28.2.05

Die letzten Vorbereitungen für die Prüfung in Technischer Mechanik II laufen:
Formelsammlung auf drei Blätter eindampfen, wichtige Aufgaben nochmal anschauen, die letzte Vortragsübung nachrechnen.
Auswählen, was wichtig ist. Konzentration.

Und keinen Augenblick daran denken.
Heute abend Versöhnung mit S. Mich selbst zu überwinden war noch nie meine Stärke.
Ich habe sie am Wochenende auch verletzt.

26.2.05

Die Ergebnisse meiner Blutuntersuchung kamen gerade.
Und relativieren alles andere.
Ich muss weg. Jetzt bräuchte ich jemanden zum Anlehnen.

Boyd hatte recht

Gegen Mitternacht war ich doch auf einem der beiden Geburtstagsfeste, um zu gratulieren. S. war da, und unterhielt sich angestrengt amüsiert mit K., der ihre Aufmerksamkeit sichtlich genoß. Vielleicht hat er mehr Glück, und wird weniger verletzt.
Ich weiß jetzt, wie berechnend sie wirklich ist, und vermute nur, wie lange sie schon mit mir gespielt hat. Das schmerzt.
Mehr schmerzt allerdings, wie sie sich verraten hat. Unbewusst unterstellte sie mir ihre Motive, und konnte sich nicht einmal vorstellen, warum ich verletzt war. Sie unterstellte mir, ich hätte manche Dinge nur getan, damit uns andere für ein Paar halten. Daß ich es nur getan habe, weil sie mir wichtig ist, und weil ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht darauf geachtet habe, was andere von mir denken, ist für sie völlig unverständlich. Was es mich gekostet hat, mich ihretwegen mit einem meiner ältesten Freunde beinahe bis aufs Messer zu streiten, versteht sie nicht. Sie hält es für Show. Daß ich dafür sorge, daß meine Freunde sie mitnehmen, auch wenn ich einmal nicht dabei bin, zählt ihr nichts. Wäre ich derart eigennützig, wie mir unterstellt wird, hätte ich sie nie mit M. oder C. in Kontakt gebracht. Wie kam sie an deren Telefonnummern? Wer hat die beiden eingeladen, um gemeinsam ein Riesenfest zu machen?
Und wer steht nachts auf, nur um sie vom anderen Ende der Welt abzuholen, während man selbst am nächsten Tag eine Prüfung schreiben muss?

Ich hatte mich zum ersten Mal voll und ganz verliebt, alle Berechnung fallenlassen, meine Maske abgelegt, und ihr alles erzählt, was mich bewegt. Fucked by love. ("Tägliche Heimsuchung" von Andrew Boyd). Bekam ich sogar von ihr geschenkt. Und jetzt bräuchte ich es, habe es aber bei ihr liegen.

Und als ich sie gestern sah, mußte ich daran denken, daß sie verdammt noch eins immer noch den geilsten Arsch nettesten Rücken hat, den ich kenne. Darauf wusste heute nacht aber weder Schopenhauer noch Kant eine Antwort. Und die von Nietzsche erspare ich uns. Ich palaverte also einige Minuten belangloses Zeug, und entschuldigte mich dann mit angeblicher Grippe und tatsächlichen Prüfungsvorbereitungen.

Heute abend geht es mit T. auf die Piste. Er und seine Freundin haben sowieso schon lange vor, mit einer Bekannten von ihr und mir eine Art gemischtes Doppel zu bilden. Bislang habe ich abgelehnt.
Hoffentlich ist sie wenigstens volljährig. Halla ballu ballé!
Trotzreaktionen sind das einzige, was uns noch schützen kann, wenn wir uns vollständig geöffnet haben. Ich fühle mich wie Siegfried, nur daß ich um meine verwundbare Stelle weiß. Sie ist ja auch nicht zu übersehen. Und wer spielt den Hagen von Tronje? Wie ich sie kenne, wird sie zur Schmerzmaximierung jemanden verwenden, den ich kenne. Darin ist sie Profi. Und ich kann demjenigen nicht einmal erklären, daß er benutzt wird, er wird genauso blind sein wie ich es war.
So zieht sie also weiter, der rote Drache mit dem feurigen Atem. Unaufhaltsam. Unabwendbar. In ihrem Rücken bleiben die naiven Ritter mit gebrochenem Genick liegen. Wie wäre es mit einem Helden, der mich rächt? Doch das könnte ich nicht mitansehen. Ich will ihr immer noch nichts Böses. Jemanden nicht mehr zu lieben, heißt nicht, ihn verletzen zu können. Ich kann es nicht.

25.2.05

FFW

Anruf von T.:
Morgen abend "One" in Waldstetten, Dorfabend der Landjugend in Söhnstetten.
Morgen nachmittag Autos zerschneiden in Aalen in der Schrottfabrik. Nicht zum Spaß, sondern zur Übung. Feuerwehren haben es mittlerweile schwer, in moderne Autos "einzudringen", weil unsere hydraulische Schere/Spreizer-Kombination beispielsweise einer modernen Limousine von BMW wie dem Siebener nicht gewachsen sind. Der Einsatz von Schlauchflex (also Brennschneider) und Flex (also Winkelschleifer) fällt wegen Brandschutz (Funkenbildung) und der Gefährdung der Insassen meist flach. Türen, A- und B-Säulen werden zu riesigen Hindernissen.
Das Vorgehen ist unterschiedlich. Wenn keine großen Schäden an den Insassen zu erkennen sind, recht es, die Tür aufzureißen. Dazu wird gespreizt und gedrückt, bis die Scharniere fliegen.
Wenn allerdings Wirbelsäulenschäden zu befürchten sind, schneiden wir gerne das Dach ab und klappen es nach hinten. Der Zugang zum Patienten ist schnell und von allen Seiten möglich, und man kann ihn hervorragend herausheben, ohne ihn zu stark zu bewegen. Meine Lieblingsmethode, die Sitzhalterungen mit der kleinen Schere abzuschneiden und den Patienten mit dem Sitz herauszuheben, findet allerdings noch nicht allzuviele Anhänger. Kann aber, speziell wenn die Pedale in den Fußraum eingedrungen sind, ganz hilfreich sein.
Man sieht, ich schwadroniere gerne über Feuerwehr und Rettung. Leider musste ich meinen Helm hier im Dorf nach mehr als fünf Jahren an den Nagel hängen, weil die persönlichen Differenzen mit dem Vizekommandanten und einem Gruppenführer unsere Arbeit behinderten. Ich zog also im Oktober letzten Jahres den Schlußstrich, und bin seither feuerwehrlos. Mit der Einladung von T. könnte sich das in nächster Zeit ändern.
Wie schön. (Schließlich haben die eine wunderschöne Feuerwehrfrau - was nicht allzuoft in dieser Kombination vorkommt).

You make my day (II)

Eine Packung Ferrero Rocher zum Mittagessen.
Diät? Pfft!
Sonnenschein.
Und Schneeglanz.
Die bereits erwähnte Fendt-Hymne.
"Leistungskraft ist uns´re Stärke..."
Achim Reichels "Kuddel daddel du" und "Fliegende Pferde".
"Was kann die Welt dafür...?"
Stefan Gwildis´ "Sie ist so süß (wenn sie da liegt und schläft)".
Wieso schreibt er einen Text über S.?
Blind Guardian´s Forgotten Tales.
Besonders "Lord of the rings" und "To France".
Die Zillertaler Schürzenjäger.
"Warum denn in die Ferne zieh´n, wenn wir dann Heimweh spür´n?"
Die Entscheidung gegen einen Urlaub mit S.
Ganz alleine. Mit den Schürzenjägern.
Die Kawasaki KLR 650.
Steht bei der Kälte draußen und läuft ohne zu Murren an.
Der Kontoauszug. Zum ersten Mal im Dispokredit.
Genau mit einem Cent.
Die Killer Barbies.
Mit ihrer Version von "Downtown".
Ein Lied, das nur als "Track 17" erscheint.
Könnte von Badly Drawn Boy sein.
"Bacardi Feeling" und "Times like these" auf einer CD.
Und sogar im Mix. Nur für mich.
Zwei Geburtstagseinladungen heute abend.
Und keine wahrnehmen.
Positive Autosuggestion.
Wie das hier.

Rot/Blond/Blond - alles S.

Gestern abend, als ich das Telefon wieder einschaltete, trudelten die Kurznachrichten reihenweise ein. Neben mehreren entgangenen Anrufen kam auch noch eine nette Nachricht von S. S. ist in diesem Fall ein nettes Mädchen (darf man zu einer Siebzehnjährigen noch Mädchen sagen?), und erfrischenderweise blond statt rot, mit der ich unregelmäßig Kontakt habe.
Wir saßen also beim Fußballspiel im Jugendhaus, etwas lust- und bierlos, was sich einerseits auf die desolate VfB-Leistung und andererseits auf den fehlenden Getränkeraumschlüssel bezog. Da kam mein Telefon, das hupend und blinkend auf der Bar lag, als ich gerade neue Männchen am Tischfußball anbrachte, den Jungs gerade recht. Mein Vetter M. warf mir das Telefon zu, und fragte zwinkernd, ob ich ihr einen Gruß von ihm schreiben könne. Ich schaute unschuldig, und fragte: "Ihr? Wem denn?" - "Naja, der S. eben." Damit meinte er meine Sparringspartnerin vom Vortag, und ich erstarrte. Wie konnte sich das denn so schnell herumsprechen?
Ich war quasi im Zugzwang, und zeigte ihm die Nachricht, und erzählte ihm von meiner Begegnung mit S., um ihn von der anderen S. abzulenken. (Es gibt zuviele Vornamen mit S., stelle ich fest). Jedenfalls schrieb ich ihr noch einige Male zurück, und ignorierte das gelegentliche Aufblinken eines gesperrten Anrufers. Ruflistenfilter sind was Wunderbares!
Als T., J., J., und A. nacheinander auftauchten, war auch etwas mehr Stimmung im Laden, und zudem ein Schlüssel für den Getränkeraum. Wir saßen also bei ein paar Bier und palaverten, lachten und freuten uns. Im umgekehrt reziproken Verhältnis zum Bierkonsum sank meine Lust auf eine klärende Diskussion mit S. Und irgendwann rief sie dann auch nicht mehr an.
Ich muss bei Gelegenheit fragen, ob gefilterte Anrufer ein "Besetzt" hören, oder ob es einfach durchklingelt. Bei mir erscheint, ohne daß sich sonst etwas tut, also ohne Lichtspiele oder Herumgehupe, lediglich Name und Nummer des gefilterten Anrufers. Und das auch erst, nachdem dieser wieder aufgelegt hat. Sehr schöne Einrichtung. So kommt man nicht einmal in die Versuchung, abzunehmen. Und nach einigen Minuten Bedenkzeit entscheidet man sich sowieso gegen einen Rückruf. Wozu die Stimmung verderben?
Um Mitternacht bekam noch eine dritte S., ebenfalls blond, und außerdem eine alte Klassenkameradin von mir, eine Nachricht zum Geburtstag. Vielleicht besuche ich sie heute abend, wenn sie zuhause ist.

