30.4.05

ROTsehen (VI)


Bin so froh, dass es so was für mich gibt
alles Festgelegte sich so leicht verschiebt
ansehen - zuhören - völlig leichtgemacht

Aus gegebenem Anlaß.
Und für Dich die Erklärung, die es garnicht gibt:

manchmal ballt meine Hand sich zu einer Faust
manchmal halt ich die Ohnmacht und die Kälte nicht aus
manchmal werd´ ich so höllisch aggressiv
manchmal bin ich so manisch depressiv
doch das geht schon vorbei
bisher ging das immer vorbei
geändert hat sich nichts


Sobald ich meinen Kopf wiederfinde, erkläre ich alles. Derzeit fühle ich mich übererklärt, nackt.

You make my day (III)

Der beste Satz des Abends:

"Ich bin nicht berechnend. Ich bin, wie ich bin. Und wenn Du das nicht akzeptierst, geht es nicht. "

Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein solches Gespräch geführt zu haben. Bisher war immer alles stillschweigend beigelegt oder aber nie.

29.4.05

Tränsläischen (II)


Im Artikel des Rolling Stone zum Tod von Hunter S. Thompson stolpere ich ständig über "Eier".
Ich halte den Begriff für völlig falsch übersetzt. Ich kann mir nur manchmal das englische "balls" im Text vorstellen, eher "gutts". Das sind zu deutsch Eingeweide.
Hier sagt man auch nicht "Der hat Eier", sondern "Der hat Feuer".
Wobei das dem eigentlichen Wortsinn sicher nicht gerecht wird. Jemand der "gutts" hat, strotzt nur so vor Selbstvertrauen und steht für seine Meinung ein, . Und wenn ich das rotzig sagen will, benutze ich "Eier"? Mir gefällt "Feuer" immer noch besser.

Ich bin noch nicht fertig, stelle das aber mal zur Diskussion.

Shalala...


"I just smile and catch the groove"

(Jon Bon Jovi - Midnight in Chelsea)

Richtige Einstellung. Die Farben des Lebens nicht nachmalen, nur sehen. Das Geräusch des Lebens nicht nachahmen, nur hören.
Vielleicht einen Pinselstrich, ein Flüstern hinzufügen.

Und alles gelassen, mit einem Lächeln betrachten.
(Auch das furchtbare "Shalala" im Refrain.)

Kühlwasser


Beim Konstruieren brauche ich mehr als einen Liter Wasser pro Stunde.
Ganz schön viel. Soviel brauche ich nicht einmal im Sommer.

Wie wäre es mit "Water - cooling your brain" ?

Hups


Gerade einen Kommilitonen per Mail verwirrt.
Nach dem Essen sollte man lesen Kaffee trinken und sowas, aber keine Mails beantworten.
Da verzieht sich das gesamte Blut nämlich in Richtung Magen und läßt das Hirn recht einsam zurück. Keine Frage, daß es da auf dumme Ideen kommt.

Aber ich habe ja noch bis halb elf heute abend Zeit. Morgen und am Sonntag will ich nicht zeichnen. Keine ruhige Hand.

Pervers oder Perfektion


Bin gerade dabei, mich vollkommen lächerlich zu machen.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen durch eine Tür, und sehen einen Texaner in der Hocke, in der Mitte des Raumes auf dem Boden. Er bewegt sich langsam hoppelnd abwechseld vorwärts und rückwärts, springt auf und fingert an einer dieser lärmenden schwarzen Kisten herum und geht wieder in die Hocke. Sein Gesichtsausdruck ähnelt dem bei einer Marienerscheinung oder alternativ, für alle Unreligiösen und noch nicht durch eine Marienerscheinung aus dem Tritt Gebrachten, dem eines pubertierenden Jungen, als er erfährt, daß ihn die Frau seiner Träume (und Filme, wir wollen uns doch keinen falschen Illusionen über die heutige Jugend hingeben) heute abend besuchen kommt, nur mit einer Kiste seines Lieblingsbieres und der Premiere-Fernbedienung bekleidet.

Was würden Sie sagen?

Dann sagen Sie das bitte der Dame, die gerade hereinkam.

Sagen Sie nicht, daß sie im Netz auf diese Anleitung gestoßen sind, gerade eben den sogenannten sweet spot gefunden haben und sie um Gottes Willen kein beknackter Perverser sind, sondern nur ein beknackter Nachwuchs-Audiophiler.
Sagen Sie nicht, daß sie gerade eben hören konnten, wie die Rassel bei "You can´t always get what you want" von links nach rechts und wieder zurück geschwungen wurde, und daß Sie es hassen, wie Mick Jagger beim Singen herumhampelt.
Sagen Sie nicht, daß Sie unbedingt noch diese Resonanzen und Reflektionen ausmerzen müssen, und dazu das halbe Haus umbauen werden.
Sagen Sie nicht, daß Sie soeben im Paradies waren.
Sagen Sie nicht, daß diese schwarzen Kisten für immer mitten im Raum stehenbleiben werden, und jeder Versuch, sie zu verrücken, mit dem Tod bestraft werden wird.
Versuchen Sie nicht, zu erklären, warum das Ganze so laut sein muß.

Sagen Sie nichts, sondern ziehen Sie stattdessen wortlos Ihre Hosen herunter. Die Dame wird sich auf dem Absatz umdrehen und Sie nie wieder belästigen.
Rufen Sie ihr außerdem nicht hinterher, daß Sie die Tür, die sie gerade hinter sich zugeknallt hat, noch schallisolieren werden.

Lassen Sie Sich lieber für einen Perversen halten. Muß man weniger erklären. Ist gesellschaftlich anerkannter.

28.4.05

Sozialwahl


Haufenweise Unterlagen. Schrittweise Erklärung, Ankündigung für Sehbehinderte und Rechtsbelehrung.

Rundablage P.

Ich habe ja noch nicht einmal den Gemeinderat gewählt. Politikverdrossenheit at its best. Schließlich ist das Hemd näher als der Rock.
Und an Idealisten glaube ich nicht mehr.

Zumindest nicht in der Politik - eher noch im Fußball.

Schriftliches (II)


Dieser Gedichtband von Wondraschek.
Ich hätte ihn gekauft.
Ich schlug ihn irgendwo auf und war gefangen. Wie eine Insekt zwischen zwei Buchseiten zerquetscht.
Ich hätte ihn gekauft.

Aber ich hätte das Lesen nicht ertragen.

Lieber William Somerset Maugham. Auch da endet kaum eine Geschichte gut, aber er ist wenigstens böse genug. Wondraschek leidet still, Maugham reißt mit Gewalt Wunden weiter auf, um sich daran zu freuen, wie sie bluten. Interesse am Leid, beinahe wissenschaftlich akribisch erzählt, anstatt nur gefühltes Leid.

Depression Deluxe und die Bahn


(Nein, das ist kein Auswärtsspiel.)

Ich weiß, daß es Millionen Menschen schlechter geht. Nicht jeder ist so intelligent, gutaussehend und erfolgreich wie ich. (Vorsicht, ätzend!)
Und manche sind blind.

Trotz allem wirken sechs Dioptrien wie ein Güterzug auf mein auf den Schienen liegendes Selbstbewußtsein. Panzergläser! schallt es durch meinen Kopf - meine eigene Stimme von früher.
Und wenn ein Arzt auf die Frage nach einer Laserbehandlung verständnisvoll nickt, und sofort beginnt zu erklären, daß meine Fehlsichtigkeit hervorragend behandelbar sei, kommt der ganze Fahrplan der Bahn durcheinander, die Güterzüge rollen im Sekundentakt.

Schlecht sehen ist schlimmer als Zahnweh. Keine Ahnung, weshalb das so ist. Und ich will es auch garnicht wissen. Jede Narbe, jede Verletzung, und sei sie bei einem noch so dämlichen Haushalts- oder Sportunfall, und sogar selbstverschuldet, zustandegekommen, weckt Mitleid und angeekelte Bewunderung. Harte Sau das! Brillenträger nicht.

Und wenn ich dieses Jahr noch einmal zum Arzt gehe, was ich ums Verrecken nicht tun will, dann aufgrund meines Rückens. Aber dann rede ich vorher mit Herrn Mehdorn. Immerhin verdient der an den Güterzügen mit. Da könnte er ruhig etwas springen lassen.

(Justitia war auch blind - zwar nur mit Augenbinde, aber immerhin.)
Was sage ich, wenn jemand vor mir auf dem Schlepper sitzt, mit dem ich eigentlich gleich Futter laden will? - Nix.
Was sage ich, als er, anstatt kurz abzusteigen, nur zur Seite rutscht, und ich mich artistisch vorbeizwängen muß? - Nix.
Was sage ich, als er auf die Frage, ob er denn schon mit seiner Arbeit durch sei, immer heftig "fertig" nickt? - Nix.
Was sage ich, als er "Ich fahren" meint? - Nix. Abgelehnt. Kein Einspruch möglich.
Was sage ich, als er sich verzogen hat, und ich entdecke, daß seine gesamte Arbeit liegengeblieben ist, und er stattdessen faul bei mir mitgefahren ist? - Denken Sie sich einfach alle Flüche des nächstbesten Hafenarbeiters und denken sich dazu, was sogar diesen erröten lassen würde. Genau das.
Und ausgerechnet da taucht der geschwätzige Nachbar auf. Der kann von Glück reden, daß ich ihm nicht einfach ein paar zusätzliche Körperöffnungen verpasst habe. Operativ ohne Narkose. Rede nie mit jemandem, der schnaubt und schäumt, und über dessen rotem Kopf sich bereits erste Gewitterwolken bilden.

