lasse ich es.
So langsam sieht es aus wie ein Blog...
Januar und Februar meines Blogs sind wieder online, und KleinesF hat jetzt ein eigenes Blog.

(Außerdem vermeidet man die lästige Diskussion um das Geschlecht eines Blogs, wenn man entweder unbestimmte Artikel oder besitzergreifende benutzt. Wieder was gelernt.)

Nachtrag: Mich hat der Rappel gepackt. Alle Einträge sind wieder da. Die Kommentare nicht. Leider. Aber es wäre zu aufwendig, die alle reinzufrickeln.

Big Mac

Wir alle kennen die Geschichte: Früher war Fleetwood Mac eine großartige Band, die ganz tollen Blues-Soul-Heavy-Metal-Wasauchimmer gemacht hat. Bis die Mädels dazukamen, und die Band in die niederen Gefilde der Populärmusik abgetaucht ist.

Jetzt im Ernst: Pop, ja. Aber ganz, ganz großer.

Ich erhole mich gerade von einem mittleren Herzinfarkt, der mich überfiel, als heute die Best Of ebendieser Band nicht an ihrem Platz war. Eine meiner teuersten CD, gerade weil ich sie geschenkt bekommen habe. Und eine CD (eigentlich ja zwei) mit einem Problem: Die Hülle an sich hat normales Format, hätte sich also wunderbar in meinen CD-Ständer integrieren müssen. Nicht wie das Best Of der Beach Boys, das noch diese altmodische Doppel-CD-Breite hat, die so total unpraktisch sind. Soweit, so gut. Aber der CD lag ein dickes Büchlein bei, das beim besten Willen nicht mit in die Hülle gepasst hätte. Also hat man das ganze Paket in einen Pappschuber gesteckt. Und weil Designer und Pappschuberhersteller gerade miteinander gut Freund waren, was nicht zuletzt daran lag, daß damals noch niemand CDs gebrannt hat, und sich die beiden dumm und dämlich an den Käufern verdient haben, gestaltete man auch noch den Schuber aufwendig. Zu schön, um ihn wegzuwerfen eigentlich.
Trampel, der ich bin, stört mich dies wenig. Ein gehässiger Geist, der sicher jetzt noch in einer Ecke sitzt und sich kaputtlacht, hat aber dafür gesorgt, daß die Person, die mir Pappschuber, Büchlein und CDs geschenkt hat, ihre Widmung mit weißem Lackstift auf ebendiesen verflixten Schuber gemalt hat. Die Widmung selbst ist zwar aus "The Chain" abgekupfert, aber das "I can still hear you saying, you would never break the chain." kann ich nicht wegwerfen. So herzlos bin nicht einmal ich.
Ausschneiden und in die Hülle schieben! Klar! Aber da steht schon etwas Schönes: "Thank for the memories - wouldn´t have missed it for the world. Lindsey". Entweder leide ich oder die Unterzeichnete an leichter Legasthenie, aber das macht nichts. Ich kann das Aussehen dieser CD nicht so verändern. Und was noch wichtiger ist: Mit dem dicken Karton des Schubers und dem Titelblatt der CD lässt sich die Hülle nicht einmal mehr mit Gewalt schließen.
So fristete die CD einige Jahre lang ein Single-Leben, was bei einer Doppel-LP doch seltsam anmutet. Sie passte nicht in den Ständer. Also stand sie daneben im Regal. Und beleidigte meine Ordnungsliebe lustvoll, wenn sie nicht gerade offen auf dem CD-Spieler lag, das Büchlein aufgeschlagen auf dem Kopfkissen meines Bettes, das damals praktischerweise und aus Platzmangel direkt am CD-Spieler anstand. Und um meine Ordnungsliebe, die sich ab und an zur Manie auswächst und beginnt, lustige Geräusche in meinem Kopf zu machen, die mich an das Kreischen eines Sägeblattes auf blankem Knochen erinnern, zu beruhigen, hörte ich die CD einfach unentwegt. Dann durften Hülle und Büchlein auf dem Spieler liegen, das war ihr verbrieftes Recht. Außerdem habe ich mir CDs wie "Gestern war heute noch morgen" der Onkelz, ebenfalls im Pappschuber, einfach selbst gekauft. So konnte niemand mir diesen Fetzen Pappe mehr unentbehrlich machen, nicht zuletzt, weil es mittlerweile Brenner und Raubkopierer gab und die Pappschuberdesigner alle arbeitslos oder auf Hawaii beim Surfen waren, natürlich nicht ohne einen letzten Anschlag auf mein Seelenheil vorzubereiten, der darin bestand, daß manche CDs fortan nur noch in Papierhüllen gesteckt wurden. Natürlich rutschen sie darin ständig hin und her, verkratzten bis zur Unhörbarkeit und die Papierhülle sah nach dem ersten Anfassen auch aus wie Altpapier. Der gehässige Geist muß Bauchschmerzen vor Lachen bekommen haben bei meinem Gesichtsausdruck, als ich zum ersten Mal eine solche Papierhülle mit CD-Schlitz in die Hand bekam.
Jetzt, einige Wochen nach meinem Umzug, begann es in meinem Kopf zu rumoren. Ich drehte und wand mich, aber in mich selbst konnte ich schlecht hineinsehen. Bis mir auffiel, daß ich keine Knochen mehr splittern hörte, und nachts nicht mehr von diamantbeschichteten Sägeblättern träumte. Die CD! Das Büchlein! Die Widmung! Ich stöberte und räumte, kehrte das Innerste meines Kopfes und das Unterste meines CD-Regals nach oben und außen; ich versprach sogar, meine CDs künftig nach Farben zu sortieren, wenn sich nur hinter der nächsten das schwarze Büchlein verbergen wollte. Nichts.
Weinend saß ich auf dem Boden, umgeben von Stapeln von CDs, in eine Staubwolke eingehüllt, die der Diskussion um die Feinstaubbelastung in deutschen Wohnzimmern eine ganz neue Note hinzufügen könnte, wenn die Bild davon Wind bekommt, und grub mich langsam zu den alten Cassetten durch, auf der Suche nach einer meiner prähistorischen Sicherungskopien.
Und da lag sie! CD und Büchlein im Schuber, Lackstift drauf, und alles dabei, was mein Psychiater einmal händereibend und Scheine zählend ein frühkindliches Trauma nennen wird.