24.2.05

Elvis

Nachricht von A.:
Ein unbedachtes Wort von wem? S. ist halt ne schwierige Person, außer wenn sie schläft. Wünsch dir noch nen schönen Tag. Bis bald!
Antwort:
Sie hat wahrscheinlich nicht einmal bemerkt, was sie gesagt hat. Aber ich bin richtig ausgetickt. Keiner getötet, kaum Verletzte. Bin eben auch schwierig. Gruß [Texas-Jim]

Und jetzt: A little less conversation, a little more action...
Also Telefon aus. Weil gegen Kolleginnen helfen auch Ruflistenfilter nicht.

Segnungen der Telekommunikation / ROT sehen (V)

Gerade kam eine Nachricht von A., der netten Kollegin von S.
Hallo lieber [Texas-Jim], was hast Du gestern mit S. angestellt? Die sieht ja heute furchtbar aus! Lg A.

Scheint ihr genauso nachzugehen wie mir, der Abend. So kann es ja nicht weitergehen. Ganz oder garnicht. Eben Rock ´n Roll oder nicht Rock ´n Roll.
Ich hasse klärende Gespräche wie der Teufel das Weihwasser, sitze Konflikte am liebsten aus. Doch das ist nicht mehr drin.
Tief Luft holen; Nervensägenfilter am Telefon herausnehmen; Anrufen.
Aber erst heute abend. Das will ich nicht auch noch vor ihren Kolleginnen ausbreiten.

Meine Antwort an A. war übrigens:

Lange Geschichte ganz kurz: Flasche Rama, lustiger Abend, ein unbedachtes Wort, Überreaktion, Fiasko. Und Vollmond. Mir gehts auch nicht besonders. Gruß [Texas-Jim].

Der gesamte Blogeintrag passte leider nicht in die Kurznachricht.

Niemals einer Meinung...

Das Spiel:
Link, gefunden bei Anke (wieder mal).

Das Ergebnis:
Sie dachten an ein Traktor.
Besteht es aus Plastik? Sie sagten Teils, Ich sage Nein.
Hält man es, wenn man es verwendet? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.
Kann es Sie aufheitern? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.
Kann es zur Erholung verwendet werden? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.
Kann man es öffnen und schließen? Sie sagten Vermutlich, Ich sage Nein.
Kennen Sie Lieder darüber? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.
Bietet es Schutz? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.
Kann man darauf reiten? Sie sagten Nein, Ich sage Ja.
Kann man es riechen? Sie sagten Ja, Ich sage Eher nicht.

Die Fragen und Antworten:
29.
Ich schätze, daß es ein Auto ist? Nein.
28.
Würde man es auf einem Bauernhof finden? Ja.
27.
Kann man es riechen? Ja.
26.
Kann man darauf reiten? Nein.
25.
Erfordert es Kontakt mit anderen Menschen? Nein.
24.
Bietet es Schutz? Ja.
23.
Kennen Sie Lieder darüber? Ja.
22.
Wird es von Basketballspielern verwendet? Nein.
21.
Kann man es öffnen und schließen? Vermutlich.
20.
Ich schätze, daß es ein Wohnmobil ist? Nein.
19.
Hilft es bei der Bewältigung von Aufgaben? Ja.
18.
Reinigt man es regelmäßig? Ja.
17.
Ist es draußen? Ja.
16.
Ich schätze, daß es ein Moped ist? Nein.
15.
Kann es zur Erholung verwendet werden? Ja.
14.
Wird es bei einem Sport verwendet? Nein.
13.
Wird es von der Polizei benutzt? Nein.
12.
Ist es etwas, das man mitbringt? Nein.
11.
Enthält es eine Flüssigkeit? Ja.
10.
Besteht es aus Metall? Teils.
9.
Rollt es? Ja.
8.
Kann man es in der Schule verwenden? Nein.
7.
Verwendet man es Zuhause? Nein.
6.
Kann es Sie aufheitern? Ja.
5.
Hält man es, wenn man es verwendet? Ja.
4.
Kann es gewaschen werden? Ja.
3.
Würde man es in einem Büro finden? Nein.
2.
Besteht es aus Plastik? Teils.
1.
Es wird als etwas Anderes eingestuft.


Wir werden hinsichtlich des Erholungs- und Tröstungsfaktors eines handelsüblichen Traktors nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
Und die Fendt-Hymne kennt das Spiel auch nicht? Ein Verbrechen!
Und was bitte bietet mehr Schutz als acht Tonnen Stahl, 135 Pferdestärken, und ein Eimer grüner Farbe?
Vielleicht sollte das Spiel vorher fragen, ob es mit einem Agrartexaner spielt?

Drama in fünf Stunden / ROT sehen (IV)

Eigentlich bin ich davon abgekommen, nachts Einträge zu schreiben. Zum einen weil ich meist zu betrunken bin, wenn es etwas zu berichten gibt, oder aber zu aufgewühlt ob der Ereignisse.
(Es trifft heute beides zu.)
Heute nun will ich damit brechen.

Der Tag lief glimpflich an, das Trainigsprogramm, erweitert um zweimal fünfundzwanzig Seilsprünge, ging mir glatt von Hand und Fuß.
Ich lernte ein wenig, las mehr, und stellte mir eine neue CD zusammen (zur CD-Serie später vielleicht mehr).
Nachmkttags rief P. an, ein Kommilitone von mir, der nur auf die 4,0 lernt, nie zu Vorlesungen erscheint, und trotzdem recht erfolgreich ist. Nach einem halbstündigen Telefonat hatte er mich soweit, ihn zum Lernen und Kopieren einzuladen. Er machte mich mit absurden Aufgaben, Gleichungen und Kommentaren dermaßen wuschig, daß ich sofort hinaus musste, körperliche Betätigung suchend. Ich wuchtete also im Stall sinnloserweise herum, hängte den Futtermischwagen ab und wieder an, freute mich am Jaulen meines Rückens ob der gewuchteten Lasten, und war sinnlos zufrieden.
Ich fuhr gegen kurz nach acht zum Hof meines Onkels. Dort stand der Wagen des Tierarztes. Ich also hinein ins Getümmel von "Prostaglandin" und ähnlichem. Nach vier Trächtigkeitsuntersuchungen, die ich selbst nachvollziehen durfte (diese Lehren sind unbezahlbar!), zwei Zystenbehandlungen und einer Behandlung mit ebendiesem Prostaglandin, war der gute Tierarzt des Redens müde, mein Onkel und ich hatten uns totgelacht, und nach einem kurzen Kontrollgang durch den Stall waren wir fertig fürs Abendessen (zu deutsch: Vesper). Onkel K. ging also voraus, ich stand im Hausgang und versuchte, mich meiner Haix FireFlash zu entledigen (die geben eine extra Geschichte ab). Da stand schon schwankend S. in der Tür, die Tochter meines Onkels, etwas mehr als ein Jahr alt. Mit ausgestreckten Armen wackelte sie auf mich zu, Halt und Schutz suchend, und quietschend vor Begeisterung.
Üblicherweise bin ich bei Kindern etwas zurückhaltend, und je kleiner die Kinder, umso mehr. Man will ja nichts kaputt machen. Doch sie brach das Eis, dachte überhaupt nicht an Zurückhaltung, und warf sich sofort auf mich, mit ihrer Unnachgiebigkeit alle Bedenken wegwischend. Wir spielten beinahe eine halbe Stunde, in der ich völlig die Zeit vergaß, bevor mich Tante E. zum Essen mahnte. Ich setzte S. auf meinen Schoß, und wir aßen gemeinsam. Das verblüffte die Oma, die S. immer vergeblich zum Essen zu bewegen versucht.
Ich war in dieser Zeit einfach nur glücklich, ohne Angst ob der vermeintlichen Zerbrechlichkeit eines Kleinkindes, nur darauf bedacht, sie zum Lachen zu bringen. Meine Freude leuchtete aus meinen Augen, die ihre quietschte sie durch die ganze Küche. Und mein Onkel scheint offensichtlich einen Paten für seine Tochter gefunden zu haben. Kinder sind göttliche Wesen.
Die Nachricht von S., der großen S., wo es denn noch ein Feierabendbier gäbe, war für einen erneuten Freudenausbruch meiner Kleinen verantwortlich, kann sie zwar noch nicht lesen, erfreut sich aber umso mehr am Klingeln des Telefons und an meinem gespannten Gesichtsausdruck beim Lesen. Ich rief S. an, worauf sich unsere gemeinsame Bekannte meldete. Diese wimmelte ich recht brüsk ab, wollte ich doch die beiden S. miteinander bekannt machen. Die Kleine quäkte ein Hallole in den Hörer, die Große war ob meiner Bekundung, mit der schönsten Dame der Welt beim Vesper zu sitzen, etwas auf dem "Ööööhm"-Trip. Mit dem Versprechen, in einer halben Stunde in der JiL zu sein, endeten wir. Also machte ich mich auf den Heimweg.
In der JiL angekommen, trank ich in gemütlicher Gesellschaft das erste Pils. (Halbe ist aus, und der Getränkewart ist im Urlaub). Nach meiner Mitteilung an S., daß ich bereits da sei, betraten sie und unsere Bekannte den Raum quasi unvermittelt, und mit einer Flasche Rama bepackt.
So blieben nach kurzer Verabschiedung S., K. und meine Wenigkeit übrig. S. stellte sich zu uns an die Bar, und fragte, ob heute Vollmond sei. Die Verständnislosigkeit K.s ließ uns nur noch lauter lachen, sind doch nur wir zwei über die Folgen des Vollmondes informiert.
Natürlich war da noch diese Flasche Rama: Wir tranken, prosteten uns zu, und es wurde immer lustiger. Bis S. anfing, ständig Kurznachrichten zu versenden, und uns deren Wortlaut zwar vorzuenthalten, den Inhalt jedoch laut zu repetieren. Außerdem machte sie sich, und das zum wiederholten Male, über meinen Stand lustig. Das alleine kann ich von ihr noch ertragen. Als sie jedoch von einer Begegnung mit S. erzählte, der sie schon einmal bedrängt hatte, ging sie zuweit. S. war ihr bereits zweimal derart nachgegangen, daß sie heulend davongelaufen war. Und jedesmal klingelte bei mir das Telefon, sie schluchzte unzusammenhängend hinein, und mein Puls raste sofort in den Drehzahlbegrenzer. Ich kann sie nicht unglücklich sehen. Daraufhin hatte ich den Kameraden, einen sehr alten Freund von mir, einmal beiseite genommen, und ihm erklärt, er habe seine Finger von ihr zu lassen. Ohne Drohungen. Einfach absolut. Seither funktioniert es halbwegs, die beiden können mittlerweile sogar miteinander reden.
Jedenfalls machte sie sich über meine Intervention lustig. Und das nicht zu knapp. Und das habe ich nun wirklich nicht verdient. Es ist nicht das öffentliche Verspotten, das mich aufregt, es ist das Verspotten an sich. Sie ist sich garnicht bewusst, wieviele Fäden ich schon gezogen habe, um für ihre Bequemlichkeit und ihr Glück zu sorgen. Und jetzt das. Mir blieb mein Lachen im Hals stecken, ich verstummte, trank mein Bier aus, und stand auf, um zu gehen. Da sie, um uns höhenmässig im Blickfeld zu haben, stehengeblieben war, trat sie nur einen Schritt zurück, und nahm eine typische Boxerhaltung ein. In solchen Momenten ist sie nicht bereit, mich gehen zu lassen. Und eine Flucht durchs Fenster wäre nun wirklich übertrieben gewesen. Ich trat einen Schritt vor, meine größere Reichweite und Höhe ausnutzend, und wollte sie etwas zur Seite schieben, um zur Tür zu kommen. Sie sah mich an, und bemerkte, daß ich richtig grantig war. Schon standen wir fauchend aneinander, weil sie mich grantig nie gehen lässt.