Ansonsten wird hier noch der unveränderte Text des Hausaufsatzes beigefügt:

Gefahr im Verkehr oder GSX-R 750

Still steht sie da, ganz glänzende Kraft;
der schwarze Panther, blankpoliert;
bis zum Frühjahr nun in Haft.
Einmal noch das Biest erwecken.

Kein Brüllen weicht aus ihrer Kehle;
glitzert ihr Auge lockend nur;
im Sprung erstarrt, als ob ihr Leben fehle.
Einmal noch die Kraft entdecken.

Geduckt gespannt, zum Sprung bereit;
pure Angriffslust nur konzentriert;
gezügelt schon zu lange Zeit.
Einmal noch die Straßen schrecken.

Sie zu zwingen, auf ihr reiten;
pack sie fest, jetzt wild entschlossen;
muß sie treiben, will sie leiten;
Ist mir treu und wild ergeben;
fordert immer mehr von mir;
reiß an ihr, spür nun ihr Beben.
Zwing sie zu mir, will sie spüren;
preß sie an mich und laß sie führen;
wir verlassen die vertrauten Bahnen;
weg von hier, sind auf der Flucht;
was uns erwartet, nur zu erahnen.
Wind preßt mir den Atem in die Lungen;
lehn mich auf, schrei gegenan;
nie hat ein Mensch mir so geklungen.
In jede Biegung will ich tauchen;
uns´re Kräfte mit Fortuna messen;
Wir trotzen ihr, machen sie fauchen.
Fortuna stellt uns, hör mich schnauben;
in klarstem Wahnsinn, Raserei;
uns soll niemand uns´re Freiheit rauben!
Niemand wird uns heut besiegen,
wir heben ab, beginnen zu fliegen;
den Kopf gesenkt, ein rasender Stier;
das rote Tuch annehmen;
ein Feuerball, ein Blitz sind wir.
Erneutes Zerren, wieder Steigen;
ihre Unbändigkeit aufs Neue zeigen.
Heißer Körper, bebende Flanken;
fühl´ mich am Ende, ausgebrannt;
welchem Gott für Freude danken?
Reines Glück, einfach nur zu leben;
kann mich vor Müdigkeit kaum halten;
werd´ immer wieder danach streben.
Aus diesem Rausch zu früh erwacht;
bin vertrocknet, taub und stumm;
steh´ an der Tür nach dieser Nacht.

Still steht sie da, erscheint, gelähmt;
kann doch nie von ihr lassen;
hatte sie doch lang gezähmt.
Einmal noch die Götter wecken.

Man möge mir zugute halten, daß ich noch jung und dumm war. Und Satzzeichen gab es damals in Hülle und Fülle. Nicht so wie heute, wo jeder spart.
Außerdem erklärt das vielleicht, weshalb einige Damen von diesem Augenblick an einen Bogen um meine Person machten. Und weshalb andere es nicht taten.

Für alle Unwissenden: Motorradfahren IST besser als Sex. Wußte ich schon damals. Dabei hatte ich in beidem kaum Erfahrung.

27.4.05

Eineurosiebzehnneun


für den Liter Normalbenzin. Und einszwanzig fürs Super.
Zum Glück regnet es, daß ich wenigstens nicht nur aus Geldmangel aufs Motorradfahren verzichten muß.
(Soviel zum Thema "Positive Autosuggestion")

Satz des Tages


Keiner.

Das Leben plätschert vor sich hin wie der Regen. Unerledigtes häuft sich im Kopf an. Freude vermischt mit Trübsal, Ausgehenwollen mit Zuhausebleibensollen.

Der Tanzkurs.
Damals hatte ich zwar keine Zeit, aber trotzdem ein Mädchen gefragt. Wie man das eben so tat. Diskret, um bei einer Ablehnung unausgelacht zu bleiben. Stets den Schein wahren.
Mir gegenüber hatte sie nur Andeutungen gemacht. Und im Übermut nahm ich die Wette des Sitzengebliebenen an, der auch gefragt hatte.
Es kam, wie es kommen mußte: Sie ging mit ihm zum Tanzkurs. Und bockig verweigerte ich. Stellte mich auf die Hinterbeine. Seltsamerweise hat es damals meine Mutter mehr gestört, daß ich nicht zum Tanzkurs ging, als daß ich kaum noch in der Schule auftauchte, sondern Stunden und Tage auf dem Hof zubrachte.
Als ich gefragt wurde, hing ich im Baum. Eine Mitschülerin kam auf dem Heimweg an meinem Garten vorbei, wo ich gerade Bäume schnitt. Sie stellte sich unten hin und schaute zu. Und fragte dann, schüchtern, ob ich denn schon jemanden hätte... Ich kannte kaum ihren Namen und hatte sie auch sonst nie beachtet, dementsprechend überrumpelt war ich. Die bittere Niederlage schmeckte noch nach, ein seltsames Denken, das die Damen nur hinsichtlich ihrer Wirkung nach außen, und des sich daraus ergebenden sozialen Status eines jeden selbst innerhalb der Gruppe beurteilte, hatte von mir und vielen anderen Besitz ergriffen. Und wir hielten uns noch für so toll, Vorzüge und Nachteile, insebesondere körperlicher Art, der einzelnen Damen miteinander zu vergleichen. Wir waren wahrscheinlich noch nie so amerikanisch wie in diesen Momenten.
Ich lehnte ab. Immerhin besaß ich den Anstand zu erklären, daß ich sowieso nicht mitmachen wolle, weil ich erstens keine Zeit und zweitens kein Interesse hätte und drittens überhaupt und sowieso. Ich dachte noch manches Mal daran, wieviel Überwindung es sie gekostet haben mußte, nicht gefragt zu werden, sondern selbst zu fragen. Verdammt viel.
Oder gar keine.

Schließlich kannte ich sie garnicht. Und wenn alle so verkrampft agieren würden wie ich, stände unsere Alterspyramide schon lange Kopf.

Ich habe nie einen Tanzkurs gemacht. Sicher nicht das Schlechteste, solange Sicherheitsschuhe für Damen beim Tanzen nicht in Mode sind.
Sollten sie das jemals sein, gelobe ich, einen Anfängerkurs mitzumachen.

26.4.05

Tränsläischen


It is not enough to live in the forest - you have to be a fox.
A Fuchs muasch sei - net bloß en buschiga Schwanz han.

Und S. macht einen Tanzkurs. Ich habe ihn heute seit einem knappen halben Jahr zum ersten Mal wiedergesehen. Erblondet ist er zwischenzeitlich. Eine Freundin hat er. Arbeiten muß er, und das nicht zu knapp.
Jaja, the times, they are a-changing. But some things never change.
(Womit gezeigt wäre, was Bob Dylan mit After Eight zu tun hat. So.)

Derzeit habe ich unseren Praktikanten abends am Hals, soll heißen, ich darf ihn in die Geheimnisse der Stallarbeit einweisen. Interessiert ist er, das muß man ihm lassen. Und er taut langsam auf. Leider kann er viel zu wenig Deutsch, und ich kein Wort Russisch. Daß ich ihm aber ein kyrillisches Tastaturlayout installiert habe, und er sich per Instant Messenger bei seiner Freundin-Schwester-Mami-wasauchimmer melden konnte, hat ihn doch für mich eingenommen. Mit den Gesten und dem Lächeln habe ich es ja nicht so, ich kämpfe immer noch darum, vom schwäbischen "Nichts gesagt ist genug gelobt" wegzukommen. Trotzdem fängt das Ganze an, mir Spaß zu machen. Unnahbar sein heißt unverletzlich sein. Aber Narben sind auch schön.
Heute hat er tatsächlich ein Notizbüchlein gezückt, und mitgeschrieben, als ich die Futterration für die Milchkühe geladen habe. Mir kamen fast die Tränen, als er sich dazustellte, und dem Chef und mir zusah, wie wir die Palette mit Mineralfuttersäcken für Trockensteher und laktierende Kühe auseinandersortiert haben. Die aufgedruckten Etiketten mit den Inhaltsstoffen sind nämlich winzig, die Säcke selbst sehen gleich aus.
Und daß ich zufällig bei der Grassilage exakt auf die neunhundert Kilo kam, die ich ihm zuvor diktiert hatte, nehme ich mal als einen Wink des Herrn.
Ich werde Lehrer. Da kann ich endlich über mich selbst schimpfen.

Ehrlich: Jemandem etwas beizubringen macht mir Spaß. Und hierbei unterstelle ich mir selbst nur zweitrangig Herrschsucht. Ich kann es nicht genau sagen, was mir daran gefällt. Vielleicht denke ich heute nacht noch darüber nach. Unbeschreibliches Hochgefühl, das einen selbst antreibt, Arbeitsabläufe zu überdenken, weil man sie erklären muß. Und selbst die Genauigkeit walten zu lassen, die man vom anderen verlangt. Und zu sehen, daß etwas richtig gemacht wird, wenn es verständlich ist. Daß man erklärt statt nur zu befehlen.