Der langen Rede kurzer Sinn: Seit ich die CD wiedergefunden habe, renne und tanze ich elefantös singend durch meine Wohnung, die CD rotiert im Spieler, das Büchlein liegt auf dem Bett, und die Knochensäge sucht sich schmollend ein anderes Betätigungsfeld, weil im CD-Regal genug Platz ist für jede noch so abnorme Größe und Form von CD-Hüllen, solange der gehässige Geist sich nicht von seinem Lachmuskelriß erholt und kugelförmige Hüllen erfindet, die sich selbständig vom Regal in den Tod stürzen.

(Ich überlege gerade, aus purem Protest am Preisbloggen teilzunehmen. Nur bekomme ich beim besten Willen keinen Sex und kein Essen in diese Geschichte. Das würde den Musikgenuß doch sehr beeinträchtigen. Und manchmal hat die Werbung recht: Man muß Prioritäten setzen. Also kein Sex, kein Essen. Dafür Big Mac.)
"Was erwartest Du? Entweder Du sagts mir, was Dich plagt, oder Du jagst mich zum Teufel. Notfalls verprügle ich Dich auch. Allerdings wäre das für mich sicher sehr peinlich und schmerzhaft.
Aber nachgeben - das gibts nicht. Du hast auch nicht nachgegeben. Schließlich gibts nur ein Gas - Vollgas.
Wat is nu?"