Ihre linke Gerade fing ich mit der Schulter, und packte ihre im Drall hilflos fuchtelnde Rechte. Normalerweise fange ich Schläge, indem ich mich beim Aufprall etwas zurückdrehe. Da ich aber wie gesagt grantig war, und keine Lust auf Sperenzchen hatte, drehte ich mich ihrem Schlag entgegen, was sie etwas aus der Koordination brachte. An ihrer Rechten, die bei Schlägen, die aus dem Körper heraus geführt werden, immer eine leichte Gegenbewegung macht, zog ich ein wenig, um die Figur ins Wanken zu bringen, und die Sache abzukürzen. Ich war weder hier, um mich schlagen zu lassen, noch um mich weiter beleidigen zu lassen. Schließlich hatte sie bereits K. von all ihren angeblich durch mich verursachten Narben in Kenntnis gesetzt, da kam es jetzt auf eine nicht mehr an. Mit einem Schwung überkreuzte ich ihre Hände, patschte diese samt anhängender Dame an die Wand, und stellte mich im rechten Winkel, etwas nach vorne gebeugt, dahinter, um mein Gewicht auf ihre Hände legen zu können. Da ihre Verblüffung langsam wich, beugte ich dem bei Damen beliebten Tritt ins männliche Allerheiligste vor, indem ich mich seitwärts stellte und nahe genug herankam, um keinen Schwung ihrerseits aufkommen zu lassen.
Als ich bemerkte, daß keinerlei Gegenwehr mehr kam, sie geradezu unschuldig an mir lehnte, ließ ich sie los, und trat zurück. In diesem Moment war mir der Abend vollends vergällt, denn ein Aufgeben ihrerseits, die sich doch stets zu wehren weiß, macht mich glauben, ich sei viel zu hart mit ihr umgesprungen. Dabei sind solche wie die eben beschriebenen Sparrings zwischen uns absolut gewöhnlich, und enden nicht selten in Blutergüssen und Zerrungen beiderseits.
Ich trat also zurück, drehte mich um zur Bar und trank mein Bier aus. K. war nett genug gewesen, noch eines aufzumachen und mir hinzuhalten. Im Verlangen, meine Aggression (Aggressionen treten bei mir auf, wenn sich jemand nicht so verhält, wie ich vermute: sie war durchaus imstande, mir durch eine Drehung oder einen Tritt Paroli zu bieten, der Griff eines halbbetrunkenen Freundes, der noch dazu nicht darauf aus ist, jemanden zu verletzen, hält sie im Üblichen beileibe nicht auf; durch ihr Nichtreagieren machte sie mich hilflos, da ich gegen Wehrlosigkeit absolut machtlos bin, und nur noch versuche, mich uneschadet zu entfernen) abzureagieren, trug ich Kisten hinaus, und vermied es, sie, die wieder lustig an der Bar saß und Rama kippte, anzusehen. Ich krempelte noch den Getränkeraum um und ging hinaus, wo beide auf mich warteten. K. war ob des plötzlichen Umschlags von einem netten Abend in einen wortlosen, eiskalten Konflikt, sprachlos. Ohne ein Wort machte ich mich auf den Heimweg, und behielt meinen Kommentar zum herabscheinenden Vollmond für mich.

Zur Ergänzung: S. macht seit Jahren TaeBo, und unser Sparring mag für Außenstehende vielleicht etwas wüst aussehen, doch verletzen wir einander nie. Ich erhebe auch nie die Hand gegen eine Dame, würde nie eine Frau berühren, die diese Berührung nicht ausdrücklich gutgeheissen hat.
Genau deshalb verstört mich ihr plötzliches Aufgeben, wo ich doch ihre körperlichen Grenzen sehr gut kenne.
Außerdem kennt sie Mittel und Wege, mich zu kontrollieren, ohne dabei handgreiflich zu werden. Und mein einziger Ausweg davor ist eben die Flucht, die sie mir unmöglich gemacht hat, indem sie sich vor die Tür stellte. Soll heißen, ich muß, will ich mich nicht ergeben, gehen, sonst bin ich machtlos, und ließe auch derartige Beschimpfungen über mich ergehen. Sie weiß sehr genau, wie sie mich kontrollieren kann. Daß sie es gegen meinen Willen tut, und ich dabei eine glühende Wut empfinde, stört sie nicht.

An Sylvester, als ich einer Bande von Störenfrieden nachging, die vor der JiL herumlungerten, und diese des Geländes verweisen wollte, war es ähnlich. Die Kerle, zu fünft, umringten mich und meinten, den starken Mann markieren zu müssen. Mit meinen Erklärungen und Bitten, das Gelände zu verlassen, war es vorbei, als sie einen Freund von mir anfingen, zwischen sich hin und her zu schubsen. Altes Spiel: Drehzahl im Begrenzer, Gehirn abgeschaltet, nach vorne stürmen, Gewalt üben, den Weg hinunter ins Gemenge. Durch den schieren körperlichen Aufprall löste sich der Menschenhaufen etwas, und ich brüllte die letzte Herausforderung.
Damals trat sie mir in den Weg, und hielt mich einfach leicht an der Hand. Ich stand, zitternd und ohne zu begreifen, was sie tat, aber ich stand. Ich konnte weder etwas sagen, noch versuchen mich loszureißen. Ich hatte das noch nie zuvor erlebt, ich war betäubt, gebannt, hatte keine Kraft mehr. In mir rumorte blinde Wut, und fand kein Ventil. Und das Schlimmste war, daß die Wut auf die Störenfriede gegenüber dem Hass auf sie zurücktrat.
Sie führte mich den Weg hinauf, langsam, ohne ein Wort, und in die Kellerbar.

Seither habe ich Angst. Angst davor, kontrolliert zu werden, Angst, was passieren kann, wenn ich einmal doch durchdrehe, und mich gegen sie wende. Lieber laufe ich davon.

Wie auch immer: Für die nächsten Tage will ich meine Ruhe, will nichts über ihre Begierden bei Vollmond wissen, ihre Begegnungen, ihre Zusammenbrüche, bei denen ich ihr wieder aufhelfen darf. Es ist allerdings unmöglich, ihr zu widerstehen, wenn ich sie sehe und mit ihr rede. Doch das lässt sich ja vermeiden. Wozu gibt es Spamfilter im Telefon?

23.2.05

ROT sehen (III)


http://www.simonhoegsberg.com/

Gefunden bei Anke.

Ansonsten sage ich nur kurz, daß der gestrige Abend ein ganz toller war. Ich hatte gerade noch eine mir unbekannte Dame mit dem Schlepper aus dem Graben gezogen, weil mich meine Tante darum gebeten hatte. Genaugenommen hatte ich nicht die Dame, sondern ihren Kleinbus aus dieser mißlichen Lage befreit. Daß die Dame mich ständig beim Vornamen nannte ist zwar nicht schlimm, aber befremdlich, dachte ich doch stets, ich kenne jeden aus meinem Dorf.
Wieder zuhause und fertig mit Stall und Abschleppdienst, rief ich S. an. Sie ging nicht ans Telefon, also ließ ich es gut sein, und setzte mich zum Abendessen.
Keine zehn Minuten später rief sie zurück, sie sei in zehn Minuten daheim und "komm doch vorbei!" Also machte ich mich auf, Arbeits- gegen anständige Kleidung wechseln, den Laptop einpacken, und die üblichen Kommentare ob meiner Affinität zu rothaarigen Damen von Seiten meines Vaters einsteckend.
Ich beschloß, zu Fuß zu gehen. Ich meine, wenn man einmal anfängt, die Menschen in seinem eigenen Dorf nicht mehr zu kennen, muss man anfangen, sich zu Fuß fortzubewegen. Man sieht mehr. Außerdem wurde ich zum zweiten Mal gefragt, ob ich denn mein Auto verkauft hätte, es stünde doch so oft in dieser Straße. Und anders als beim ersten Mal bin ich nicht mehr geplatzt vor Lachen. Es stört mich noch nicht, Ziel des Dorfklatsches zu sein, gewöhnt bin ich allerdings auch noch nicht daran. Schließlich lief ich jahrelang unter der Rubrik "langweilig-fleißig". Mittlerweile wahrscheinlich als "langweilig-fleißig-durchgedreht", was ausreicht, meine drei Motorräder, meine Studien- und Frauengeschichten (wobei erstere in größerer Zahl auftreten), meine Arbeitsunfälle (beim Abriß eines Schuppens vom Dach gefallen, und vergeblich versucht, es zu vertuschen) und Zornesausbrüche (auf offener Straße angehalten, und scheinbar sinnlos minutenlang auf den Hinterreifen eingeprügelt) in voller Länge durchzuhecheln.
Angekommen, stand sie oben an der Treppe im Gegenlicht, und ich kam nicht umhin, ihren Rock als im weitesten Maße durchsichtig zu bezeichnen und ihre Beine als einer Sportfanatikerin absolut angemessen (für ihre Länge kann sie ja nun wirklich nichts). Im Wohnzimmer auf dem Boden sitzend sortierte sie Lebensversicherungen, Bausparverträge und Telefonrechnungen. Ich hielt den angemessenen Abstand vor fremden Schriftstücken, und setzte mich zunächst aufs Sofa. Da sie aber jedes Schriftstück laut vorlas, konnte ich mich genausogut dazusetzen. Wir amüsierten uns königlich bei den Policen, deren Ablauf bis auf die Minute geregelt ist: bei "Ablauf 1.1.2010 - 12:00 Uhr mittags" musste ich doch heftig grinsen, was sie zu der Frage verleitete, ob ich denn nicht glaube, daß sie noch solange zu leben hätte. Ich dachte allerdings eher an "High noon".
Ihre Telefonrechnung erinnert an einen Groschenroman. Leider nicht vom Preis, sondern von der Seitenzahl. Und als wir die Einzelverbindungen nachblätterten, fiel ihr ein Gespräch von fast zehn Minuten Länge um kurz nach vier Uhr morgens auf. Da sie die Nummer nicht auswendig wusste, tippte sie diese in ihr Telefon, und wählte, um sich zu nachträglich für die nächtliche Störung zu entschuldigen.. Als mein Telefon zu hupen begann war ich fast schon reif für eine Herz-Lungen-Wiederbelebung. Nach kurzer Suche fanden wir noch einige dieser Gespräche, mitten in der Nacht, sehr länglich und von beider Seite ohne jede Erinnerung an das Gesagte. Sie dachte übrigens nicht im Traum daran, sich bei mir zu entschuldigen.
Da die Anzahl an Schriftstücken zum Sortieren begrenzt war, fläzten wir uns auf dem Sofa und besprachen die Notwendigkeit, jetzt sofort eine Flasche Ramazzotti zu köpfen. Da sich meine Begeisterung für dieses klebrige Zeug sowieso (nach schlechten Erfahrungen) und dienstagabends überhaupt in Grenzen hält, ließen wir es dabei, ihr am Wochenende den Garaus zu machen, und tranken Wasser.
S. zog sich etwas Bequemeres an, und ich schaltete den Fernseher ein, und blieb bei dem Fußball hängen. Daß wir davon trotzdem nicht einmal das Ergebnis mitbekommen haben, lag an den Partybildern vom Club72 auf meinem Laptop und den Gesprächen über Kindheit, Freunde, Blutzuckermessgeräte, Familienfeiern, Gott und die Welt.
Um Nähe zu erzeugen ist ein Laptop übrigens sehr zu empfehlen, da man die Köpfe eng zusammenstecken muß, um für beide akzeptable Sichtbedingungen zu schaffen. Bilder auf Mobiltelefonen sind nebenbei noch besser für Derartiges geeignet. Kurz gesagt: Ich gab ihr den Laptop und mein Telefon, und drehte mich in Richtung Fernseher.
Als wir die Bedienungsanleitung des Blutzuckermessgeräts suchten, die sie sinnigerweise in einer der Kisten mit ihren Fotos aufbewahrt, fielen uns alte Liebesbriefe in die Hände, vor denen ich wieder (gleiches Spiel wie oben) den gehörigen Abstand wahrte, bis sie begann, laut vorzulesen. Ich denke, die Tatsache, daß diese Briefe teilweise zehn Jahre alt sind, und von einem Menschen, der mittlerweile verheiratet ist und drei Kinder hat, stammen, relativiert die Unanständigkeit unseres Tuns wieder. Den Gedanken, ihr mehr als einige Zeilen zukommen zu lassen, habe ich mir aber damit ausgetrieben. Abschlussballfotos, alte Tagebücher, vor uns war nichts sicher. Und das "...daß du mit vierzehn (!) noch fremdgehen, abends nach der Disco wildfremde Jungs abknutscht..." (Schreibfehler und Ausrufungzeichen sind original!) wird mir Material für unzählige Kalauer ihr gegenüber liefern. Ähnlich wie mein Freudscher Versprecher beim Vorlesen ihres Berichtes in der Abizeitung: Anstelle von "ziemlich umgänglich" las ich "ziemlich zugänglich" , was doch sehr zur allgemeinen Erheiterung beitrug.
Außerdem brachte mich das auf meine eigene Zeit mit vierzehn, die so komplett anders verlief als die ihre, und über die ich bei Gelegenheit gesondert berichten werde.
(*) Nachdem wir das Chaos auf dem Fußboden beseitigt hatten, machte ich mich auf den Heimweg. Und ich durfte sie, nun nicht mehr im Rock, erneut vom Fuß der Treppe im Gegenlicht betrachten.
Heute morgen fiel mir auf, daß gestern Vollmond war. Und ich grüble, was aus dem gestrigen Abend hätte werden können. Verfluchte Champion´s League!