Beste Szene des Tages: Ich zeige dem Praktikanten ein verdrecktes Tränkebecken. Entgeistert schaut er mich an. Ich putze es mit der Hand aus, spüle Wasser nach. Ihm fallen beinahe Augen und Zunge aus dem Gesicht, beziehungsweise in selbiges hinein. Ich sage ihm jetzt nicht, daß ich bald nicht mehr jeden Abend komme.

Und als ich wieder mal über den Hof renne, von einem Traktor auf den anderen springe, schüttelt er den Kopf. Ich grinse. Im Sommer wird er sich nach diesen verregneten Tagen sehnen. Da rocken wir richtig.

25.4.05

Keep on lovin´ you - wenn es bloß so einfach wäre


Die Version der Donnas ist besser. Aber das Original ist von REO Speedwagon.

Und könnte der Mann im Mond mal seine Siebensachen packen und ENDLICH VERSCHWINDEN, damit ich alleine schlafen kann, ohne dieses Gesicht vor mir zu sehen? Schließlich ist der Vollmond nicht meine Erfindung - genausowenig wie "slightly" oder das gefauchte "Ich bin niemals zweite Wahl, hörst Du?"

Anbei der Text:

You should’ve seen by the look in my eyes, baby
There was somethin´ missin
You should’ve known by the tone of my voice, maybe
But you didn’t listen

You played dead
But you never bled
Instead you laid still in the grass

All coiled up and hissin

And though I know all about those men

Still I don’t remember

Cause it was us baby, way before then

And we’re still together


And I meant, every word I said

When I said that I love you I meant

That I love you forever

And I’m gonna keep on lovin you

Erinnert an die Sommer 2001 und 2002. Einhundertundneunzig Dieselpferde für eine Kanadierin, die damals den Punk zu mir brachte. Und von der ich nur mehr dieses eine Bild habe, bei uns im Hiddale aufgenommen, sie und ich.

MSN hat mit einem Psychotest mal wieder bestätigt, was sowieso alle wissen: Der Texaner hat einen Hang zum Autismus. Als ob ich nicht bereits angefangen hätte, aus Versehen mit "Beziehungsautist" zu unterschreiben.

Gestern abend Anruf von C. Er und B. wollten doch mal wieder mit mir ausgehen. Leider war ich bereits verabredet.
Heute mittag Anruf von B. Zumindest erschienen sein Name und das Bild von ihm. Hören durfte ich allerdings P., die zu ihrem Geburtstag einlud. Etwas konsterniert sagte ich zu. P. am Telefon von B.? Ich schaute nach draußen, aber der Himmel hing noch da, wo er sein sollte. Allerdings viel zu tief und dunkel. Vielleicht das Wetter?
Wenn ich die vom Frühstück hinzuzähle, muß ich der Ehrlichkeit zuliebe gestehen, daß es drei Tassen waren.
Schlechte Lautsprecher zerfetzen Deine Ohren, gute Dein Gehirn.

Yamaha AX 496-B
Monitor Atmos Air 309
Nubert Nubox 400

Edguy - Nailed to the wheel vom Mandrake-Album rotiert als erstes. Danach die Aufnahme der Sommernachtsmusik.

Die ganze Welt bebt.
Ich bin in Frankreich einmal von der Polizei an die Wand gestellt, durchsucht und um ein Taschenmesser erleichtert worden.

Bevor ihr es durch eine Suchmaschine erfahren müßt.

Außerdem hatte ich heute zwei Tassen Kaffee.

24.4.05

Mail an Siemens


Wenn man nicht vom Leder zieht, geht meistens garnichts. Deshalb:

Sehr geehrte Damen und Herren;
ich habe am 11. Februar diesen Jahres ein Siemens M65 erworben. Dieses wird von Ihnen als sogenanntes "Outdoor"-Handy beworben.
Davon konnte ich bis jetzt nichts feststellen.
Bereits nach kurzer Zeit sammelt sich unter dem Display derart viel Staub, daß es beinahe nicht mehr abzulesen ist.
Außerdem hängt sich die Software des Telefons in unregelmäßigen Abständen auf, das Telefon friert regelrecht ein. Nur durch ein Entfernen und Wiedereinsetzen des Akkus lässt sich der Fehler für kurze zeit beheben.
Im guten Glauben an den Ruf Ihrer Geräte und nach überaus positiven Erfahrungen mit den Geräten C25power, M35i und ME45, die für ihre Zeit allen Erwartungen entsprachen, auch außergewöhnlichen Belastungen standhielten und teilweise noch heute ihren Dienst versehen, habe ich dieses Gerät gekauft. Umso schwerer wiegt die Enttäuschung, daß nicht nur kleine Macken den Spaß am Telefon beeinträchtigen, sondern das Gerät regelrecht gebrauchsunfähig ist.
Bis jetzt habe ich das Gerät noch in keinster Weise einem "outdoor"-mäßigen Gebrauch unterzogen, und ich bin froh, daß ich dies erst im Sommer tun muß. Dann steht in unserem Betrieb der turnusmäßige Austausch einiger Mobiltelefone an. Ich möchte mit diesen keine solchen Erfahrungen machen, und denke daher erstmals über andere Fabrikate nach.

Nun frage ich mich, welche Möglichkeiten Ihnen offenstehen, einen langjährigen Kunden zufriedenzustellen. Ich persönlich denke an einen Austausch des Gerätes und bin auch gerne bereit, es noch einmal mit einem M65 zu versuchen.
Sollten Sie Alternativen aufzeigen können, wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Mit freundlichen Grüßen
Texas-Jim

23.4.05

Saturday afternoon fever


Durch die Tür klingen das Gitarrenspiel und der Gesang meines Vaters herein. Die alten Popsongs, die ich von Kind auf höre.

Ich öffne die Tür und lehne mich ein wenig zurück.
Versinke.

Und singe heimlich mit.
Ich beginne zu klatschen, mit dem Fuß zu wippen. Ich stehe auf.
Minuten später erblickt mich mein Nachbar durch das Fenster, die Luftgitarre schwingend, auf den Knien am Boden. Macht nichts.
Ich lasse das Gitarrensolo auf einhändiges Spiel übergehen, und winke ihm zu. Hoch die Hände! rufe ich ihm zu. Er dreht sich weg.
Ich liege am Boden, die Luftgitarre krachte eben durch den Marshall-Verstärker, und erzeugte einen blühenden Funkenregen.

Etwas ratscht fürchterlich. Der nachbarliche Rolladen.

Der Arsch der Welt

Winamp auf zufälliger Wiedergabe.
Zuerst "Not you" von Underwater Circus mitgröhlen.
Sanfter Übergang. Etwas Piepsendes.
"Forever and for always" von Shania Twain läuft.

Auch mitgröhlen. Darauf kommt es nicht mehr an.

Schrempp is my goddess


Heute schmiß mich C. aus dem Bett. Weil sein Brabus-Smart vom Laster gefallen ist, hat er einen Leihwagen bekommen. Den PT Cruiser von Chrysler.
Wir taten, wie es der Name befahl. (Nein, mit dem englischen Wort für urinieren hatte das nix zu tun. Und auch nicht mit Tee.) Wir cruisten.
Zwei Damen an der Ampel, unser Alter. Ebenfalls ein PT. Sie lichthupte. Lachte. Winkte. Ich zog Rauchschwaden. Wir verstanden uns prächtig. Leider nur kurz, dank verschiedener Richtungen. Und der klassische U-Turn schied dank der Agilität des PT leider aus. Lenkt sich wie eine Kuh.
Im Parkhaus. Turbinengeräusch durch den Hall verstärkt. Diesel. Turbodiesel. Bremsen für eine querende Dame, unser Alter, ansprechendes Fahrwerk. Nicht tiefergelegt, nicht breiter. Alles original. Sie schwenkte herum, ihr Haar wirbelte um ihren Ansaugstutzen Hals, leuchtete im Licht der Nebelscheinwerfer. Sie lächelte. So taten wir. Erneut Rauchschwaden. Aus den Radkästen und aus meinen Ohren. Mein Kühlwasser begann zu kochen.

What the hell? Warum fahren die Damen so auf dieses Auto ab?

Wieso baut der Kamerad solche Schlampenschlepper? Keine abbekommen, was? Und warum ist das Getriebe ein Rührwerk und die Lenkung aus Gummi?

Selber Held sein


Auf dem Desktop jedes meiner Rechner befindet sich eine Datei "notiz.rtf". RTF nicht, weil RichTextFormat was ganz Großes wäre, sondern weil es an RTFM erinnert. Read that fuckin´ memo in meinem Fall.