So oder so ähnlich hatte ich es geschrieben heute nacht. Ich weiß es nicht mehr genau, weil die Protokollierung abgeschaltet und ich betrunken war. Der Abend hatte mich sowieso geneppt. Nichtvorhandene Bremsen an einer Hundertfünfundzwanziger, die ich dann gleich an der ersten Kreuzung in einen Garten geworfen habe und erst wieder aus dem Rosenbeet befreien mußte, bevor ich ans Telefon gehen konnte, um den Besitzer zu beruhigen, daß ich schon herausgefunden hatte, daß seine Bremsen quasi nicht mehr vorhanden sind.
Das Feierabendbier mit einem Freund in seiner Gärtnerei, als wir wie die Kinder unter den Regnern hindurchsprangen.
Der Wechsel zwischen Verlockung und Abscheu, als jemand auf dem Parkplatz auf mich wartete, weil sie noch "neugierig" war. Ihr offenes Angebot weckte den Pfau in mir, der stolzieren wollte. Andererseits schreckte ich vor eben dieser Offenheit zurück: Einfach so? Gut, wir kennen uns eine Zeitlang. Aber nur aus Langeweile, aus Nicht-nach-hause-gehen-wollen? Zu viel, zu schnell, ich rannte davon. Fliehendes Pferd und so.
Dann diese Nachricht. Auf der Fensterbank sitzend, Bob Dylan at Budokan, Weizenbier at Glas und Zigarettchen at Mundwinkel. Mein "Bauernzorn", den mein Großvater vor kurzem wieder bei mir festgestellt hat, den ich geerbt und kultiviert habe, packt mich, und ich lasse ihm freie Bahn. Ich ziehe versehentlich am Glas statt an der Kippe, verschlucke mich und ärgere mich noch mehr. Ich schreibe.
Nichts.


"Soso, Herausforderung zum Zweikampf? Ich hoffe, nur verbal! Lieg grad noch mit Sonnenstich aufm Sofa, aber sobald ich wieder fit bin, nehm ich die Herausforderung an! Gruß"

Auf dem Heimweg in der S-Bahn. Mit der Sonnenbrille ohne geschliffene Gläser halte ich mir das Telefon dicht vor die Nase, heule beinahe vor Erleichterung. Ein Ultimatum kann eben auch nach hinten losgehen.

"Ich würde es zur Not ja mit Gewalt versuchen, aber ich will mich weder blamieren noch mit meiner Krankenschwester flirten, wenn Du mich vermöbelst..."

Jaja, besser is das wohl - obwohl ich heute ja unfit bin...

Ein hartes Los: Ich kann Dich nicht verprügeln und nicht unter den Tisch trinken. Beim Wettschwimmen würde ich womöglich ertrinken... Wie wärs mit einem Bügelwettbewerb?

Na klar - das wär ja unlauterer Wettbewerb! Wir können uns ja einfach wie zwei Erwachsene unterhalten - obwohl, da gewinn ich ja auch meistens... Bis dann!

Wie ERWACHSENE!? Ich bin schließlich erst sechzehn... Aber gut, der Verlierer gibt einen Rama aus - ich geh dann schon mal einkaufen.

Ma ehrlich: Ist das Wetter nicht gerade eben erträglicher geworden, hat das Leben nicht gerade eben wieder einen Sinn gefunden, schwebe ich nicht seit eben, anstatt mich dahinzuschleppen?

18.6.05

Jeder hat so seine Art, mit Frust umzugehen.
Ich arbeite eben gerne.

Und so sitze ich jetzt hier, nach einem Fünfzehnstundetag mit den Gerüstbauern (und zum Schluß ohne sie), einem bissel Stallarbeit und mit einem grandiosen Sonnenbrand im Nacken und einem ebenso grandiosen Feierabendbier etwas oberhalb desselben vor der Flimmerkiste.

Ich bin platt.

Wenigstens gehe ich davon aus, heute gut zu schlafen. Gestern war ich schon kurz vor elf im Bett, um endlich einmal halbwegs ausgeschlafen aufzustehen. Und was kam? Ich wachte um drei auf, um fünf, um halb sechs, als der Wecker losging, schlief ich weiter. So ging es fünf vor sechs ungewaschen und ungefrühstückt, sogar ohne Käffchen aus dem Haus. Und das will was heißen.

Aber jetzt gehts duschen, und dann auf die Gass´! Raus hier!

17.6.05

-

"Wie isses, wie wars, wie wirds? Man hört nicht eimal mehr vom wilden Treiben in Deiner Straße."

"Tja, es lässt halt alles nach... auch Rothaarige brauchen mal ne Auszeit - Aber das wird schon wieder! So long, S."