____________
(*): Eigentlich wollte ich im zeitlichen Rahmen ja etwas Platz für eine amouröse Begebenheit lassen, aber nach der Diskussion bei Lyssa werde ich dieser Traumblase gleich die Luft ablassen. So vermelde ich noch, daß ich etwa zehn Minuten später zuhause war, und noch dreiviertel Stunden Schnee geschippt habe, um überhaupt schlafen zu können.

Fünf Dinge...

...an denen man erkennt, daß man aufräumen sollte:
  • Ich muß zum Radio laufen, um lauter zu stellen, weil die Fernbedienung fehlt
  • - Der Weg zum Radio ähnelt einem Slalom
  • -- Das Radio selber ähnelt dem Mount Everest, nachgebildet aus CD-Hüllen
  • Ich kann nicht telefonieren, weil ich das Gerät nicht finde
  • - Ich benutze das normale Telefon, um mein Telefon zu akustisch zu orten
  • -- Wo ist das verfluchte normale Telefon?!
  • Ich möchte nachts nicht ohne Licht aufstehen, aus Angst, zu fallen
  • - Ich finde nicht einmal den Lichtschalter
  • -- Licht?
  • Ich habe eine Maus zur Mitbewohnerin
  • - Ich bemerke sie erst, als sie fiept, weil ein Bücherstapel über ihr zusammenbricht
  • -- Ich finde sie erst mit einem Suchhund
  • Ich möchte niemanden in meinem Zimmer haben
  • - Es liegt nicht an den Postern an den Wänden
  • -- Wo ist die verdammte Tür?

Keine Sorge, so schlimm ist es noch nicht.

22.2.05

You make my day

Kevin Johnson - Rock ´n Roll (I gave you all the best years in my life)

Einer der schönsten Songs, die ich je gehört habe. Ich freue mich auf meinen Musik-Server im Zimmer, auf das Nichtsuchenmüssen von verstaubten CDs. Allerdings gehen mir dann sicher auch die Aha-Effekte verloren, wenn ich auf CDs stoße, die ich schon Jahre nicht mehr gehört habe. Aktuelles Beispiel: MR. President - Where do I belong von der Nightclub-Platte. Wunderschön belangloser Pop.
Ich freue mich außerdem auf die Ferien nach den Prüfungen, wenn ich mich abends nach einem Tag voller Arbeit ins Bett werfen werde, auf den Abend mit S. und den Jungs verzichte, und mir im Bett zu guter Musik einen ansaufen werde. Ich werde wieder nächtelang stumm mit voll aufgedrehten Kopfhörern schreien, wenn ich "Mietzie´s Song" höre.

Ich werde mich morgens zu unmenschlichen Zeiten aus dem Bett quälen, absolut unansprechbar meine Stallarbeit machen, beim Kaffee etwas auftauen, die Tage über alles herrichten, was ich unter der Saison brauchen werde; ich werde Gewaltaktionen starten, die meinen Chef kopfschütteln machen, die meinen Ruf des verrückten Agrartexaners wieder auffrischen, daß abends an den Stammtischen meine Person mal wieder Thema des Tages ist. Ich will nicht durch die kranken Aktionen auffallen, die junge Leute eben starten, wenn sie im Winter vor Langeweile und überschäumender Lebensbejahung durchdrehen, sondern durch Sturheit. Mein sturer Kopf sagt mir, wenn ich weitermachen muß, obwohl ich nicht mehr kann, wenn ich "Es gibt nur ein Gas - Vollgas"-grinsend mein Kreuz weiter ruiniere, zweiunddreißiger Ringschlüssel abreiße, mich gegen meine widerspenstigen Bullen stemme. Ich will wieder an meinen eigenen Urschreien erschrecken, wenn einhundertachtzehn Pferdestärken im Acker nicht ausreichen, will bei offener Front- und Heckscheibe auf dem Gas stehen, wieder mein ganzes Gewicht mit einem Ruck einsetzen. Ich will abends schwarze Wurst essen, büchsenweise, über Diäten lachen und meine sommerlich ausgemergelten Wangen und meinen verbrannten Nacken wiederhaben. Ich will mich wieder über Belanglosigkeiten streiten, unbedachte Reden ohne Rücksicht auf Konsequenzen halten, in himmlischer Freude mit Freunden lachen, Zornesausbrüche haben, bei denen endlich wieder etwas zerbricht. Tiefsinnig-trunkene Diskussionen, alte wie neue Brüderschaften, Gewalt gegen mich selbst und andere, mich unbezwingbar fühlen, andere mitreißen, mitgerissen werden. Leben.

Meine Version des Lebens eben.

Schließlich ist das Leben nach Schopenhauer nicht darauf ausgerichtet, uns glücklich zu machen. Und nur, wer diese These annimmt, kann überhaupt etwas Glücksähnliches erreichen. Die Abwesenheit des Schmerzes.
Immer, wenn ich Schopenhauer lese, glaube ich ihm. Und versuche dann schnellstmöglich wieder, ihn zu vergessen. Und stürze mich erneut ins Unglück.
"Oh nein, nicht schon wieder," wie bereits der berühmteste Petunientopf der Galaxis sagte (Douglas Adams A hitchhiker´s guide to the galaxy).

Ein anderer Mensch sagte, man könne nur Menschen hassen, die man liebe. Liebe und Hass gehören zusammen. Hass ist das Komplement der Liebe, ihr Gegenteil wäre Gleichgültigkeit (G.A. McKevett - Nicht ohne meine Schokolade; einer der philosophischsten Groschenromane, die ich kenne).

Und gleichgültig bist Du mir nicht, weiß Gott. Du wirst mich ertragen, mich bändigen. Wir werden uns verletzen und versöhnen, ich werde davonrennen und zurückkommen.
So schmeckt der Sommer. Hier bei uns.

21.2.05

Die happy

Endlich - die neue Saison hat begonnen, der Agrartexaner ist aus seinem Winterschlaf erwacht und auf der Suche nach fescher Musik.
Die Einkäufe der letzten Woche waren Hartmut Engler - Just a singer, Adam Green - Gemstones, Nick Drake - Pink Moon, 3 Doors Down - Seventeen times und Achim Reichel - Große Freiheit. Bewertungen werde ich keine abgeben, weil Musik eben Geschmackssache ist. Und das sagt jemand, der von PUR über Blind Guardian und Heinz-Rudolf Kunze bis zu Edguy und den böhsen onkelz alles hört, was ihm gefällt. Ich schreibe niemandem etwas vor, dafür lasse ich mir dasselbe aber auch nicht. Einverstanden?
Am 19.3. spielen Psychopunch im Rock-it in Aalen. Nachdem ich bei einer Bekannten im Auto die CD gehört hatte, war ich hin und weg.
Außerdem gibt es die neue Liste für das Rock am Härtsfeldsee 2005. Die Happy werden dabeisein, Liquido und viele mehr. Die anderen sagen mir leider garnichts, aber nach den beiden obengenannten Bands kann man mich höchstwahrscheinlich sowieso abtragen.

Außerdem hat S. gerade angerufen, und wir haben am Telefon eine glatte halbe Stunde gequatscht. Wie schön. Ich mag es, wenn sich Leute noch melden, die mir Geld schulden. Alle anderen übrigens auch. Ausnahmen gibt es zwar, aber die kann ich an einer Hand abzählen. Und die sind nicht einmal eine Erwähnung wert. Ich strafe Menschen, die ich nicht mag, oder die mich verletzt haben, der Einfachheit halber durch totale Ignoranz. Und spätestens, wenn diese Personen mich um etwas bitten müssen... Rache ist eben süß. Und Texaner vergessen nie. Vor allem lassen sie sich nur einmal einen Zigeuner nennen. Ich lächle, drehe mich auf dem Absatz um und denke mir eben meinen Teil.