Sowohl meine CD-Wunschliste und ein paar ICQ-Zitate als auch Uni-Geschichten wie Termine und "To-Do"-Listen finden sich da, bunt durcheinander, nur nach Datum sortiert. Und immer, wenn die Datei ein wenig zu groß für den Desktop wird, und ich mich immer noch für zu wenig professionell für eine vernünftige Lösung halte, wird ausgemistet.

kettcar
queens of the stone age
sportfreunde stiller
virginia jetzt!
psycho punch
bryan adams
sheryl crow
rosenstolz
element of crime

Mir fällt meine Deutschquote auf. Die war schon lange nicht mehr so hoch wie gerade. Das alles sind nicht unbedingt die CDs der nächsten Tage, es sind nur Bands, die mir aufgefallen sind oder von denen ich mitbekommen habe, daß ein neues Album kommt. Beispielsweise liegt das von Bryan Adams schon längstens in den Läden. Kann sein, daß es bereits ein Restposten ist.

Zu den Helden, die hier nicht auftauchen, habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Guten Tag konnte ich von Anfang an nicht leiden, Müssen nur wollen fand ich zu bemüht. Nur Denkmal hob sich ein wenig ab. Trotz allem hörte ich das Album zur Probe. Die ersten Titel brach ich ab, erst Du erkennst mich nicht wieder und vor allem Die Zeit heilt alle Wunder zwangen mich an die Kasse, das Album in der Hand. Wenn ich jetzt die CD in der Hand halte und die Trackliste durchsehe, fällt mir zu manchem Titel kein Fetzen Text und kein Rhythmus mehr ein. Das blaue Kleid finde ich sowieso hässlich, die DVD habe ich noch nie angeschaut. Und mit diesen billigen Keyboard oder wasweißich-Klängen, der dünnen Stimme der Sängerin und dem viel zu oft fehlenden Stückchen Rock, ist das Album insgesamt in keiner Weise berechtigt, mit Quadrophenia und Destination Anywhere im selben Regal zu stehen.
Trotzdem werde ich mir Von hier an blind anhören.
Eine gute CD braucht nur ein, zwei gute Lieder.

So wie ein guter Abend nur ein, zwei gute Momente benötigt.

Ach was, alles Quatsch. Alles Müll, alles falsch. Es ist nur dieses eine Lied. Und alle Schreiberei erklärt nicht, warum es genau dieses ist. Und weshalb es sonst keiner sieht.

Verkannt


Mainstream schön und gut - aber wieso tauchen SR-71 nirgends mehr auf?

Kaufen!

(Außerdem die Zillertaler Schürzenjäger, Pete Sarstedt und den Kerl, der "Jack and Diane" geschrieben hat. Und Christina Stürmer.)

Ach, kauft doch, was ihr wollt.

Nachtrag: Amazon will für "Now you see inside" über 40 Euro. Kaufbefehl aufgehoben. Und mein Original kommt in den Panzerschrank. Könnte sich im Wert noch steigern.

22.4.05

[...]

Ich zitterte und schwitzte, hörte seine Stimme, die immer weiter weg klang und die mich anfeuerte. Ich warf den Kopf herum – und riss entsetzt die Augen auf. Unter mir ergoss sich eine warme Flüssigkeit.

„Ach du scheiße“, sagte ich und richtete mich verstört auf.

„Was ist los?“ fragte er

„Mein Teebecher ist grade auf dem Sofa umgekippt.“

„Oh nein.“

„Oh ja.“
[...]


Der zweite Lacher des Tages. Und dieser Auszug war nicht die erstaunliche Wendung des Artikels.
Link folgt, sobald die Dame es erlaubt.

Yeah, baby


Heute hatte ich in Stuttgart etwas Zeit, bevor mein Zug abfuhr. Ich schlenderte also die Königstraße hinauf und hinab und freute mich am Unterschied zwischen Sonne und Schatten. Trotz aller Trödelei war ich zu früh am Bahnhof, und schaute eben noch in den Zeitschriftenladen. Eigentlich suchte ich nach einem Hifi-Magazin, das mir endlich befehlen würde, die nubox400 zu kaufen. Aus irgendeinem Grund zog ich die aktuelle Nummer des "Rolling Stone" hervor, in der die Geschichte von Bob Dylans "Like a rolling stone" und die "500 besten Songs aller Zeiten" zu lesen waren. Ich hatte noch nie einen "Stone" in der Hand, aber Lust und Zeit dazu.
Mit meinem Magazin, dessen Titel ich der Lesbarkeit halber nach außen trug, der offenen Lederjacke, unter der ich das enge schwarze Hemd trug, das ich gottverdammich ohne die Silhouette von Marta Jandova und dafür mit dem Spruch "lying in my bed in the sun, it´s a beautiful morning - Die Happy" gekauft hatte, mit der hellen Jeans mit Schlag, den schwarzen Lederschuhen, frisch frisiert und mit Anderthalbtagebart, kam ich mir wie ein Profi vor. Ich hatte keine Ahnung, auf welchem Gebiet ich professionell sein sollte, aber ich war es. Ganz ehrlich. Also eher doch wie ein BWL-Student. Daß mein Schritt fest und federnd war und ich aus dem Bahsteig einen Catwalk machte, versteht sich von selbst.
Für alle Nichtprofis: Ich hatte keinerlei Drogen außer Kaba. Kaba rockt.
Nur mein Schülerrucksack trübte das professionelle Bild ein wenig, und ich beschloß, diesen bei nächster Gelegenheit durch einen Fliegerkoffer, einen Matchsack, oder was auch immer auszutauschen.
Beim Einsteigen konnte ich mich selbst gerade noch von einem "Yeah, baby, gut siehst Du aus", abhalten, als mein Spiegelbild in den Scheiben der Türen an mir vorbeiglitt. Sollten das doch die anderen sagen. Nicht verkneifen konnte ich mir James Deans Griff in die Haare, der von einem unangenehm klebrigen Gefühl an der Hand gefolgt wurde, weil ich mal wieder billigen Haarfestiger gekauft hatte. Verdammt. Genaugenommen hat den sogar meine Mutter gekauft.
Ich streckte mich also wieder aus der etwas zusammengesunkenen Position, die meine tiefsinnigen Gedanken begleitet hatte, auf meine Zweimeterzehn. Sixfeetfour. Universal soldier. Brust raus, Bauch rein, Daumen in den Gürtel gehakt.
Ich marschierte durch den Zug auf der Suche nach einem Sitzplatz. Ach was, ich schwebte. Der Boden wagte es nicht, meine Sohlen zu berühren. Tut er sonst nur, wenn ich schwerst betrunken bin. Aber jetzt keine solchen Gedanken, Kichern ist schließlich uncool. In einer Zweierreihe saß A., ein ehemaliger Klassenkamerad von mir. Ich habe ihn sicher zwei Jahre nicht gesehen, aber er hat sich nicht verändert. Schwarz, Baseballjacke und Baketballtrikot, Hosen für zwei und in den Kniekehlen hängend. Leider hatte er keine Kappe auf, und die auch nicht schräg. Werde ich ihm bei Gelegenheit unter die Nase reiben. Unvollständige Ausstattung, wie unprofessionell. Tsts.
"Ist bei Dir noch frei." sagte ich entspannt und ohne Fragezeichen. Profis fragen nicht. Ich setzte mich zu ihm, und verfluchte diese engen neuen Züge, in denen ich meine langen Beine nicht ausstrecken kann, sondern zum schulbubenhaft anständigen Sitzen gezwungen werde. Ich werde die Bahn wegen Rufschädigung verklagen, jawollja.
Professionell wie wir waren, wechselten wir ein paar Worte. Dann vertiefte er sich in seine "Juice" und ich mich in meinen "Stone". Yeah, baby. Leider hatte er den Fensterplatz, und konnte ein Bein hochnehmen. Ich schlug ein Bein über das andere und war wahnsinnig professionell.
All die jungen Dinger starrten uns an, den angehenden Fitnesskaufmann und den Helden, der an die verliebten Blicke der Mädels gewöhnt ist. Noch einmal; yeah, baby.
Wir verabschiedeten uns per Handschlag, Daumen wieder in den Gürtel und der Mittelgang im Zug wurde zur staubigen Haupstraße aus "High noon". Ich kniff die Augen zusammen. Und das Gesäß. Sauberer Auftritt, Gratulation vom Regisseur. Yeah, baby. Ich werde anfangen zu rauchen. Aber zuhause, bis der Anfängerhusten aufhört.


Lächelnd bei dem Gedanken über das Bild, das der Gangster und der Nachwuchsyuppie im Zug ergeben hatten, stieg ich aus in den Sonnenschein. Ich dachte daran, daß wir uns über ehemalige Klassenkameraden unterhalten hatten, über seine Ausbildung, über meine Prüfungen. Nicht über die Puppe von gestern, die Millionen von morgen.

Aber wir üben ja noch.

Yeah, baby.

Wenn es alle tun (II)


Der Unwille, sich zu äußern.
Die Wut, Fremdes zu lesen.
Der Drang, zu korrigieren.

Dann die Erkenntnis, daß es nicht nur keinen Zweck hat, sondern noch weniger dahintersteckt.

Lesen.
Lesen ist Genuß.
Lesen ist Freizeitbeschäftigung.
Lesen bildet.
Lesen erregt.

Abregen tut frische Luft.