"´T was in another lifetime
one of toil and blood
When blackness was a virtue
and the road was full of mud
I was coming from the wilderness
a creature void of form
"Come in," she said, "I´ll give ya
Shelter from the storm."
(Bob Dylan)

Wie gesagt, ich hatte ihre Nummer längst gelöscht, und mich daran gewöhnt, Kurznachrichten mit den Weisheiten und Ideen, die mich unvermittelt überfallen, zu tippen und ins Nirvana zu versenken, anstatt sie ihr zu schicken. Mein Telefon fragt gütigerweise "Nachricht speichern?", was ich mit einem beherzten Druck auf die rote Taste oder alternativ einem ebenso beherzten Schlag mit dem Telefon auf die Tischkante beantworte. Daraufhin verliert mein Telefon leider regelmäßig das Bewußtsein, aber wer hat behauptet, in dieser Welt ginge es gerecht zu?
Eine Bekannte hatte mich gefragt, was denn mit S. sei. Man sieht sie nicht mehr, hört nichts mehr von ihr. Nicht einmal beim Laufen habe ich sie in letzter Zeit gesehen. Ich erklärte ihr, daß ich von ihr nichts mehr höre, und sie schien geknickt.
Nach ein wenig gutem Zureden ließ ich mir die Nummer von S. geben, und hatte mit ihr heute nacht obenstehenden Wortwechsel. Sogar ihren Namen hat sie blogfreundlich selbst abgekürzt.
Und jetzt sitze ich eben hier, und weiß nicht, was ich meiner Bekannten schreiben soll. Ich kann nur weitergeben, was dasteht:
-es lässt halt alles nach
Klingt nach Resignation. Nach Zurückstecken, nach Aufgeben. Garnicht nach S.
-mal ne Auszeit
Kann ich verstehen. Eine Anzahl Nackenschläge in letzter Zeit, die jeder anderen das Genick gebrochen hätte. Durch die Kündigung ihres Trainers scheint sich ihr Freundeskreis sehr zerfasert zu haben. Und hier geht sie aus irgendeinem Grund auch zu allen auf Distanz.
Es steht nicht da, von was sie die Auszeit nehmen will. Kein Hilferuf, kein dezenter Hinweis. Wie immer eben. Groß, stark und selbständig war man ja immer. Und wer gerne helfen würde, so wie ihre Bekannte, muß eben selber sehen, wo er zupacken soll.
-wird schon wieder
Nein. Das ist nicht ehrlich. Nichts wird einfach so wieder. Doch wen soll das beruhigen? Mich, der sie in- und auswendig kennt? Oder sie selbst? Spielt sie sich etwas vor? Sie scheint sich mit ihrer blutigen Konsequenz übernommen zu haben.
-So long
Was bitte soll das? Ist das ein Lebewohl oder ein Auf Wiedersehen? Bis dann vielleicht? Es gab mal einen Countrysong, in dem "So long, easy rider, I know I´ll miss you for a while" vorkam. Oder nur ein Modewort, wie "slightly" an jeder sich bietenden Satzecke? Ich kann es nicht sagen, es ermutigt mich aber nicht.

Versteh´ einer die Frauen. Und weil ich heute nacht mehr als zwei Stunden auf ihre Antwort gewartet habe, fiel mir auf die Schnelle nur noch Bob Dylan ein. Ein Dank für das, was sie für mich getan hatte. Über dieser Strophe schwebt mein Bekenntnis, daß mein Leben vor ihr zeit- und wertlos war, daß sie mich aus dem Vegetieren ins Leben geholt hat. Und das Angebot, sie jetzt in Schutz zu nehmen. Gleichzeitig aber betont es die Endgültigkeit unserer meiner ihrer der Entscheidung. Wer den Rest des Liedes kennt, weiß das.
Danach kam, wie erwartet, nichts mehr.

Und jetzt mache ich mir, gottverdammich, Sorgen.

"Bedenke,

daß Du sterblich bist."

Meinte mein Vater heute beim verspäteten Mittagessen.

16.6.05

Westernhagen?

Ich bin wieder hier.

(And I´m here to stay.)

Von Beileidsbekundungen bitten wir abzusehen.
Gute Nacht.

11.6.05

Schon Samstagabend?

Wohin verschwindet die Zeit?

8.6.05

Ich eile von einem Fest zum nächsten.
Vom Geburtstag des Zimmermanns zur Studentenparty und wieder zurück zum Geburtstag eines Bauern. Zwischendurch nehme ich gerne ein Mittagessen in einem Stuttgarter Café mit und verzichte bedauernd aufs Grillen mit den Kommilitonen.

Und meine Lippen brennen noch von heute nacht.