Geteilt

Wenn ich verschiedene Blogs lese, stellt sich mir manchmal die Frage nach dem Sinn der geliebten Kategorien, in die viele Blogger ihre Einträge ordnen. Und einmal angedacht, war der Weg nicht mehr allzuweit zu den eigenen Kategorien.
Und es fielen mir keine ein.
Klar könnte ich eine Kategorie "S." nennen, eine andere "Agrartexaner", und eine dritte "Uni". Aber wäre das richtig, vollständig und korrekt?
Wenn ich diesen Gedanken weiterdenke, komme ich dazu, manche Einträge doppelt einzuordnen. Damit würde ich aber den Sinn einer Katalogisierung ad absurdum führen. Weiter bedingen sich die Handlungsstränge meines Lebens gegenseitig. Alle meine Bekannten kennen sich untereinander (jedenfalls größtenteils). Das Leben ist eben kein Film, in dem man mal so eben zwischen den Handlungssträngen, zwischen Gestern und heute hin und her springt. Zumindest nicht, solange diese miteinander derart verknüpft sind, daß eines stets das andere bedingt und/oder beeinflusst.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf fiel mir der grundlegende Unterschied der meisten Blogs im Gegennsatz zu dem Tagebuch, das ich eine Zeitlang führte, auf. In einem Tagebuch muß ich mich nicht erklären, ich kenne ja meine Geschichte. Und meine Personen.
Im Blog, das öffentlich ist, muß ich Handlungen erklären, Personen einführen und auf frühere Einträge verweisen, damit der Leser sich in die Geschichte finden kann. (Nebenbei bemerkt, wie gerade die Diskussion bei Lyssa tobt, zeigt sich, daß mancher auch den Wahrheitsgehalt eines Blogs nicht für voll nehmen mag. Doch sind meine Geschichten stets passiert, wenn auch vielleicht etwas überspitzt formuliert.)
Und genau hier gibt es zwei Arten von Blogs: Der eine erzählt einfach aus seinem Leben, erzählt, was ihn bewegt, was ihm passiert ist, vor welcher Entscheidung er steht. (Er veröffentlich im Allgemeinen etwas öfter.)
Der Andere erlebt etwas, das ihn bewegt, reflektiert, nimmt Bezug auf seine eigene Geschichte, oder die anderer, und schreibt dann einen regelrechten Artikel zu einem Thema. D.h. er teilt nicht alle Episoden seines Lebens mit, sondern wählt stärker aus, und verallgemeinert dann, bzw. bildet sich eine Meinung und stellt diese zur Diskussion. Dies macht den eher den Eindruck eines "lesbaren" Blogs, da die Einträge in sich abgeschlossen sind, und vielleicht den einen oder anderen Denkanstoss enthalten.
Zu welcher Art gehöre ich? Mal wieder zu keiner. Ich veröffentliche sowohl komplette Artikel ein Thema betreffend, als auch wahllos, was mir im Kopf herumgeistert und was mir passiert ist. Eine Art geistiger Verdauung von Ereignissen, denke ich. (Und im Gegensatz zur heutigen Auffassung eines "guten" Autors verwende ich eine persönliche Schreibweise, was auch den Chefredakteur der FAZ bereits zur Verzweiflung getrieben hat, als ich mich weigerte, eine meiner Geschichten zu ändern.)
Mir scheint, der Trend geht zum Zweitblog.
Dazu sollte ich vielleicht sagen, wie ein Artikel bei mir entsteht. Wie grundsätzlich alle meine Schriftstücke aus einer Augenblickseingebung, einem Gedankenblitz. In diesem Moment muß ich schreiben, mich ausdrücken. Und wie der Appettit beim Esseb kommt, entstehen weitere Ideen beim Schreiben. Ein Beitrag von mir hat also keine vorgegebene Richtung, was ihn manchmal etwas zusammenhanglos erscheinen lassen mag. Zugegeben. Ich saß bereits vor Aufsätzen, habe mir den Kopf heißgeschrieben und am Ende festgestellt, daß ich das Gegenteil von dem bewiesen hatte, was ich sagen wollte. So stellten meine Schlußsätze des öfteren meine zu Anfang aufgestellten Thesen auf den Kopf, was meinen guten Herrn R., den besten Deutschlehrer, den ich je zur Verzweiflung treiben durfte, stets zum Schmunzeln brachte.
Schwieriger wird es beim Schreiben an der Maschine. Hier kann ich einfügen, löschen und muß vor allem langsamer schreiben. Diese Zwänge treiben mich stets mehr vom Thema ab, als ich es will, und lassen mich Widersprüche korrigieren, die vielleicht interessante Fragen aufgeworfen hätten. (Wozu wäre ein Paradoxon sonst gut? Eine Argumentation, der man von der Anfangsthese weg folgen kann, und die schließlich auf eine Gegenthese führt, also ihrem eigenen Ursprung das Wasser abgräbt, und sich selbst unmöglich macht. Sympathisch, was?)

Ich werde es weiterhin so halten, daß ich wahllos aufschreibe, was mir passiert ist. Und wenn mich ein Thema einmal so bewegt, daß ich es weiter ausführen will, werde ich auch das tun. Und zwar genauso kategorielos wie bisher. Wozu gibt es (aussagekräftige) Überschriften? Und weshalb reisst mich jetzt das Telefon aus meinen Gedanken?

20.2.05

Langeweile


Ich dachte garnicht, daß ich so etwas noch kenne: Ich sitze auf dem Sofa mit dem Laptop, und weiß nicht, was ich tun soll. Kann man die Sonntage nicht einfach abschaffen?


Das ist übrigens der Bauwagen der Junioren bei Nacht. Stimmungsvoll. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Bilder


...sagen eben mehr als Worte. Und nachdem ich jetzt etwas Webspace gefunden habe, der auch das Verlinken einzelner Bilder erlaubt, werde ich auch ein paar Bilder aus dem Telefon hier präsentieren. Natürlich in der gewohnten Nichtqualität von Bildern, die mit Apparaten gemacht wurden, die garnicht dafür vorgesehen sind. Aber egal.
Und jetzt schiebe ich meine depressive Stimmung als unbegründet beiseite und gehe ab - Richtung Stall. Sogar meine Futterrationen sind jetzt auf dem Telefon gespeichert - kann also garnichts mehr schiefgehen. Und frische Luft täte mir auch ganz gut. Also nichts wie raus jetzt! Bilder gibts später.

Bauerntreff


Gestern war ja Saisonauftakt beim Cheffe. Und es waren alle da. Zehn Bauern, zehn Fahrer, zehn Junge Leute (noch nicht einmal der Chef ist dreißig), die es alle nach dem langen Winter im Gasfuß juckt, die nochmal das Witzigste der letzten Saison erzählen, die gemeinsam vespern und trinken. Warum kann nicht jeden Abend so ein Fest sein?
Und S. musste mich nicht einmal holen, weil D. ja zu seiner Freundin fuhr. Und die ist glücklicherweise meine Nachbarin.

Heute morgen kurzes Telefonat mit S. Sie hat sich mit ihrem Auto dem Auto ihrer Mutter vor dem Bauwagen festgefahren, und die Junioren mussten sie freischaufeln. Anscheinend war es eine Heidenaktion. Daß mir das auch schon passiert ist, muß sie ja nicht wissen. Außerdem schien sie sehr bedrückt zu sein. Mehr als man nach einem Abend mit einem guten Bekannten und anschließender Flasche Rotwein zuhause erwarten sollte. Und mit dem Auto steckenzubleiben ist ja kein Beinbruch, vor allem wenn nichts passiert.
Wenn sie heute nachmittag noch vorbeischaut, werde ich sie danach fragen.

Außerdem war ich gestern nachmittag mit S. und ihrem Patenkind M. in dem alten Hühnerstall, den sie ich zur Katzenvilla umbauen will soll. Mit M. einen Schneemann gebaut, Käffchen mit S., ihrer Mutter und dem Nachbarn. Mit dem Patenkind auf dem Fußboden im Wohnzimmer gebastelt und gespielt. Eingeschlafen zu Benjamin Blümchen.
Ich möchte doch eine Familie gründen. Aber heute nicht mehr, und morgen nicht gleich als erstes. Vielleicht mit einer Bäuerin?

19.2.05

2001

Damals...


Das war eine geile Zeit. Aber davon verstehen Musiker ja nichts.

Ach ja: Auf dem Radlader sitze ich. Und dank meines Einspruches haben wir die Kiste nicht gekauft.

Ach doppelja: Warum kann es nicht schon wieder September sein (maishächseln)? Oder wenigstens Mai (Mais säen)? Oder vielleicht nur etwas weniger Schnee? Bitte...

Von null auf hundert oder: Autochen wechsel Dich!


Gestern abend kam S. vorbei, um noch kurz was im Internet zu bestellen. Sie hat sogar vorher angerufen, und gefragt, ob sie so spät überhaupt noch hereinplatzen dürfte. Da war es grade acht durch - sie wird doch wohl nicht schüchtern werden?
Bestellt haben wir bei Mägde und Knechte, einer Klamottenfirma (ich weigere mich, sowas ein "Designerlabel" zu schimpfen) aus Hamburg. Die Hemden sind ja schon nett, aber die Preise treiben mir die Tränen in die Augen. Das hat S. nicht gestört, und so gingen wir mit einer Rechnung von starken hundertfünfzig Euro aus dem Haus. Und das einzige, was mir gefallen
hatte, wurde mir von ihr verboten.