Wechsel des Blickwinkels vom gut- oder weniger gutmeinenden Auchwassagenmüsser zum stillen Genießer. Schließlich lese ich gerne.

Und es am allerwenigsten ums Glauben, um Wahrhaftigkeit. Was stört es mich, wenn Hornblower nie gelebt hat? Wenn es die Burg Schreckenstein nie gab? Oder Dampfwalzes Dietriche nirgends passen? Ich muß nicht alles wissen. Ich kann mich über ein Universum amüsieren, in dem ein Colaautomat ein ganzes Buch begleitet (Douglas Adams - Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele). Und über eines, in dem Männer in weißen Anzügen um Frauen mit Doppelnamen herumstreifen. Ich bin Ethiker und Moralist. Aber auch faul. Faul genug, nicht nach der perfekten Lösung zu suchen, sondern mich einfach zurückzulehnen, die Hände über der Pizza in meinem Bauch zu falten und mich zu amüsieren. Und sobald ihr mich langweilt, schalte ich euch ab. Und gehe aus. Ach nee, dazu ist es zu spät heute.

Ich nehme mich wichtig. Ich nehme S. wichtig. Ich nehme es auch wichtig, wenn ein Professor eine Folie mit einem Fendt Favorit 930 Vario zeigt. Ich sehe es gelassen, wenn ich alleine die Fendt-Hymne anstimmen muß.
Manchmal muß man eben Prioritäten setzen.

Das Internet hat einen Schalter. Der steckt meist irgendwo in der Wand.

Übrigens: Das ist die Erklärung zu diesem Artikel.

(Morgen gibt es, was mir nebenbei einfiel. Warum ich schreibe. Warum ich wahrhaftig sein will. Warum ich es nicht immer bin. Und was gelogen war.
Und falls ich es morgen nicht schaffe, dann übermorgen. Und das hässliche "morgen" radiere ich weg. Oder ich lasse es stehen. Wie es mir beliebt.)

Außerdem hasse ich die alljährlichen AED-Auffrischungen. Ich mag keine Geschichten vom Kammerflimmern. Davon bekomme ich Herzrasen.
(Ein AED ist ein Defibrillator. Wieder was gelernt.)

21.4.05

Voyeuristischer Spannungsbogen / Vollmond in Sicht / Politik ist ein kompliziertes Feld


Das hier wird jetzt ein wenig unstrukturiert, weil ich erstens noch ein wenig angesäuselt bin nach den zwei selbstgenehmigten Pilschen und der Halbe, die mir von A. aufgedrängt wurde. Aber egal, ich habe schließlich einen Voyeur zufriedenzustellen - ich sollte zum Film gehen.

Um kurz vor acht hing ich etwas planlos in der Luft. Zu spät, um mich noch in Feinwerktechnik zu vertiefen oder ins Bauhaus zu fahren, zu früh, um den Feierabend anzuerkennen. Da tauchte unser neuer "Führer" A. auf, der neue Vorstand der Jugnedinitiative. Ich druckte ihm kurz die Zettel, die er bei mir bestellt hatte, während er mein neues Wohnzimmer testete. Meinen Sessel wollte er glatt zum Vögeln ausleihen, und er bedauerte, daß ich keine Frau habe. Er ist übrigens der einzige, dem ich die annähernd ganze Geschichte von S. und mir erzählt habe. So stand er schließlich vor meinem Schrank und drehte genau die Postkarte, die ich von S. bekommen hatte. Er las, las erneut und stutzte. Er hatte meine Geschichte bisher immer für ein wenig Spinnerei gehalten, doch der Text der Karte schien ihn zu überzeugen. Ich beobachtete ihn vom Schreibtisch aus.
Wir gingen also die Schilder aufhängen, die das Frühlingsfest ankündigen. Dabei erwähnte er beiläufig, daß er heute noch im Jugendhaus sei und wir dort gemeinsam ein Bier trinken könnten. Sonst wäre ich nie dorthin gegangen. Das vermeide ich seit dem dreiundzwanzigsten Februar. Ja, genau, das ist jetzt acht Wochen her, und damit ist demnächst wieder Vollmond. Also beste Zeit für Gefühlseskalationen.
Ich saß also gegen halb zehn im Jugendhaus, trank ein Pils und schaute Fußball, diskutierte die Preise des neuen BMW Fünfer und bekam auch noch meinen Teil vom Dorfklatsch ab. Schließlich habe ich letzten Samstag für Furore gesorgt, mit einigen Bieren zuviel, und einigen Schnäpsen, die ich garnicht vertrage, Dummheiten gemacht und die Straße auf dem Heimweg in ihrer vollen Breite ausgenutzt. Mir wurst. Ich bin jung, ich bin hier, ich bin frei.
Ich hatte irgendwann am Nachmittag noch versucht, S. anzurufen, die versprochen hatte, sich bei C. zu melden (jetzt wirds verzwickt), weil es ihm gerade nicht gutgeht und ich nicht an ihn herankomme. Keiner von uns. Und wenn nicht S., wer dann? Ich erfuhr aber nichts außer daß sie nicht ans Telefon ging.
Nach dem Fußballspiel war ich am Gehen, als A. hereinschneite. Sofort kam mit Schichtplänen, Arbeitseinteilungen und Gelächter Leben in die Runde. Dann klingelte es und S. war dran. Ich stand erst da, das Telefon in der Hand, und wußte nicht weiter. Bis es den anderen zu bunt wurde und ich auf den flur gejagt wurde. Schließlich will niemand "Blinded by the light" fünfhundertmal als MIDI hören. Sie entschuldigte sich, sie sei beim Sport gewesen und wo ich denn sei und überhaupt. Ich fragte zuerst nach C., aus dem sie allerdings auch nicht allzuiviel hatte quetschen können. Womöglich bin ich der einzige, der das Bild aus "Ich gehe nicht mehr weg", "Die Weiber sollen mich in Ruhe lassen" und "Dieses Jahr fahre ich nicht für den Chef" gesehen hatte. Aber als ich alleine mit ihm gewesen war, meinte ich seine Bedrücktheit deutlich zu sehen. Wieder das, wo ich denn sei.
- Im Jugendhaus.
Stille. Aha. Nicht nur ich zähle die Tage. Nicht nur ich denke an den Vollmond.
Ich komme vorbei. Wer ist denn da?
Ich berichte und beachte die Abfolge der Sätze. Und kralle die Finger ins Türblatt, um mich am Wegrennen zu hindern. Ich will hier sein, wenn sie kommt.
Ich gehe wieder hinein. Niemand beachtet, wie lange ich weg war. Wahrscheinlich habe ich über Silage und Kühe geredet. Keiner kann mich mit ihr zusammenbringen, keiner hat diese Phantasie. Nur A. schaut fragend.
Ich hole noch ein Bier. Schaue in den Fernseher, den Schichtplan. Denke daran, daß ich neben meinen zig anderen Schichten noch eine mit ihr quetschen könnte.
Sie taucht auf. Großes Hallo, große Umarmung für ihre ehemalige Klassenkameradin. Sie setzt sich zu ihr, die beiden reden angeregt. Drei, vier stehen auf und gehen. A. schaut mich an, dann sie. Er reicht mir den Schlüssel und sagt, ich soll am Ende zuschließen. Damit muß ich auch bis zu ebendiesem bleiben. Kein Ausweg. Pflicht.
Auch A. geht, es sind nur noch A., die Klassenkameradin, S. und ich da. Ich räume Flaschen ab. Eine Nachricht trifft ein. Ausgerechnet A., die Freundin von S., die mit mir Zugfahren wollte, und bei der ich mich nicht gemeldet hatte. Ich wußte nicht, ob ihr das so wichtig war. Mit einem Gruß an S., da sie noch nicht auf dem neusten Stand der Dinge ist. Ich richtete also den Gruß aus und wurde angestarrt, wie das Männlein vom Mars. S. schaffte es tatsächlich, mir an der Bar gegenüberzusitzen und mit der Dame neben ihr zu reden, und mir trotzdem ihren Rücken zu präsentieren. Während ich noch ob dieser neuen Verblüfffung in der Geometrie einer Bar sinnierte, trug sie mir einen patzigen Gruß an A. auf. Als wäre A. in ihrer Gunst schlagaretig kilometerweit gesunken. Schließlich war eindeutig, wer sich bei wem gemeldet hatte, da mein Telefon am Abend immer seinen Platz auf der Bar hat, und ich sicher eine Stunde vorher schon nicht daran herumgespielt hatte. Ich träumte von den Möglichkleiten der Nachricht mit ZEitzünder, als sich A. an mich wandte. Auch er hatte bemerkt, daß ich aus dem Gespräch gerutscht war, und versuchte mich wieder hineinzuziehen. Zwei Frauen gegenüber fühlt er sich sicher nicht gewachsen. Ich brachte mich also ein wenig ein, um zu zeigen, daß ich in den letzten acht Wochen meinen Zorn zu kontrollieren gelernt habe. Und auch die Flaschen, die ich abräumte, klirrten nicht ob der groben Behandlung, sondern höchstens, wenn ein schiefer Ton aus meinem Pfeifermunde sie traf.
Viel zu sagen wußte ich nicht - das Gespräch blieb bei den ehemaligen Kameraden von S. Nur von ihrer Klassenkameradin wurde ich ab und an noch einbezogen, ansonsten sah ich mit A. in den Fernseher oder auf mein Telfon, wo öfters Nachrichten von A. eintrafen.