7.6.05

Sunday night fever


Freitag war ich mit K. Cocktails trinken. Netter Abend.

Samstag war ich auf dem Bau. Nebenjob Nummer tausendvierhundertzwölf: Gerüstbauer.
Abends mit den Jungs in Nördlingen auf der Messe. Geradezu klassisch. Wir schossen Blumen für die Damen, fuhren Karussell und stemmten Maßkrüge im Festzelt. Müde wie ich war, schlief ich nicht nur im Zelt, an eine der Damen gelehnt, sondern vergaß auch, sie nach ihrer Nummer zu fragen. Auf der Heimfahrt schlief ich wieder, den Kopf bei C. im Schoß. Er nahm es gelassen.
Gibt es hier TseTse-Fliegen?

Am Sonntag gab es nichts zu tun. T. und ich gingen radeln und danach in den Bauwagen. P. brachte etwas zu essen, C. und B. tauchten auf, und es wurde gemütlich.
P. ist übrigens weich und warm.

Gegen halb elf trudelte ich zuhause ein, schnappte das Geschenk für S. junior, und machte mich zu Fuß auf den Weg. Wir gratulierten um zwölf, duschten ihn mit Weißbier weil kein Sekt greifbar war, und setzten uns ins Wohnzimmer auf ein Bier.
Gegen halb eins tauchten noch zwei seiner Kollegen auf, die ein Mädel im Schlepptau hatten. Feurig, dachte der Texaner, und stellte kurz darauf fest, daß das Mädel zu keinem der beiden zu gehören schien. Als der Texaner sich endlich entschließen konnte, sie anzusprechen, und nur noch Stunden auf der Suche nach den richtigen Worten vergehen konnten, sprach sie den Texaner an. Einfacher.
Wir kamen ins Reden, über Gott (weniger), die Welt (mehr), Körperschmuck (noch mehr) und Autos. Ja, Autos.
Als die Dame erklärte, sie fahre einen Corrado G60, und sowohl Baujahr als auch Kilometerstand nennen konnte, fiel ich auf die Knie, und hielt um ihre Schlüssel Hand an. Nur bei der Anrede kam ich ein wenig ins Schleudern, und mußte kurz ihren Namen erfragen. Das und mein leicht alkoholgetränktes Nuscheln machte aus dem hehren Antrag ein eher vergnügliches Ereignis. Mit dem Versprechen, ich dürfe bei Gelegenheit mitfahren, konnte sie mich davon abhalten, mich um ihre Beine zu wickeln und mit den Zähnen an ihren Hosenbeinen zu zupfen. Damit sie mir nicht mitsamt dem Corrado davonlaufen bzw. -fahren konnte, verknotete ich sicherheitshalber unsere Hände. So war ich zwar beim Öffnen des nächsten Biers ein wenig eingeschränkt, aber manchmal muß man eben Opfer bringen.
Als sie gehen wollte, brachte ich sie nach draußen.
Ich streichelte ihn zärtlich, fuhr über die Rundungen und Kanten seiner glatten, makellosen Haut, und konnte mich nur mit Mühe davon abhalten, ihn zu küssen. Daß ich mich von ihr nicht einmal verabschiedete, nahm sie wohl ein wenig übel, denn sie verschwand mit heulendem Lader aus der Einfahrt, ohne mich noch eines Blickes zu würdigen.
Das tat mir dann doch weh. Das wollte ich nicht. So hätte es nicht enden sollen.
Kein G-Lader der Welt hat es verdient, kalt so getreten zu werden!

Zurück bei S. junior schnappten wir uns noch ein paar Bierchen, jagten die Jugend aus dem Haus, und erzählten von Sparren und Pfetten, von Ladern und Leitern, die sich irgendwann zu vermischen begannen und mich als Nebel nach Hause begleiteten.

Maschinenwesen


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Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an das Geräusch denke, das eintausend Stabilo-Stifte verursachen, wenn eintausend Studenten die Deckel von ebendiesen Stiften ziehen, eintausend Geodreiecke über eintausend Blatt Papier parallel zu den Kästchen ausgerichtet werden und schließlich eintausendmal das Wort "kubische Zustandsgleichung" rot unterstrichen wird, weil der Vortragende am Tageslichtprojektor ebendies getan hat.

In Ordnung, die Gänsehaut könnte auch am Wetter liegen.