Ganz schön empfindlich die Dame, in Bezug auf ihre Haarfarbe. Daß ich ob meiner Begeisterung für dieses Teil auch ihre Lieferung bezahlen darf, entspricht offensichtlich höherer weiblicher Logik.
Weil ihr Auto in der Werkstatt ist (an ihrem Astra ist so gut wie alles tot, was man nicht unbedingt zum Fahren benötigt), mein Auto keinen Sprit mehr hatte und auch nicht wirklich standesgemäß ist, mein Vater mit seinem Auto unterwegs war und der Wagen meiner Mutter alte Winterreifen draufhat, gingen wir mit dem Auto ihrer Mutter.
Bei den Junioren im Bauwagen war kein Licht und ergo niemand da, deshalb schlug ich den geplanten Besuch auf dem Beiswang vor.
Auf dem kurzen Fußmarsch hinunter hielt sie immer wieder witternd die Nase in den Wind und meinte: "Lass es keinen Glühwein sein..." Auf meine Frage, wer denn nun die Heimfahrt übernehmen solle, bekam ich sofort und kommentarlos Schlüssel und Handtasche (eine Tasche von den Ausmaßen eines mittleren Bierzeltes) in die Hand gedrückt.
Jedenfalls habe ich mich bei einem Pils und unendlich vielen Spezis (ein Spezi ist quasi Cola-Fanta, oder gibt es dafür einen richtigen Namen?) prächtig an den Räuschen der anderen begeistert, habe mal wieder eine Weile mit T., H. und seiner Schwester A. palavert, und mich gefreut, daß sie sich gefreut hat, mich zu sehen.
Aber um Mitternacht war dann auch Schluß mit lustig, schließlich ist heute wieder Lernen angesagt. S. meinte, ich müsse nicht nur wegen ihr dableiben. Wie großzügig! Und so schnappte ich mir dann das Auto ihrer Mutter, und machte mich auf den Heimweg. Knapp zwei Stunden später durfte ich nochmal raus, und S., S., P. und B. abholen, die etwas verloren schwankend am Straßenrand standen. Und niemand verlor auch nur ein Wort darüber, daß ich innerhalb von zehn Minuten aus dem Bett auf dem Beiswang war.
Also erst Bargau, dann Böbingen, dann Heuchlingen.
Auf der Fahrt durften wir uns das Geheule von B. anhören, inklusive ihrer Lebensgeschichte und begleitender Lebensgeschichten aller beteiligten Personen. Und sie erwähnte ständig im Unschuldston, wie gut S. und ich es doch hätten. Im größten Weltschmerz (und dazu mit einigen Glühweinchen im Kopf) findet diese Frau noch immer Zeit, sich für fremde Beziehungen oder eben Nicht-Beziehungen zu interessieren. Außerdem verwendet sie einen völlig veralteten von meinen Spitznamen, und bemerkt es überhaupt nicht, wenn mich darunter kaum einer erkennt und ich immer grantiger werde, weil ich diesen noch nie mochte.
Als wir B. auch zuhause abgestellt hatten, war natürlich S. wieder deprimiert, weil anscheinend die ganze Welt ihren Frust bei ihr ablädt und von ihr Hilfe in allen Lebenslagen erwartet. Als ob sie die Beziehungsexpertin Nummer eins wäre. Um ihr Gelegenheit zu geben, ihren Frust wiederum bei mir abzuladen, und weil ich ihr auch gerne zuhöre, tuckerten wir also mit sechzig heimwärts. Meinen alltäglichen Rüffel von wegen: "Texas-Jim! Fahr anständig! Sonst fahre ich!" hatte ich ja gleich zu Anfang der Fahrt bekommen, und so fiel ihr erst nach einiger Zeit auf, daß ich so langsam fuhr.
Schließlich und endlich kamen wir aber doch bei ihr an, und sie bedankte sich artig und entschuldigte sich sogar, daß ich jetzt heimlaufen müsse (grob geschätzt zweihundert Meter). Was haben die ihr in den Glühwein getan, und wo bekomme ich das her?
Außerdem haben wir noch geklärt, daß ich heute abend alleine zum Saisonauftakt gehen werde, und sie mich dafür abholen darf. (Diese Zutat im Glühwein muß man doch ausnutzen!)

18.2.05

Überwacht


Eben kam mein Vater zum Käffchen hoch, und hat ganz nebenbei gefragt, ob ich denn im Internet herumrennen würde. Oder etwa schon wieder bloggen?
Hat also jetzt das Weblog die Welt der eingefleischten Linuxer, wie mein Vater einer ist, erreicht? Und hat er es endlich geschafft, einen Ersatz für seinen LANmonitor zu finden, wo sich der Router gegenüber Pinguinen bislang doch recht zickig verhielt?

Oder: Big Daddy is watching you...

Ich sollte mir öfter über die Schulter sehen.

ROT sehen (II)


Kleiner Auszug aus den gedanklichen Irrungen, als ich mal wieder an einem Brief saß:

[...]
Oder ich versuche zum hundertsten Mal, mich ihr gegenüber zu erklären, und versage zum hundertsten neunundneunzigsten Mal allein schon daran, daß mir nicht klar ist, was ich eigentlich erklären soll? Daß ich sie jede Minute vermisse? Daß sie es geschafft hat, mich von meinem Bock (im Oktober beim Maishächseln) herunter auf ihr Sofa zu ziehen? Daß mir das noch nie passiert ist? Daß ich mir viel mehr Gedanken mache, viel mehr deute, was gesagt und getan wird? Tue ich das denn? Manchmal überrascht sie mich in ihrer Deutung dessen, was ich sage, doch sehr. Wenn sie mich dann anschreit, sie wäre nie "zweite Wahl", und ich habe garnicht bemerkt, von was ich redete?
Inwiefern sind wir füreinander wichtig? Warum müssen wir uns gegenseitig bis auf das Messer reizen?
Und warum, verdammt, habe ich soviel Angst vor ihr, daß ich vor jeglicher physischer Berührung davonrenne, wie auch vor Diskussionen, die vielleicht etwas ausgraben könnten, das ich lieber versteckt halten würde?
Wie kommt es, daß ich mich oft derart verletzt fühle, daß ich beschließe, sie nie wiederzusehen? Und wieso scheint es ihr soviel wert zu sein, daß sie mich genau dann nicht loslässt?
Wie hat sie es geschafft, diesen Platz in meinem Leben einzunehmen? Und gleich so viel davon? Weshalb? Werde ich nur kontrolliert, "bespielt", dressiert und irgendwann weggeworfen?


Können wir nicht einfach Freunde sein?
Und wann geht endlich die Motorradsaison wieder los, damit ich meine Gedanken wieder in Hochgeschwindigkeitsadrenalin ersäufen kann?

Ferien


Endlich Ferien, endlich Prüfungszeit!
Von HM3 bin ich ja abgemeldet, was meiner Mathepanik doch recht gutgetan hat. (Ich verspreche übrigens, im Sommersemester Mathe zu machen, jaja...). Und in TM2 sind zwar ganz nette Aufgaben dabei, aber sicher nichts Unmögliches. Zuversicht!
Elektrotechnik und VWL sind ja noch so weit weg (17. bzw. 24. März).

Und meine Disziplin wird heuer unglaublich sein. Könnte auch daran liegen, daß ich sowieso morgens und abends in den Stall gehen werde, und dazwischen lernen und endlich meinen Trainingsplan für den AlbExtrem 2006 beginnen, für den ich bei einer blödsinnigen Wette zugesagt habe.

Morgen abend ist Saisonauftakt 2005 beim Chef. Das wird ein Fest! Ich muß nur noch S. dazu überreden, daß sie mich abholt. Beim ersten Versuch gestern war sie der festen Überzeugung, auch auf dieses Fest zu kommen, anstatt mich nur zu holen. Das werde ich irgendwie verhindern müssen. Sonst wird das Ganze kein Fest, sondern das übliche Fiasko. Sie würde den ganzen Abend die Runde unterhalten, und das gemütliche Fest mit Benzin- und Dieselgerede total durch ihre Präsenz untergraben. Heute abend werde ich sie vielleicht etwas provozieren müssen, wenn sie vorbeikommt. Aber sie ist nie lange genug grantig, um nicht dahinzugehen. Vielleicht bitte ich sie auch einfach nur, nicht zu kommen? Genug Autorität, um ihr zu befehlen, besitzt nicht einmal der Kaiser von China.
Oder ich gehe heute abend mit ihr zum Après-Ski-Fest der Jungs vom Beiswang. Da könnten wir uns so nett streiten, daß sie morgen abend in eine andere Richtung zieht. Armselig von mir, ich weiß. Aber sonst werde ich ihr nicht Herr.

16.2.05

Feuer!


Früher (und auch heute noch!) waren es die Jungs vom originalen Hiddale zu Laudra, die füreinander durchs Feuer gingen.
Heute sind die Junioren auf dem besten Wege dazu, diesen Status für mich einzunehmen. Ich musste im Stall noch meine Rinder rauslassen, weil ich doch keine Lust mehr zum Besamen hatte, und bin mit dem Polo so richtig schön im Schnee steckengeblieben.
Ohne einen Kommentar haben mich die Jungs rausgehievt, in den Sonntagsklamotten und mit einer Freude am Wuchten, daß es jedem Orthopäden vor Freude die Tränen in die Augen treibt.
Kein Ton zu meinem Fahrstil, kein Ton zu stundenlangen Telefonaten über WLAN undsoweiter vom Bauwagen aus, nur diese brachiale, alles erschlagende Hilfsbereitschaft. Ich scheine auf dem Weg zu sein, hier etwas wiederzufinden, was ich bereits abgehakt hatte.

Danke, Jungs!

Ja, ich kaufe neue Winterreifen.

"Neuer Kontakt"


Gestern kam das neue Telefon, heute das Päckchen von amazon.
Und so verbrachte ich den größten Teil des Abends in wilden Klingelton- und Displayorgien. Das macht mir immer ziemlich genau einen Tag lang Spaß, dann hat es sich damit für die nächsten zwei Jahre (oder wie lange das Telefon eben hält). Zum Glück für meine Umwelt, ich sehe es garnicht ein, jedermann mit meinem Telefon in voller Lautstärke zu belästigen (vorkommen kann es allerdings, daß ich die Umstellung von "Arbeit" zu "Schnauze, Puppe" ab und an vergesse).
Eines ist mir allerdings aufgefallen: Ich hatte mein Nokia genau seit August letzten Jahres, mit kleinen Aussetzern, bei denen ich immer wieder auf das C55 zurückgreifen musste. Und trotzdem haben sich mehr als vier A4-Seiten mit Telefonnummern angehäuft, die jetzt von Hand ins Telefon übertragen sein wollen. Zum Glück per Infrarot vom Laptop.
Denn dem Sport, Telefonnummern zu sammeln, der aufkam, als plötzlich jedermann ein Telefon hatte und erreichbar war, als man Mädchen, die man kaum kannte, Liebeserklärungen per Kurznachricht sandte, bin ich treu geblieben. Schließlich waren meine Vorfahren Jäger und Sammler. Und man weiß nie, wen man wann unbedingt anrufen muß.

Der springende Punkt jedoch ist die schiere Anzahl neuer Bekanntschaften seit letztem Sommer. Von vielen weiß ich, obwohl ich sie mittlerweile in die Kategorie "mal wieder anrufen, gemeinsam ausgehen, Riesenfest" einordne, nicht einmal den Nachnamen oder das Geburtsdatum. Dinge, die ich bei Freunden üblicherweise im Kopf habe.Ich vermute, daß es gerade einfach zu schnell geht.

Aber ist das nicht schön? Ich habe beispielsweise die ganzen übrigen Nummern meiner Betriebshelfertour neu sortiert, und festgestellt, daß ich mit den meisten mindestens noch ein mal Kontakt hatte. Und ich bilde mir ein, in ganz Baden-Württemberg nie mehr als 20 Kilometer zur nächsten Versper- oder Tratschgelegenheit fahren zu müssen. Zweifellos einer der Vorteile meines Zivildienstes.

Und andere? Beispielsweise die Nummer, die ich von ihrem Vater bekommen hatte, weiß der Fuchs warum, und bei der es mir immer zu peinlich war, mich zu melden, obwohl ich schon viel von ihr gehört hatte. Dann Weihnachten, Grüße per Kurzmitteilung an alle Welt, auch an sie, prompte Antwort, Einladung am ersten Weihnachtsfeiertag zum Christbaumloben, am zweiten zum Mittagessen. Am Tag danach in ihrem Bett aufgewacht. Dann Mordstheater, an Sylvester war alles vorbei. Mittlerweile entspanntes Verhältnis, vor allem dank ihrer unkomplizierten Schwester.

Oder S., mit der ich mich am Gitarrenabend im Club so gut verstand, die sich meine Nummer unter dem Vorwand der Französisch-Nachhilfe ergaunerte, und mit der ich mich seither so gerne unterhalte, trotz des Altersunterschiedes.