S. ging, A. und ich tranken aus, und er ging mit seiner Freundin nach Hause.
Ich schloß ab.

Und ich dachte an den Trugschluß, daß die Momente, in denen ich vor S. alles hinausschreien möchte, immer seltener würden und damit ihre Heftigkeit einbüßten. Tun sie nicht. Weder seltener noch sanfter.

Zuhause saß mein Vater noch vor dem Fernseher. Wir kamen ins Schwadronieren über Politik. Ich mußte eine krasse Position einnnehmen, von seiner ausgehend. Beinahe eine Stunde lang tobte unsere Diskussion, ich wurde global und argumentierte grundsätzlich. Ich warf ihm vor, Hintergründe nicht zu sehen. Er warf Erfahrungen und Meinungen in den Ring, Fakten, denen ich zunächst entkommen mußte, um wieder Philosophieren zu können. Wer macht was aus welchem Grund. Ganz ohne seine Frotzeleien über Rothaarige. Er weiß, wie sie mich mittlerweile treffen. Daß andere Leute nie eine Rote, und dazu eine solche!, aussperren würden, sie eher ins Haus ziehen, als ihr den Türrahmen an den Schädel zu setzen, erwähnt er nicht mehr.
Beschwingt und miteinander absolut uneinig und trotzdem beide hocherfreut gingen wir zu Bett. Naja, ich sitze ja noch hier.

Kein Titel (III)


Schon mal jemand dran gedacht, daß die böhsen onkelz wunderschöne Liebeslieder schrieben?
Und daß die 3 CDs von "Gestern war heute noch morgen" beinahe nur aus solchen bestehen? Politisch inkorrekt, die Herren zu loben. Und noch inkorrekter, ausgerechnet ein Liebeslied hervorzuheben. Hihi.
Wenigstens ein Lied, das sonst kaum jemand erwähnt.

Ich denke daran, wie ich diese Band kennengelernt habe. Mein Vetter hatte eine Cassette im Radio gelassen, als er auf dem Hof gearbeitet hatte. Einige Tage später fuhr ich zum Wiesen eggen. Frontscheibe offen, Gegenwind. Easy Rider mit vierzehn. Und ich drückte dieses Band hinein. "Nur die Besten sterben jung" spielte an.

Dieses Lied packte mich und schleuderte mich ganz weit weg in meine kindlichen Schuldgefühle. Als ich elf gewesen war, starb mein Onkel bei einem Unfall im Forst. Meine Mutter brachte die Nachricht, daß er verletzt sei - Genaueres wußte niemand. Daß der Rettungswagen Stunden brauchte, um die Stelle zu finden, daß seine Kollegen ihm verzweifelt zu helfen versuchten, erfuhr ich erst später. Ich konnte mir diesen Bär von einem Mann nicht liegend vorstellen, sehe heute noch, wie die Muskeln an Schultern und Armen sich aufbäumen und tiefe Täler in die Haut gruben. Ich stand mit offenem Mund da, und sah ihn einen Wagen bewegen, auf den ich nicht einmal klettern konnte. Ich sah ihn zu den Bullen in die Laufstallbox steigen und sie scheinbar einhändig niederringen, um ihnen ein Halfter überzustreifen. Und ich sah ihn lachen, wenn ich auf dem Futterkran mitfuhr, ich sah ihn lächeln, wenn ich stolz war, eine Menge Heu vom Heustock heruntergegabelt zu haben, die ausreichte, daß ich hinunter in den Haufen springen konnte. Ich saß auf seinem Schoß und spürte zum ersten Mal die Gewalt der Erde auf einen Pflug, irrsinnige Kräfte, die ich mit einem Fuß kontrollieren durfte. Den Rauch aus dem Kamin, der die Anstrengung des kleinen Same Explorer zeigte, meinem Befehl zu gehorchen. Ich war König am Lenkrad, winkte allen anderen zu, denen ich enthoben war. Das erste Mal dieses Grollen aus tiefster Seele zu spüren, wenn die Räder sich mit dem Boden verzahnten, ihn aufrissen und zerwühlten. Und das erste Mal die Verzweiflung, als wir uns festfuhren, und man laufen mußte, um jemanden mit einem noch größeren Traktor zu holen, der uns herauszog. Die Großzügigkeit meiner Omi, die aus dem Milchkässlein immer eine Mark holte, damit ich sie beim Nachbarn in Eis verwandeln konnte.
Als ich nachts erfuhr, daß mein Onkel im Krankenhaus seinen Kampf verloren hatte, war ich nicht traurig. Nur zornig. Ich bestand aus dieser Flamme, loderte und kämpfte gegen Wände und Geister. Niemals durfte solch eine Ungerechtigkeit passieren, nie solch ein Unglück geschehen. Im darauffolgenden Jahr, als der Betrieb aufgelöst wurde, saß ich jeden Abend nach dem Stall auf dem Heuboden. Ich befand mich im Gedankenkarussell der Verzweiflung und des Zornes. Es hätte nicht passieren dürfen, ich konnte niemanden beschuldigen. Ich begann, wieder an einen Gott zu glauben, nur um jemanden zu haben, den ich hassen, beschuldigen, anschreien konnte.
In dem Jahr, als ich dieses Lied entdeckte hatte mein Onkel, auch Landwirt, einen schweren Unfall mit einer Feldspritze. Ich erlegte mir die härteste Pflicht auf, die ich konnte. Ich durfte diesen Betrieb nicht auch sterben lassen. Alles tauchte wieder auf - das Weihnachtsfest mit Beerdigung, die Versteigerung und die gewaltige Stille, die ein plötzlich leerer Stall erzeugt und die mich beinahe erdrückte. Dieses Mal war ich nicht mehr elf Jahre alt, ich war fünfzehn. Alt genug. Vor was ich auch immer davongelaufen war, ich nahm es an. Zeigte der Welt die Hörner. Quälte mich mit Zentnersäcken und mit Verantwortung.
Vor seiner großen Operation hat mein Onkel einen Brief geschrieben, der noch heute zugeklebt ist. Ich wollte ihn nicht öffnen. Und er kam zurück. Langsam, anfangs bleich und mager, humpelnd und mit einem Kunststoffkorsett. Aber mit einer Energie, die mich aufrecht hielt. Er lief zu den Wiesen, die ich mähte und wies mich an. Er lud mir die Verantwortung auf und gab mir gleichzeitig die Kraft, sie zu ertragen, die mich in der Zeit ohne ihn verzeifeln lassen hatte. Ich fuhr die steilsten Hänge entlang, stehend und starr vor Angst, ich jagte über Bundes- und Landstraßen. Ich saß nächtelang im Stroh bei einer Kuh, die zum Kalben kam. Ich durfte tun, was er nicht konnte. Ich konnte helfen, Last tragen. Ich lernte, weiterzukriechen, wenn ich nicht mehr gehen konnte. Daß der Wille den Körper tragen kann. Daß es nichts gibt, was man nicht schaffen kann.

Dieses Lied endete, ohne daß ich die letzten Minuten erlebt hatte. Ich spulte zurück und hörte es immer wieder. Den ganzen Tag. Kein anderes Lied hat mich beim ersten Hören je so getroffen. Andere mußte ich lange hören und überdenken. Dieses Lied nie. Immer bringt es mich dahin zurück.
Nichtsdestotrotz ist heute nicht "Nur die Besten sterben jung" dran.


böhse onkelz - Für immer


Ich sitze hier im Dunkeln
die Zeit steht still
ich denke nach
über Dich und mein Gefühl
ich hab Dich lange nicht gesehen
ist es das,warum ich leide
war es für immer
war es besser für uns beide
warn wir auf der Flucht
sollte es so sein
war es zu intensiv
oder warn wir nicht soweit
war es die Erlösung
der Weg ins Freie
der Wind des Schicksals
oder nur das nicht Verzeihen

Wie konnte ich so blind sein
wie konnt ich glauben,ich kann sehn
hat Gott auf mich geschissen
oder warum ließ ich Dich gehn
wieder spür ich diese Sehnsucht
Du bist schon lange nicht mehr hier
sag mir,was hast Du getan
denn Dein Licht brennt immer noch bei mir
für immer

Es war der Himmel und die Hölle
was wir uns gaben
wir spielten mit dem Feuer
umso tiefer sind die Narben
ein Traum ist kein Versprechen
doch wir sind ziemlich hoch geflogen
ging es um die Sterne
oder haben wir uns belogen
der Sprung ins Leere
die Angst vorm Fallen
das Entfachen des Feuers
das Sterben der Flammen
wohin führen unsre Wege
wo bist Du in diesen Tagen
ich kann Dich nicht vergessen
ich rufe Deinen Namen

"Vielleicht sind Frauen und Männer zwei völlig verschiedene Spezies, die nur zufällig auf dem gleichen Planeten wohnen. Liebe ist mitunter ein Kampf, den niemand gewinnen kann, und keiner geht ohne Narben davon." (Aus dem Begleitheft zu "Gestern war heute noch morgen").