Ich hatte übrigens nur einen blauen Stabilo dabei.
Und ich schreibe auch noch mit blauer Tinte.

Ich bin ein schlechter Maschinenbaustudent.

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Ich könnte laut aufschreien, wenn ich lesen muß, daß "ein Punkt P1 als weiter unten bezeichnet wird, wenn sein senkrechter Abstand d1 zum Erdmittelpunkt E kleiner ist als d2 von P2 nach E. (d1-d2<0)."

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Ich grinse wie irre vor mich hin, wenn an der S-Bahnstation in Vaihingen die selbsternannten Studiengebührenverhinderer und Bildungsgleichberechtigungsfanatiker jedem einen Zettel mit den neuesten Neuigkeiten zum Thema aufdrängen. Außer mir.
Ich sehe offensichtlich nicht aus wie ein Student.

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Über "Analyse" und "Analogie" lachen nicht einmal mehr Viertklässler.

Dachte ich zumindest. Denken ist noch immer etwas für Pferde. Größere Köpfe und so.

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Maschinenbaustudenten können tatsächlich vor einem zugegeben grandiosen Motorrad stehen, und die hübschen Biologinnen, die sich auf der Wiese in der Sonne aalen, völlig ignorieren.
Gleich werden sie zur nächsten Vorlesung tigern, und auf dem Weg dorthin beinahe ihre Hälse brechen, um die Mädels anzustarren, oder vor Aufregung über ihre eigenen Füße stolpern.

Ich stelle mich auf die andere Seite, und wenn die Jungs endlich abziehen, kann ich Maschine und Mädels mit einem Blick erfassen. Und zwar ohne, daß es auffällt.

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Maschinenbaustudenten brauchen einen besonderen Grund, um glücklich zu sein. Und jeder, der offensichtlich grundlos lacht, wird mißtrauisch gemustert.
Steht wahrscheinlich nicht im Studienplan.

6.6.05

Ich muß meine Füße nur ein ganz klein wenig ausstrecken, damit die Abendsonne sie wohlig durch das Fenster wärmen kann. Und in dieser leicht zurückgelehnten Position mit den weit von mir gestreckten Beinen bin ich unfähig zu lernen. Wie schön.

In zwanzig Minuten wird der sonnenhelle Fleck auf dem Boden weitergezogen sein, und ich komme nicht mehr mit den Füßen dran. Bis dahin lege ich einfach die Hände in den Schoß und schließe die Augen.

El condor pasa


Der Song hatte im Refrain die Textzeile "If I only could".

Genauso geht es mir heute.
Ich würde ja gerne mehr schreiben, aber dichter Nebel schränkt meine Sicht auf Tastatur und Monitor doch erheblich ein.

Soll heißen: Ich finde meinen Mauszeiger nicht.
(Könnte am Fest von gestern abend liegen)

Heute abend gibt´s mehr, wenn ich wieder klar sehe.

1.6.05

Damals


sah es bei mir so aus:




Ich habe nicht geraucht. Und auch keine Männermagazine gekauft. Ich habe auch noch nie gelogen.