Die ganzen Junioren, bei denen ich mich immer wohler fühle, weil ich bei ihnen wieder einen Platz gefunden habe, an dem ich mich nicht verstellen muß. Wenn ich aus dem Stall komme, oder grantig bin, feiern will, an der Bar einschlafe, Benzin rede, oder mit den Zillertalern auf "Ein Mann ist keine Maschine..." einstimme, bis selbst S. die Augen verdreht und von mir abrückt, immer bin ich willkommen. Und wenn jemand etwas von mir will, fragt er, anstatt ewig herumzudrucksen.

Ganz im Gegensatz zu S., deren Nummer ich mir letzten Sommer während des Cocktailabends der JiL ergaunert habe. (Aber das habe ich bereits erzählt). Sie fragt nicht, sie befiehlt. Und ich folge. Mit Freude, wie alle anderen. Und mir geht es dabei besser, als wenn ich mich weigere. Dementsprechend kam gestern der erste Anruf auf dem neuen Telefon von ihr:

"Sag´ mal, Du bist ja schon wieder nicht erreichbar...?!"
-"Doch, wir reden doch grade miteinander."
"Aaargh!! Wieder beleidigt?"
-"Nein, Karte ins neue Telefon eingesetzt."
"Kannst Du das nicht machen, wenn ich Dich nicht anrufe?"
-"...!"

Außerdem hat sie mir erklärt, daß ich ihre Katzenvilla (einen alten Hühnerstall) renovieren darf, und daß sie heute abend nicht mehr vorbeikommen würde, da sie mit einem wunderschönen Mann auf dem Sofa läge. Ich schaute an mir hinunter - keine Spur von einem Sofa. Mal wieder sprachlos schwieg ich ins Telefon, und versuchte verzweifelt, die Situation zu fassen, und mein Kleinhirn zu etwas anderem als "Viel Spaß" zu bewegen. Sie lachte, wusste sie doch genau, was ich in diesem Moment dachte. Ich war mal wieder ertappt. Und um mich noch etwas zu foppen, erwähnte sie, der Mann passe hervorragend zum blauen Sofa. Mit einem lachenden "Gruß an F.!" legte ich auf. Schließlich ist er der einzige, der keinerlei Gefahr für meine(n) Eifersucht Neid darstellt, ist er aufgrund persönlicher Präferenzen doch quasi die beste Freundin von S. Und bei Frauengesprächen wünsche ich mich sowieso auf den Mond, oder besser auf den Acker.

Den Abend beschloss ich gemütlich mit den Junioren im Bauwagen, bei Festbier und Diskussionen über Flurneuordnungen, Hochwasser und die Farbcodes von Deutz-Fahr. Natürlich habe ich auch noch eine neue Telefonnummer gesammelt. Sie wissen schon,...

Das Leben ist schön!

15.2.05

Handicap


Heute scheint einer dieser Abende zu sein, an denen ich mich zuhause betrinke. Aber, um den Tag perfekt zu machen, habe ich nicht einmal mehr Bier da. Und Schnaps reizt mich nicht, schließlich möchte ich betrunken sein und nicht im Koma liegen.
Dabei ließ sich der Abend so nett an: Gemütliches Käffchen beim Chef, dann Stalldienst. Sogar der kleine Deutz lief nach einem bißchen Rumgezicke an, obwohl ihn der Boss persönlich heute morgen leergefahren hatte. Diesel rein, glühen, und Feuer: So mag ich das. Doch dann fing der Ärger an. Wie ich gesehen habe, hat mal wieder niemand den Frontlader geschmiert, und das kann ich nun einmal nicht mitansehen. Also frisch ans Werk. Natürlich ist die Fettpresse leer. Natürlich sehe ich beim Füllen gleich wieder aus wie Sau. Natürlich wird es so kalt, daß mir die Finger am Metall klebenbleiben. Natürlich sind zwei Nippel so verdreckt, daß ich sie abschrauben und ausblasen muß. Und zu guter Letzt schlägt es mich in der Hektik neben dem Schlepper der Länge nach hin. Ich bin auf dem blanken Futtertisch einfach ausgerutscht, hab mit dem Kinn die Türe angekratzt, und mich dann, wie könnte es anders sein, voll auf meine rechte Hand gestützt. Die ist durch einen kleinen Snowboardunfall vor einigen Jahren, als ich Elle und Speiche zum ersten Mal in natura sehen durfte, schon leicht in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb gibt es jetzt auch einen älteren Text von mir, den ich einfach nur einfügen muss. Zu tippen fällt mir gerade etwas schwer.

"Sunday, bloody sunday...."

U2 Ich beschreibe mal einen ganz normalen Sonntagmorgen, ganz einfach, weil so ein Sonntagmorgen jeden in den Wahnsinn treiben könnte:
Elf vor sechs, Eine ganze Horde gutgebauter draller Blondinen verfolgt mich...
Zehn vor sechs, sie haben mich eingeholt. Warum bin ich eigentlich weggerannt? Egal, macht mit mir, was immer ihr wollt! Ich war ein sehr böser Junge...
Zehn vor sechs: Der Wecker klingelt. Für diese Unverschämtheit bekommt er sofort was auf die Mütze. Man kann sich ja nicht alles bieten lassen! Aber im Dunkeln treffe ich ihn nicht richtig, also muß ich härtere Bandagen anwenden: Ich ziehe an der Tischdecke, auf der er steht. Das müßte ihn zu Fall bringen. Aber er trötet munter weiter.Nur meine Füße werden plötzlich kalt. Es hat mich also erwischt, ich habe mir selber die Bettdecke weggezogen. Ich greife zum letzten Mittel, das mir noch bleibt: Ich mache die Augen auf. Es ist immer noch dunkel. Und die drallen Blondinen sind auch weg. Dafür kriegt der Kerl jetzt so richtig sein Fett weg, was glaubt der eigentlich?
Nach meinem edlen Sieg über den bösen Weckton schließe ich die Augen wieder und grinse diabolisch: Wehe dem Besiegten! Neun vor sechs: Offensichtlich ist der Freund des Weckers gekommen, um seinen schmählichen Tod zu rächen: Munter piepst er vor sich hin, in den höchsten Tönen und mit unglaublich arroganter Melodie. Er ist kleiner als der unförmige Wecker, bewegt sich schneller. Ich bekomme ihn nicht gleich zu fassen, er entwischt mir immer wieder. Ich drehe mich also um. Jetzt hat er sich aus seiner Deckung gewagt, da leuchtet er vor sich hin, direkt am Abgrund. Als er gerade nicht hinschaut, stoße ich ihn zur Tischkante hinunter. Doch er baumelt in der Luft, hat sich heimlich am Ladekabel festgemacht. Also packe ich ihn und würge ihn, bis er seinen letzten Schnaufer tut.
Jetzt ist Ruhe. Aber wach bin ich trotzdem. Und die Blondinen meilenweit weg. Vielleicht erwische ich noch eine langsame, wenn ich schnell wieder einschlafe. Aber aus Erfahrung weiß man, daß die langsamen nicht unbedingt die besten sind. Und zweite Wahl will ich nicht.
Ach, zum Teufel! Aber immerhin fällt mir wieder ein, wo ich gestern war (ONE, Göggingen), was ich da gemacht habe ("Ist der immer so besoffen?" - "Das ist unser Fahrer, der ist immer so...") und warum ich überhaupt gefahren bin. (Ich muß doch morgen in den Stall.-> Heureka! Erleuchtung droht!)
Dann stehe ich eben auf. Nichts leichter als das. Räuspern. Aha, wir haben also gestern gesungen, und zwar richtig laut. Und alles dreht sich: Offensichtlich Alkoholmangel. Also ab ins Bad. Wasser ins Gesicht, beinahe ertrunken. Memo: Mund vorher schließen, nicht einatmen! Dann Kleider suchen. Eine Socke bleibt verschwunden. Hol ich halt neue, was soll´s.
Alles da? Schlüssel? Steckt sicher im Schloß an der Haustür. Telefon? Baumelt noch am Ladekabel.
Fünf vor sechs: Abfahrt! Und gleich wieder zurück, Schuhe wären nicht schlecht. Jetzt aber! Polomatic anwerfen, erster Gang, Feuer frei! Hoppla, jetzt komm´ ich!
Zum Glück muß ich nur einen Kilometer zum Hof fahren. So ein Nebel. Kann ja garnichts erkennen. Scheibenwischer: kein Ergebnis. Lüftung auf Stufe 3: keine Verbesserung. Also ist der Nebel doch draußen. Fenster auf und Kopf raus. Besser, viel besser. Kopf wieder rein, Radio an. Ich fasse in den leeren Schacht. War wohl nix, muß ich eben selber singen.
Einfahrt auf den Hof. Motor aus, Licht aus.... Aussteigen nicht vergessen. Draußen ist es kalt. Komischer Wind. Nicht Ost und nicht West undtrotzdem kalt. Im Stall erstmal Licht anmachen. Scheint alles in Ordnung zu sein. Ich gehe rein, Kühe raustreiben. Ja, steht ruhig auf, ihr Büchsen, ich kann auch nicht weiterschlafen. Die ganz Faulen werden mit der Gabel ganz sanft fremdgestartet. Das hilft. Aber ich kriege feuchte Socken. Ich schaue runter. Die alten Schuhe mit der Innenbelüftung waren wohl doch nicht so die Top-Idee. Wie lange will ich die eigentlich schon wegwerfen? Ich werde ja sogar in Bartholomä mit denen ausgelacht. Aber die Haix sind noch nicht da.
Mist aus den Boxen räumen. Warum ist da alles so naß? Und was macht der hübsche Wasserfall da drüben? Haben die Biester doch glatt den Wasserschlauch runtergerissen. Möchte wissen, wie das geht. Der hängt mehr als zwei Meter hoch. Wenn ich´s mir so überlege, will ich es lieber doch nicht wissen, sonst kriege ich noch Angst. Also Wasserhahn abdrehen. An dem hat offensichtlich eine Kuh die ganze Nacht gesaugt, der ist recht schleimig. Keine Handschuhe dabei. Naja, Pech gehabt. Erstmal die restlichen Viecher rübersperren. Wo ist der Strick zum zumachen? Der liegt im Dreck, und darüber sind grad eben 75 Kühe getrampelt. Hilft alles nichts. Also hoch damit. Und zuknoten. Hoffentlich hält der Knoten bei der Schmiere. Sonst rennen alle wieder zurück.
Futter laden. als nächstes. Wo war der Zettel mit der Ration? Heut nacht haben sie recht gut ausgefressen, also bißchen erhöhen. Augenmaß ist alles.
Der Fendt ist kalt, der Frontlader hebt langsam. Laufen lassen. Radio an. Den kleinen Deutz raus, der ist mit dem Futtermischwagen doch leicht überfordert. Hoffentlich fällt er nicht gleich jetzt auseinander. Ich rede ihm gut zu. Licht an, damit die Waage kalibriert. Die tut sowieso nur, wann sie will, und auch nur wenn es trocken ist. Aber feucht kann sie nicht geworden sein, oder? Ich rüttle ein wenig am Kabel, hab es in der Hand. Seufz, hat jemand einen Schraubenzieher? Wenn ich es einfach wieder da reinstecke... Nichts tut sich. Vielleicht ist sie ja in der Gewerkschaft?
Stroh aufladen, Kraftfutter in die Schaufel. Der vordere Sack Protein ist leer. Jetzt darf ich nach hinten durchkriechen und den zweiten aufmachen. Na gut. Das Zeug ist wie festgebacken da drin. Bräuchte das Bundeswehr-Sprengkommando. Oder lieber die Israelis? Unsere Jungs haben das sowieso nicht drauf.
Die Pfeifen, die den Schrot immer mit dem frontlader aufladen, haben den ganzen haufen so weit nach hinten geschoben, daß ich jetzt alles von Hand aufladen darf. Danke, Herr. Gott muß eine Frau sein. Futterkalk aufladen, Mineralfutter auch. Ein Lichtblick, das riecht wenigstens gut. Noch zwei Schaufeln Salz. Als ich die Hand in den sack stecke, brennt es. Da habe ich mich gestern irgendwie aufgerissen. Ich verstehe das Sprichwort "salz in die Wunde streuen" plötzlich. Daumenlutschend fahre ich das Kraftfutter raus. Rauf damit auf den Wagen. Der wind hat gedreht, bläst mir den ganzen Staub über den Hof. Kann´s nicht ändern. Was solls´s. Gras aufladen. Und Mais. Aber der Wind hat die Silofolie runtergezerrt. Also im Dunkeln hochsteigen. Folie hochziehen und Reifen drauf. Das hat der Chef persönlich abgedeckt gestern. Wieder runter vom Silo. Auf dem Rückweg trete ich in eine Pfütze. Daß meine Schuhe nicht dicht sind, ist jetzt von Vorteil, da kann wenigstens das Wasser wieder unten raus.
Mittlerweile ist der Fendt angenehm warm. Aufsitzen. Im Radio kommt ein Kommentar irgendeiner freikirchlichen Gemeinde: "...wir müssen alle sterben...." Mir wird klar, warum ich die Gläubigen alle nicht leiden kann. Anderen Sender suchen. Gute Musik gibt es Sonntagmorgens nicht. Wozu auch.
Das Futter ist viel zu trocken, da muß Wasser rein. Ich schließe den Schlauch an und drehe auf. Weil die Halterung fehlt, muß ich ihn halten. Das Wasser läuft mir den Arm runter und in den Pullover. Angenehme vier Grad. Plötzlich kommt kein Wasser mehr. Ich drehe mich um. Hat doch das einzige Rind, das an den Schlauch kommt, die Gelegenheit genutzt und draufgebissen. Ich zieh mal dran. (Am Schlauch, nicht am Rind.) Es findet Gefallen an unserem kleinen Spiel. Ich hab auch genug Wasser.
Futter abladen. Sieht gut aus. Wenigstens staubt es nicht beim Fressen, das gefällt. Die Kühe machen sich an ihre Arbeit. Die besteht darin, möglichst viel Futter möglichst weit aus dem Trog zu werfen, damit ich es wieder ranschieben muß.
Ich besuche mein Jungvieh und die Bullen im anderen Stall. Die schaffen es immer wieder, das kleine Tränkebecken zu treffen. Allerdings nicht mit der Schnauze.Also schwimmt da jetzt was Braunes... Und alle schauen mich unschuldig an, wie wenn es keiner gewesen wäre. Ich hatte zum Ausputzen immer eine Bürste, aber die haben die Nachbarskinder offensichtlich brauchen können. Hoffentlich putzen sie sich damit die Zähne! Dann halt von Hand. Welch Wunder: Auch dieses Wasser ist kalt. Und die Bullen finden Gefallen an meiner Putzerei. Einer probiert, wie meine Hose schmeckt. Fertig. Futter ranschieben. Schrot verteilen. Wenn die Schubkarre leer ist, führen die sich auf, als wenn sie am Verhungern wären. Ich hol ja nur Neues, komm ja gleich wieder.
Auf dem rückweg fahre ich am Vereinsheim vorbei. ein paar Autos sind noch da. Klar, gestern war Länderspiel. Aber immerhin sind heute schon alle zuhause. Zumindest ist kein Licht mehr. Langsam wird es Tag. Ich liebe diese Sonnenaufgänge. Auch wenn sie durchaus um zehn Uhr noch schön wären.
Noch kurz zu den Kälbern, Fieber messen bei meinem Sorgenkind. Alles im grünen Bereich. Von den Trockenstehern macht auch keine Anstalten zum Kalben. Hätte mir grade noch gefehlt am Sonntag morgen.
Kaffee. Und dann heim ins Bett. Zuhause draußen Schuhe ausziehen, sonst gibt´s wieder terror von der Regierung. Auf Strümpfen durchs Haus. Da war doch was. Ich schaue runter: Genau. Undichte Schuhe machen schmutzige Strümpfe. Und die machen Spuren auf der Treppe. Also putzen. Zehn nach neun. Ich kann nicht schlafen. Jetzt bin ich fit und wach wie ein Turnschuh. Setze ich mich eben an den Laptop. Bis nächsten Sonntag.


