25.1.05

ROT sehen

Heute ist Vollmond - das bringt mich auf etwas bzw. jemanden. Aber welchen Grund hätte ich, mich zu melden? Und dieser Person mit meiner Anweseheit den Abend zu verderben? Denn zu ihren bevorzugten Vollmondbegegnungen zähle ich nicht (mehr). Als ich mir bitter klargemacht hatte, daß es mir ähnlich ergeht, wurde es aber nicht leichter. Mittlerweile werfe ich zu dieser Zeit mein Telefon am liebsten an die Wand.
Sicher ist, daß mir diese Person noch immer im Kopf herumspukt - dafür sorgt sie selbst.
Und ihre Fähigkeit, Menschen zu kontrollieren, halte ich für einzigartig. Aber mein Wissen darum macht es für sie komischerweise nicht schwerer, dasselbe mit mir zu tun. Und mein gelegentliches Aufbegehren führt grundsätzlich ins Fiasko (sowie in einen absoluten Vollrausch). Daraufhin sitzen oder stehen wir dann wieder irgendwo und werfen uns Bösartigkeiten an den Kopf, beteuern uns gegenseitig, wie wichtig der jeweils andere einem sei, und zu guter (oder besser: schlechter) Letzt renne ich meist davon. Schließlich bin ich kompliziert und muß diesen Nimbus pflegen.
Mit ihrer Art hat sie sich vergangenes Wochenende ganz nett in die Bredouille gebracht, als sie auf meine Bitte hin einen Freund von mir nach Hause gebracht hat. Daß er sich nicht dressieren ließ und überaus zudringlich wurde, hat sie böse aus der Fassung gebarcht. (Lassen wir mal Ver- und Anstand außer acht, die in einer solchen Situation sowieso nichts gelten: Wer könnte es ihm verdenken, bei dieser Person? Sie hat zu ihrem Bild in der Öffentlichkeit alles beigetragen, was sie konnte. Daß sie jetzt genau daran zerbrechen zu scheint, reißt an mir.) Mein Trost (und zwei stramme Gläser Wein) haben die Sache aber wieder halbwegs ins Lot gebracht. Ich hatte ob ihrer verzweifelten Stimme am Telefon und meiner Befürchtung, es könne Schimmeres passiert sein, einen rekordverdächtigen Abstieg von der Leiter (wir waren gerade beim Abbau der Dekoration in der Halle) und einen weltmeisterlichen Sprint hingelegt, sie in den Arm genommen und wieder zur Halle gebracht. Ihre Angst, und meine Unfähigkeit, sie stets zu schützen, brachten mich derart in Rage, daß bei meinen Selbstvorwürfen, sie alleine gelassen zu haben, zwei Fliesen in der Küche zu Bruch gingen. Schlußendlich wurde ich von ihr getröstet, und als sie ging, ertränkte ich den Rest meiner Wut in Alkohol.

Mein Glauben daran, unberechen- und unkontrollierbar zu sein, schwankt. Stellt sich die Frage, ob bezüglich meiner Person wirklich Dressur oder Freundschaft die Oberhand behalten. Ich hoffe und fürchte. Aber das ist ja nichts Neues.