Hold out your hands


Gestern abend traf ich einen alten Freund wieder. Daß es ihn nicht gibt, spielt keine Rolle, sei aber der Vollständigkeit halber erwähnt.
Ich machte mich gegen neun auf ins Jugendhaus, weil ich dort die Jungs vor dem Fernseher vermutete. Fußball zieht eben immer, vor allem ein Länderspiel.
Als ich die Tür aufstieß, und den Gang hinunter, an der angelehnten Tür zum Getränkeram vorbeimarschierte, hörte ich schon Lachen, Reden und das Jaulen des Fernsehers. Ich blieb kurz stehen, konnte einzelne Stimmen unterscheiden. Ich drückte den Knopf, trat ein und grüßte in die Runde. Es waren einige da, und ich beschloß, es könnte ein gemütlicher Abend werden.
An der Bar machte man mir Platz, und ich nahm mir einen Hocker, und legte die Beine hoch. Das erste Bier ploppte, ich wandte mich dem Fernseher zu. Für die besten Geschichten ist die Halbzeit da.
Die Diskussion um die Allianz-Arena, Michael Ballack und den neuesten Dorfklatsch plätscherte an mir vorbei, und ich legte meine Arme auf meine Knie, und schaute in mein Bier, verlor mich ganz langsam im perlenden Gold, das am Glas der Flasche schäumend aufzusteigen versuchte. Ich ließ davon ab, am Etikett herumzukratzen, als mich jemand begrüßte, und schaute auf. Da saß er, mir gegenüber, und betrachtete mich über den Hals seiner Flasche hinweg gelassen. Freundlich. Ich war ein wenig verdutzt, daß ich ihn garnicht bemerkt hatte, und grüßte.
"Wie schaut´s?"
"Man lebt und schimpft weiter," sagte ich, und grinste. Das sagt mein Opa immer. Wir schwiegen, lasen unsere Gedanken.
"Weiber," sagte ich.
"Leben," sagte er.
"Ja," stimmte ich zu. "Kein Schlotzer, das Ganze."
"Und erst recht kein Wünschkonzert," griente er.
"Nicht einfach, wenn man´s doppelt nimmt."
"Hält aber besser. Wie Ballenschnur."
Damit hatten wir die Floskeln hinter uns, bestätigt, daß die gemeinsamen Erinnerungen noch da waren, daß wir verbunden waren.
"Die hat Dich ganz schön ausgeknockt." Keine Frage.
"Ich komm´ wieder hoch," meinte ich. Keine Feststellung.
Er begann zu erzählen, was er gehört hatte, und was er dachte. Er mochte sie noch nie, und ich kaue schwer daran, daß er das schon längst gesagt hat. Ausnehmen lassen hätte ich mich, eine Leiche mehr oder weniger am Wegesrand.
Ich erzähle, daß ich sie getilgt habe. Er nickt nur. Er sieht mir an, daß es mir schwerfällt, und ich sehe, daß er nur mir zuliebe so über sie herfällt. Ich lache ihn an, und sage, daß ich jetzt wieder Zeit habe, und öfter kommen werde, um mit ihm ein Bier zu trinken. Das freut ihn.
Wir reden vom Fahren, vom Wetter. Ich brüste mich nicht vor ihm, der mehr arbeitet, als ich es je tun mußte, aber stolz bin ich, als er mich einen Verrückten schimpft. "Ist es das wert?" Ihm kann ich erkären, daß mich auf dem Hunderfünfzehner eine Klarheit überfällt, die ich sonst nirgends habe. Daß ich die Konzentration auf die Vorgänge draußen brauche, um mich auf mich selbst konzentrieren zu können. Daß innen und außen nicht Gegensätze sind, sondern Komplementärfarben der Persönlichkeit. Ich will saubere Arbeit abliefern, ich arbeite nicht hauptsächlich für Geld. Ich tue es, weil es mir Spaß macht, weil ich ohne das Fahren eine Unruhe spüre, eine Unvollständigkeit. Ich mag es auch, gelobt zu werden. Meine Arbeit gelingt immer besser, wenn mich niemand stört, oder mich jemand lobt. Bei jemandem, der ständig mit grimmigem Gesicht vor mir steht, verkrampfe ich, und der Versuch, mein Bestes zu geben, wird zur Schadensbegrenzung.
Mein Freund nickt. Kein Wort von mangelndem Selbstvertrauen. Keines von dem Hund, der mit dem Schwanz wedelt, um gestreichelt zu werden. Er versteht.