Der einzige Lichtblick des Abends war der Anruf von S. zum Valentinstag. Und jetzt gehe ich meine Hand schonen.

Bestellt


Nachdem letzten Monat ein wenig Ebbe in der Kasse herrschte und ich dadurch auf meine Ration neue Musik verzichten musste, habe ich gerade eben ein wenig meinen kleinen Wunschzettel durchgeforstet. Dabei waren Adam Green (mich fasziniert Emily so), 3DoorsDown (für mich die üblichen Verdächtigen), Sheryl Crow (eines der älteren Alben, um meine Sammlung zu vervollständigen), Nick Drake´s Pink Moon (wozu haben wir ein Cabriolet in der Garage?) und Achim Reichels Jubiläumskonzert (seit ich Kuddel daddel du gehört habe, bin ich verloren).
Das musste sein, um mich für die heute nacht fertiggestellte Feinwerktechnik-Übung zu belohnen. Solche Probleme wie mit AutoCAD hatte ich noch nie erlebt. Daß ich sogar den Tuschestift ausgepackt habe, und klammheimlich ein paar Dinge reingepfriemelt habe, ist freilich Pfusch. Aber immerhin Pfusch auf hohem Niveau. Wer zeichnet denn heute noch in Tusche?
Sollte mein Vater jemals mitbekommen, wie ich wirklich gepfuscht habe, wird er mich sicherlich enterben, aussetzen und steinigen (in beliebiger Reihenfolge). Die kleineren Tricks, mit denen ich mich durchgemogelt habe, konnte ich ihm noch erzählen, ohne rot zu werden. Aber Blätter zweimal durch den Drucker zu jagen, weil sich Schriftfeld und Zeichnung nie auf einen Maßstab einigen konnten, hätte ihm wahrscheinlich das architektische Perfektionistenherz gebrochen.

Und es geht mir wirklich besser, seit ich mich von HM3 wieder abgemeldet habe. Ich habe für die Höhere Mathematik nicht wirklich etwas gemacht in diesem Semester. Und jetzt, drei Wochen vor der Prüfung, bekam ich die übliche Panik. Und diese hat ihren Namen wirklich verdient. Jetzt eben im Sommer. Ich rede mir ein, mich da besser konzentrieren zu können, weil die Prüfungen weiter auseinandergezogen sind.

Die nächste Anschaffung wird ein richtig schöner TFT. Der Schleppi ist schön und gut, aber für CAD zu klein, mein Siebzehnzöller sowieso, und mein Einundzwanzigzöller ist dermaßen alt und ausgelutscht, daß ich nach kurzer Zeit einen Brummschädel habe, wie nach einer Nacht Medal of Honour. Wobei ich gestehen muß, seit Jahren kein Computerspiel mehr angefasst zu haben. Außer AutoCAD natürlich.

Ein neues Auto könnte ich auch brauchen. Nichts gegen meinen Polo, aber der Aufprall eines Deutz-Fahr Agrotron 115 MK3 (irgendwas mit acht Tonnen Gesamtgewicht) hat ihm nicht wirklich gutgetan. Zugegebenermaßen war es dermaßen glatt, daß andere Autos vor mir sich fahrerlos selbständig gemacht haben, und die Steige hinuntergerutscht sind. Es hat ja auch geschneit, was das Zeug hielt.
Ich hatte meine Mutter nach Bartholomä gefahren, und war gerade wieder auf dem Heimweg über Essingen, als mich der Polo-Rappel packte (Der Polo packt das!), und ich die Lauterburger Steige in Angriff nahm. Die komme ich bei gutem Wetter mit etwa 50 Sachen hoch, um einmal das Gefälle zu verdeutlichen. In der steilsten Stelle hatten sich drei, vier Autos von unten und oben verkeilt, und ich musste halten. Nach oben kam ich nicht mehr weg, nach unten war zu. Da stand ich nun. Nicht einmal ein Warndreieck hatten die Idioten Fahrer aufgestellt.
Zum Glück war ein Passat 4motion unterwegs, der fröhlich hinauf und hinunter fuhr, und bei jeder Fahrt einen mehr oder minder verbeulten Wagen hinter sich herschleppte. Lachen musste ich doch, als der Verursacher des ganzen Schlamassels, ein Twingo, beinahe quer zur Straße daherkam. Der Passat zog fröhlich, der Twingo kämpfte hinten, und ich hörte minutenlang das Kreischen von Twingoblech auf Fahrbahnbegrenzung, als der Twingo willenlos hinter dem Passat hertaumelte. Das hatte der Passatfahrer nicht bemerkt, und dementsprechend betröpfelt sah er aus.
Nach einer halben Stunde hatte sich die ganze Geschichte soweit gelöst, daß ich meine weitere Abfahrt in Angriff nehemen konnte. Daß ich daraufhin spaßeshalber noch dreimal die Tour Lautern-Lauterburg machte, um mir und allen zu zeigen, daß sich ein Polo vielleicht einmal anboxen lässt, aber niemals wirklich aufgehalten werden kann, sollte selbstverständlich sein.

Aber genug geträumt von den großen Einkäufen. Das Wichtigste habe ich schließlich vergessen: Heute ist Valentinstag. Und ich hab´s verpennt. Ob ich noch was bestellen soll? Oder verkauft mir jemand schnell einen Haufen Rosen?
Sonst stehe ich in ziemlich genau vierzig Minuten da, wie bestellt und nicht abgeholt.

14.2.05

Wenn es alle tun...


Alla gut, nachdem ich mich gerade durch sämtliche Blogs, die ich kenne, gewühlt habe, gestehe ich, heute beim Frühstück auch ein Fitzelchen des "Bundesvision Song Contest" (ich werde dieses schreckliche Wortgebilde nie wieder verwenden!) gesehen zu haben.
Und zwar den Auftritt von Juli. Womit ich auch auf Anhieb den Sieger gesehen habe. Naja, etwas dünne Stimme. Aber immerhin meine ich herausgehört zu haben, daß sie live gespielt haben. Oder sie haben im Vorfeld extra dafür etwas aufgenommen.
Verpasst habe ich Apocalytica mit Marta Jandova, der Sängerin von Die Happy. Muß ich erwähnen, daß ich diese Frau liebe? Daß ich bei jedem Konzert in der Umgeb