Und wem Teile des Textes bekannt vorkommen, der darf sich gratulieren - er kennt den Steppenwolf auswendig. (Das habe ich auch nur aus dem Netz, ich habe den Steppenwolf noch nicht gelesen.)

Die Cassette liegt noch immer da, im Handschuhfach. Wahrscheinlich funktioniert sie längst nicht mehr. Darauf kommt es nicht mehr an.

20.4.05

Dialekt, und wenn er nicht von mir ist


Ist es schon jemandem aufgefallen, daß hier nur ich stattfinde? Und sonst nix?

Heute in der Thermodynamik-Vorlesung: Der Texaner und sein ehemaliger Klassenkamerad, der damals kein solcher war, sitzen und schreiben vor sich hin. Ab und an fällt eine abfällige (Wortspiel!) Bemerkung über den Vortragenden, über "Külögrömm prö Külötschuhl" und über den Irrsinn, der jemanden dazu treibt, so klein zu schreiben, daß man Gleichzeichen nicht mehr von Minuszeichen und Indizes sowieso nicht mehr unterscheiden kann. Dafür wird zwischen den Zeilen dann meterweise Platz gelassen und eben schneller zwischen den beiden Projektoren hin- und hergerannt. Und die unterste Zeile steht nie an der Wand, sondern immer unleserlich an der Tafel.

19.4.05

Verdammt! Heute habe ich zum Notbehelf einfach zwei "Powerline"-Kästchen gekauft. Nun war nur noch kurz im Serverraum das Netzwerkkabel, das ich voller Übermut schon abgezwickt hatte, wieder anzucrimpen. Noch zwei Stecker. Und beim ersten habe ich gepennt und nicht fest genug zugedrückt - eine Ader herausgerutscht. Beim zweiten der klassische Anfängerfehler: Vertauschen von "blue-striped" und "green-striped". Wieder nichts. Ich denke an die Hunderte von Steckern, die ich schon für mich und andere gecrimpt habe, an die riesigen Patchfelder, die ich schon einmal verstanden habe und an die Kabelfarben, von denen ich A- und B-Version freihändig im Tiefschlaf aufsagen konnte, und dazu noch wußte, daß B häufiger gebraucht wird und welche Adern beim Crossover getauscht werden. Und dann das.
Neue Stecker gibt es frühestens morgen. Und dann muß ich noch dahin kriechen, wohin ich die Zange im Wutanfall geworfen habe, und sie aus dem Gewirr befreien, das dort herrscht.

Jetzt sitze ich mit dem Laptop im Auto und nutze Nachbars WLAN. Notsituation. Netzwerktechnischer Mundraub sozusagen. Außerdem nicht strafbar, wenn das Netz nicht gesichert ist. Egal.

Friseurtermin bei C. Warum ich schon so lange nicht mehr da war. Ob sie mich rasieren dürfe. Ich häbe mir eine Kopf-Nacken-Schultermassage verdient.
Dann schneidet sie, schneidet der Meister, kommt die nette Kollegin, bietet Sekt, Kaffee, Zeitschriften an und wie immer zeigen sich alle als wahre Großmeister des Smalltalks. Nicht belanglos, sondern interessant. Nicht aufheizend, sondern beruhigend.
Mein ganz privater, eigener Luxus. Und der Landtagsabgeordnete, der es furchtbar eilig hat und ständig mit einem winzigen Apparat redet, stört mich auch nur kurz.
Ich schrecke auf, als der Stuhl hochfährt. Die Facon ist dran (ich finde den Silconflex für das "c" nicht, wenn er sich denn überhaupt so schreiben sollte). C. grinst, und fragt, ob ich "in mich gegangen" sei. Sehr schöne Umschreibung dafür, daß ich schlafe, während sie arbeitet. Und ich dann mit einem "Dankeschön" und ohne den Geldbeutel gezückt zu haben, gehe. Direktes Zustecken eines Scheins wird nicht akzeptiert. Und die Kaffeekasse habe ich noch nicht erspäht. Außerdem komme ich mir seltsam vor, wenn der Chef hinter seinem Tresen hervoreilt, um mich herummarschiert wie ein General bem Appell, mir dann beide Hände reicht und sich auch noch bedankt, daß ich gekommen bin. Ich muß weder warten, noch einen Termin festlegen.
Dafür erscheine ich nur noch in Hemd, Lederschuhen und ohne Motorradkleidung. Das mindeste, was ich tun kann.
C. und der Meister begutachten mich. Ich bin hellauf begeistert - sogar wenn ich nicht sagen kann, wie ich mein Haar tragen will, machen die beiden es genau so. Ich bewundere mich gebührend, der Meister krittelt noch ein wenig herum, aber ich bleibe begeistert. Und das sage ich auch. Und daß ich nie wieder zu einem anderen Friseur gehen werde. Oder Friseurin. Aus Respekt beuge ich mich, habe die "Friseuse" schon längst aus meinem Sprachschatz gestrichen.

Typisch für mich war es, daß ich lange vor dem Eingang herumgeschlichen bin, Ausreden gesucht habe, warum ich heute nicht hineinkann, und erst nach langem Hin und Her und tiefem Luftholen den Schritt gewagt habe. Ist immer so - Tiefenpsychologen bitte vortreten. Freud bitte draußenbleiben. Meine Mutter kann nichts dafür.

Außerdem noch: Telefonat mit S. ohne Besonderes, nur mit Geschichten von Inline-Skates, Festen und Freunden. Und ein Texaner, der eine Leuchtstoffröhre inklusive Schalter selbst angeklemmt hat. Stolz auf meine Pfuscherei bin ich sowieso. Aber wenn es um diese winzigen Elektronen geht, noch mehr. Alles Leuchtende und Blinkende ist schließlich mein Steckenpferd.

17.4.05

Nur kurz...


Wieso mußte der Spruch des Tages ausgerechnet aus "American Pie 2" stammen?
Und wieso kann ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern?

Heute war um kurz nach zwölf T. am Apparat. Er käme mit B. in einer halben Stunde vorbei, ich solle mein Fahrrad schon mal hinaustragen.
Freunde sind genau dann da, wenn man sie braucht. Und sie riechen es kilometerweit, wenn man Gesellschaft braucht.
Trotz meines Katers, der die Dimension eines mittleren Kontinents hatte, und vom Geburtstagsfest eines Bekannten am Abend zuvor herrührte, waren die fünfundzwanzig Kilometer wirklich machbar. Die Alb rauf, die Alb runter - und ein Texaner mit heraushängender Zunge, der wieder entdeckt, was er früher schon kannte: nicht hinterherfahren zu können. Ich kann nicht nachgeben. Wie ein Windhund hinter dem künstlichen Hasen auf der Rennbahn (ich mogle mich also um die Tierschützer herum, wenn ich das Ganze auf die Rennbahn verlege) herjagt, verfolge ich jeden Hinterreifen. Alleine könnte ich bei weitem nicht so fahren. Lässt sich bestimmt tiefenpsychologisch erklären.

Wie kann mein Vater auf dieser Tastatur nur schreiben? Mir brechen schon die Finger ab. Die Tasten schlagen derart hart an, daß ich genausogut auf einer Betonplatte herumtippen könnte.
Mehr gibt es die Tage, wenn ich wieder ins Netz kann.

13.4.05

Ich habe einige Musikvideos auf dem Rechner. Meist solche, die mich in irgendeiner Form fasziniert haben. Wie das "Supersonic me" der Alternative Allstars oder dieses Antikriegsvideo von Blur. Garbage...


[ich muss los - bin gleich wieder da..]

11.4.05

Bucklige Verwandtschaft


Ein Teil meiner Verwandtschaft mütterlicherseits ist unten.
Solch eine nervige Stimme - die sprengt mir glatt den Zahnschmelz von den Beißerchen. Und labert über Zähneputzen im Wohnzimmer, Skiunterwäsche und Schuhgrößen.

Die nervt. Die soll gehen. Schließlich bin ich hier zuhause. Aber wenn ich jetzt runtergehe, höre ich "Du bist ja groß geworden", "Was studierst Du denn?" und "Wie gefällts Dir da?". Ich schleiche mich aus dem Haus.

10.4.05

Be cool


"Gelobt sei der Arsch, aus dem solche Beine wachsen."
"Was sagt man zu einem Mann, der zwei blaue Augen hat? Nichts mehr, man hat es ihm bereits zweimal gesagt."
"Fehlt Dir mit diesem Auto nicht die Geschwindigkeit?" - "Wer wichtig ist, auf den wartet man."

Film mit John Travolta, dem DeVito, Steven Tyler und Fred Durst hüpft auch einmal durch eine Szene. Außerdem die Black Eyed Peas, deren Sängerin aber auch schon besser ausgesehen hat.

Schön: Die Sprüche. Die Partnerin Travoltas, die auch mal alt aussehen darf, Augenringe inklusive. Das Auto - "Hybrid, braucht nur vier Liter". DubMD mit Spinning Wheels, lächerlichen Unterhosen und goldenen Kanonen. Der Boss der DubMD, Pfannkuchen für die Kleine und Folter für den DJ. Jeder bekommt seinen Schlußauftritt, Rogie als brennender Tänzer, der Samoaner als Partner Nicole Kidmans, DaBoo bei den MTV Awards. Die Klischeeverarsche der Gangster - "nie lässt Du mich jemanden erschießen"...