Wir reden vom Leben, wie früher. Früher, da waren unsere Pläne klar. Toben bis zwanzig, eine feste Freundin bis zweiundzwanzig, ein Kind bis fünfundzwanzig, ein Haus, ein Auto, ein Beruf. Ruhiger werden; damit begründeten wir unsere Wildheit. Heute ist er auf dem besten Weg dorthin, und zufrieden. Er sagt es, und ich sehe es. Ich hinke hinterher. Studieren, das Ziel steht noch in den Sternen. Jede Prüfung kann alles umwerfen. Ich bin allein, was ich nie sein wollte. Ich habe immer offen zugegeben, ein Herdentier zu sein. Vielleicht eines, das etwas am Rand steht, aber trotzdem unauffällig in der Masse verschwimmt. Meinen Kampf, ein Einzelspieler zu sein, habe ich längst aufgegeben. Ich will es nicht mehr. Wer dazugehört kann trotzdem sein eigenes Ding machen. Karten oder Klettern, Fußball oder Fahren macht keinen Unterschied. Der Sockel, das Fundament ist nur gemeinsam fest.
Er erinnert mich an eine Episode aus unserer wilden Zeit. Wir saßen bei uns, und tranken und lachten uns durch die Nacht. Es tauchten zwei auf, die mich damals auf dem Kieker hatten, und einfach gerne ein wenig drangsalierten. Ich war damals eben ein dankbares Opfer, trank wenig, rauchte nicht, saß ruhig hinter meiner Bar, hörte zu, und machte Feuer. Und ich war wenig schlagfertig. Das bin ich heute noch nicht. Beim gemeinsamen Erzählen kann ich schöne Stichworte aufgreifen, wunderbare Geschichten erzählen, fesseln. Beim Kampf mit Worten, wenn Beleidigung und Schmäh regieren, unterliege ich regelmäßig. Ich war gerade draußen, die beiden standen in der Tür. Eng war es, und klein und dunkel dort. Ich wartete, doch die beiden blieben stehen. Ich wollte mich vorbeischieben, doch das hatten die beiden nur erwartet. Es gab einen Riesenaufstand, die beiden waren auf Prügel aus, angetrunken und streitlustig. Ich wollte nur mein Rad nehmen, und nach Hause fahren, schlucken. Da kam mein Freund auf mich zu, der ebenfalls draußen gewesen war. Er sagte nichts, und schaute mich auch nicht an. Fest trat er in die Tür, und die beiden ließen ihn hinein. Ich sagte "Laß mich vorbei." "Wieso," meinte er, und trat zur Seite, und ließ mich hinein. Ich setzte mich wieder. Niemand verlor ein Wort darüber.
Alles hat sich geändert. Die beiden lassen mich in Ruhe, seit sie einmal zu weit gegangen sind, und ich meinen Verstand verlor. Nur ab und an, wenn sie sehr betrunken sind, fangen sie aus der Entfernung wieder an. Früher habe ich so getan, als stünde ich darüber. Mittlerweile wissen wir drei, daß es so ist. Daß wir uns einfach aus dem Weg gehen. Sie wissen auch, wie weit sie nicht mehr gehen können.
Wir träumen ein wenig zurück, fangen an von der Autobatterie für das Radio, von der Klappe, die im Sommer offenstand, damit auch draußen Musik spielte. Von den Cassetten, die wir schweigend hörten, von den Liedern, die wir mit rotem Kopf sangen, fünf Jungs, sechs Stimmen. Wir kehren zurück, und wenden uns nach vorne. Meinen Freund schickt man auf einen Lehrgang, CNC-Steuerungen soll er programmieren. Ich werde nach dem Sommer noch einmal nach Stuttgart ziehen. Noch ein Versuch, abzuspringen. Wenn sich die Nabelschnur nicht zerschneiden lässt, reißen wir eben einmal daran. Er nickt. "Schmerzen muß es," meint er. Wir trinken noch eines, auf die Zukunft, auf die Vergangenheit, und darauf, daß wir so jung nie wieder zusammenkommen werden.
Ich sammle die Flaschen ein und will noch zwei holen, vielleicht finden wir noch etwas, auf das wir trinken müßen. "Ansonsten stoßen wir auf das an, was wir vergessen haben." Richtig. Ich stehe auf, er zündet sich noch eine Zigarette an. Gauloises, wie früher. Ich lächle, und er hält mir die Schachtel hin. "Nur HB, wie früher," sage ich, und drehe mich weg.

Als ich für uns beide noch zwei Bier aus der Kiste greifen will, schrecke ich auf. Das Licht flackert, die Kiste ist weg. A. steht in der Tür, die Hand am Lichtschalter. Er lacht. "Komm, wir gehen. Oder willst Du alleine hierbeiben?"

Gestern abend gab es ihn nicht, wie gesagt. Aber früher; früher, da gab es ihn. Meinen Freund.

Ich gehe zur Anlage, und nehme die CD heraus, bevor ich abschalte. Gewohnheitsmäßig schaue ich auf den Titel: Es könnte immer noch eine meiner vielen CDs auftauchen, die hier verschwunden sind.

Queen - Friends will be friends

Gehört mir nicht. Ich stecke sie ein, und werfe sie dem Besitzer auf dem Heimweg in den Briefkasten.