Austauschbar: Die Sängerin. Barbietyp. Was für Pädophile. Das Musikvideo. Zu lang, zu lasch, falsche Musik. Coyote Ugly - da jagte die Szene mit den Pappfiguren mir Stromstöße durch den Nacken. Hier - nichts. Kein Groove. Ich hätte mir einen besseren Soundtrack gewünscht.

Weniger gelungen: Müssen Aerosmith unbedingt mit dieser Trulla singen? Crying ist gut genug. Außerdem hat der Film einen Bruch. Hatte schon meine Jacke an, da gings nochmal weiter.
Travolta kann nicht tanzen. Mit der Dame hätte sogar ich eine flottere Sohle hingelegt.

Gefallen hat mir der Film jedenfalls.
Travolta kann sich für mich nicht oft genug eine Zigarette anstecken. Oder sagen: "Ich regel´ das." Dezent eingebaut das T-Mobile Logo und das Sidekick, das zwar jeder kennt, aber noch keiner gesehen hatte.

Hingucker: Der rote Baseballschläger. Der daueressende Killer, der an seinem Sandwich erstickt und dann auch noch verprügelt wird. "Ein Baseballschläger und ein Sandwich? Das ist nicht die Art der Mafia."

9.4.05

Lemon tree


Dieses Gefühl: Verzweiflung aus bekanntem Grund. Dazu Verzweiflung über die Unfähigkeit, dem Grund die passende Priorität zuzuweisen. Mir fehlt ein Problem-Anderer-Leute-Syndrom.

"Will work for acknowledgement"

Und wieder frecher Diebstahl geistigen Eigentums. Bistromath. Das Chaisley-Sofa. Slartibartfaß. Amazon.

Nachtrag: Erst Mails checken, dann rumheulen. Ein nettes Wort erhellt den Tag. Gefährliche Abhängigkeit; dafür kein Nikotin. Marschiere nicht krebsbedingt, sondern lieber durch Herzinfarkt etwas früher in die Kiste. Je mehr wir sind, desto lustiger wird es. (Formulierung bei Elizabeth George geklaut, Buch heißt "Auf Ehre und Gewissen", Seite32, ISBN 3-442-45972-9). Gefühl wie ein Geschichtsstudent beim Abtippen der ISBN.

Geistiges Schulterklopfen für mich selbst. Fühlt sich ähnlich an wie fremdes. Nur ähnlich.
Wie das Kreischen von Fingernägeln auf einer Tafel im Vergleich zum Bohrer des Zahnarztes. Nur eine Erwartung.

Quite a feeling / Zitate (VII)


...quite a relief, quite a mess. (Sahara Hotnights)

Der feste Glaube, musikbegeistert zu sein.
Dann bemerken, daß man lieber ohne liest.
Die Musikplatte verzeichnet seit vier Tagen keinen Zugriff. Gerade mal die 585 Immerda-Lieder werden gespielt. Und davon ist die Hälfte verzichtbar.
Vor Jahren um Gigabytes gestritten. Vor Monaten um Geschmack. Vor Wochen um Raritäten. Heute uninteressiert.

Ändern sich Menschen doch? Oder hat jemand mein Leben hochgepitcht? Mal sehen, ob ich heute abend schon achtzehn bin.

Why you always kick me when I'm high
Knock me down ´til we see eye to eye
Figured her out I know she
May not be Miss Right - she'll do right now
(SR-71 - Right now)

"Steh´auf"


"... auch wenn Du allein bist" (Die Toten Hosen - Steh auf)

Komischerweise habe ich heute nicht nur die Pointe, sondern auch den Schluß dieser Geschichte gefunden.

Ich kam spät heim. Ich verfasste noch einen Artikel. Ich fluchte, weil ich meine Widmung für ihr Geschenk ungefähr fünfzigmal neu anfangen mußte, weil entweder mein Daumen wieder alles vollgesaut hatte oder mir meine Sauklaue nicht gehorchen wollte. Zwei Wochen nicht zu schreiben versauen die schönste Schulmädchenschrift.
Duschen. Meine mittlerweile langen Haare bändigen. Geschenk nicht vergessen - alles schon passiert. Wahl des Verkehrsmittels: Fahhrad. Heute schon beim Anblick der Zapfsäule geheult? Außerdem kann man damit mit ausreichend Alkohol noch fahren. Darf man nicht, ist aber egal.
Dann mußte ich noch D. das Ladegerät zurückbringen.
(Sie merken, ich drücke mich ein wenig um den Beginn).
Ihn traf ich im Club beim Fußball. Die Bayern lagen schon 1:0 hinten, so schlecht konnte der Abend also nicht mehr werden. Wir schnappten also ein studentisches Warsteinerchen, und planten die nächste Motorradtour. Ich mußte aber noch weiter - zu dem Geburtstag.
(Sie merken, wie ich mich um den Beginn drückte, versuchte ich mich um den Geburtstag zu drücken.)
Also schnappte ich mir mein Rad, dichtete einige fünfhundertzeilige Oden über die Notwendigkeit des Regens zu dem Zeitpunkt, wenn ich radfahren will und die Auswirkungen von böigem Gegenwind auf eine mit Mühe angelegte, unwillige Frisur. Wenigstens war es bereits dunkel, so konnte ich mein rechtes Hosenbein in meine Socke packen, ohne bei jedem vorbeifahrenden Auto so zu tun, als befreite ich es gerade eben daraus. Und da sage noch einer, der Texaner sei nicht eitel. Außer meiner Frisur blieb auch irgendwo zwischen Dynamo und Birne der Strom auf der Strecke, sodaß ich ohne Licht fahren mußte.
(Ich werde noch anfangen, alle Schaltvorgänge auf dem Weg aufzuzählen, wenn ich mich nicht am Riemen reiße.)
Ich stand also, pitschnaß und keuchend, weil der Regen sich zur Sintflut ausgewachsen hatte, vor der Tür. Wasser lief mir durch die Haare und tropfte auf meine heraushängende Zunge, von wo es abwechselnd tropfenweise in alle Welt geprustet und als kleiner Sturzbach in meinen Rachen gesaugt wurde. Als ich mich wieder ein wenig vom Herzinfarkt entfernt hatte, trat ich ein. Langsam.
Durch den dunklen Gang zu der Tür, hinter der Musik und Stimmen mich vom Eintreten abhalten wollten. Noch einmal: Türe auf, Augen zu und durch. Ich stand drin.
(Wäre dies ein Buch, ich würde dafür sorgen, daß sie genau hier umblättern müßten.)
Und wurde total ignoriert. Ich war so leise gewesen, die Musik so laut, es war so dunkel, ich unauffällig gekleidet. Ich atmete langsam aus, entließ die Luft aus meinem Brustkorb, zog die Schultern ein wenig nach hinten und entspannte meinen Hals. Ich machte ein paar unbeholfene Schritte, wie ich sie immer mache, wenn ich lieber schwere Stiefel tragen würde, in Richtung der Bockleiter, die offensichtlich als Garderobe gedacht war.

Kurze Zusammenfassung: Ich zeigte mich angesichts ihrer überschwenglichen Umarmung erneut als Berührungsautist, sie ließ von mir ab. Unterhaltung mit A. Einige Bierchen. Zuviele. Entscheidung: Gehen oder Koma? Geschenkübergabe schnell, schmerzlos, auf der Flucht. Wieder an die Bar. Ich sehe sie auspacken. Lesen. Erneut lesen.
Ich lerne den DJ und einen Herrn Beam kennen. Beam heißt mit Vornamen Jim und wird schnell weniger. Der DJ spielt Musik für mich. Mal wieder "Streetfighting man". Mal wieder "Ich will nicht werden, was mein Alter ist".
Irgendjemand weckt mich. Ich schlafe stehend an der Bar. Trinke aus und gehe. Es wird hell, als ich heimradle.


Sie hat angerufen und gefragt, ob sie auf den Text der Musik achten soll. Ich habe verneint. Wenn sie eine seitenlange Widmung nicht versteht, kann es auch Kuddel nicht mehr richten. Die Alternativ-CD schwebt noch vor mir. Hätte ich die eingepackt, käme sie kaum drum herum. Mietzie´s Song. Pictures. Benutz mich. Und der Piano Man. Und Dritte Wahl. Ich habe die CD noch. Für mich. Ebenso wie ihr Gegenstück. Mit Killing in the name of, Problem Child, Bin ich nur glücklich, wenn es schmerzt, Not you.
Außerdem hat sie gefragt, wohin ich verschwunden sei, als sie mich geweckt hat. Ich habe sie nicht gesehen. Glaubt sie nicht. Frag Herrn Beam.
Was wir heute abend gemeinsam unternehmen sollten? Garnichts. Ich soll auf mich achtgeben. Blanker Hohn angesichts meiner Selbstzerstörung, denke ich. Denkt sie auch. Ich sage ja.

Wie gesagt, es ist